Ich muss mal ein wenig Unverständnis los werden. Dieser Kritik und dem damit verbundenen Unfähigkeitsvorwurf gliedere ich mich mit ein. Es geht wie so oft um Blogs, Charts und Aufmerksamkeit. Doch ich möchte mit einer anderen Perspektive beginnen.

Es hat sich bei meinen Bekannten und Kommilitonen wohl rumgesprochen, dass ich ins Internet schreibe, was man jetzt bloggen nennt. Man liest ab und an davon und da werde ich dann ab und an gefragt:
I. „Sag mal, stimmt das, dass Blogs nur was für Geeks/ Freaks sind und sich nur mit Technikkram beschäftigen?“ Das war jemand, der schon mal im Internet war.
II. „Sag mal, ich hab gehört du hast nen Blog, warum führst du dein Tagebuch denn im Internet, wo alle es lesen können?“ Der war noch nicht online.
III. „Sag mal, ist das nicht langweilig sich immer nur auf Blogs zu beziehen?“ Der hat wohl mal in die Süddeutsch geschaut.
IV. „Sag mal, ich find den und den Blog viel besser als den und den Blog, aber der andere ist in den Charts. Warum?“ Der kennt sich aus und hat das Prinzip dennoch nicht verstanden.

Ist euch was aufgefallen? Genau, es fragt kaum jemand nach interessantem, kaum jemand fragt ob er nicht auch einen Blog haben kann um am Diskurs der Blogs über Gesellschaft, Politik, Philosophie und Kunst teilzunehmen. Blogs sind entweder für Freaks, die nur vor dem Computer hocken, Tagebücher oder selbstbezügliche Klatschweiber. Kaum jemand verbindet Blogs und Qualität. Für viele scheint sich das sogar auszuschließen. Das nervt und liegt doch an uns selbst und nicht dem blöden Leser.

Wenn überhaupt mal in den Zeitungen und Zeitschriften über Blogs berichtet wird, dann über diejenigen, die ganz oben stehen, die so genannten A-Blogger. Das ist völlig normal und soll nicht teil meiner Kritik sein. An wen würdet ihr euch denn wenden, wenn ihr euch irgendwo nicht auskennt? Genau, an die Erfahrenen. Aber hat sich mal jemand die großen Blogs angeschaut? Ich will nicht sagen, alle gleich, das wäre Schwachsinn, aber sie repräsentieren jedenfalls nicht das Spektrum der Blogosphäre wieder. Kaum politische Blogs. Kaum gesellschaftskritische Blogs. Sehr, sehr viele Internet-, Technikbezogene Blogs. Sehr viele selbstbezogene Blogs, die eher Tagebuch schreiben. So ist das und es ist nicht schlecht, zumindest nicht partout.

Aber die A-Liste ist einfach nicht bunt genug. Ist meine Meinung. Warum ist das so? habe ich auch eine Meinung zu. Die Blogs, die ich meine, die unterrepräsentiert sind, verlinken sich einfach zu selten. Ein Blog, der sonst über Politik schreibt will eben nicht jedes Stöckchen und jeden Spaß mitmachen. Die Blogs, die ich meine, die schicken keine Stöckchen los. Man will seine Qualität erhalten und nicht durch „Spaßverlinkung“ die Leser vergraulen. Es herrscht dort ein Ernst, der missversteht, dass Qualität nur wirken kann, wenn sie wahrgenommen wird.

Ich meine nicht, die Blogs, die ich meine, sollten jetzt wie wild mit Holz um sich schmeißen, oder lustige Verlinkungsorgien feiern. Ich sehe eher den Weg der Kooperation. Öfter Texte anderer Blogs aufnehmen und erweitern, von einer anderen Seite beleuchten und so die Qualität erhöhen. Genau das machen die Topblogs nämlich. Eine Meldung wird von verschiedenen Autoren verschieden beurteilt und analysiert. Dadurch entstehen Diskussionen und das ist gut so. Nur die Blogs, die ich meine, die machen das nicht. Obwohl oft Themenüberschneidungen vorhanden sind, wird sich nicht verlinkt, wird weniger miteinander diskutiert. Woran es liegen kann, darf ich höchstens spekulieren. Kurze Kommentare sind nicht drin, weil sonst der akademische Habitus nicht vollendet genug transportiert wird? Sicher, aber das kann ja der einzige Grund nicht sein.

Was will ich sagen? Die blogs, die ich meine, werden wissen, dass sie gemeint sind. Junge Akademiker, die sich in ihrem Blog mit der politisch-gesellschaftlichen Welt beschäftigen. An der Uni ist Einzelstudium sicher vorteilhaft, in Gruppenarbeiten verliert man nur Zeit, aber in der Blogosphäre würde ich mir ein wenig mehr Zusammenhalt wünschen und den ein oder anderen Blog nach oben zu pushen.

Bei Robert kann man heute die Buzzwörter der letzten Zeit lesen. Es ist keins dabei, was mich oder euch angesprochenen sonderlich interessieren dürfte. Finde ich schade. Denn es gibt politische Blogs. Massenweise. Sie werden nur nicht bemerkt. Kann man ändern!

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16. Mai 2007

Kommentare

Vielleicht liegt es einfach daran, dass sich die Leute nicht mehr für Politik interessieren und eher mit ihrem eigenen Kram beschäftigt sind. Sowas ist gefährlich …

Stimme weitestgehend zu. Blogs bieten jungen Philosophen, Kulturkritikern, Geisteswissenschaftlern überhaupt (dass das weibliche Geschlecht in dieser Auflistung miteinbezogen ist, setze ich stillschweigend voraus) die Möglichkeit auf die Öffentliche Meinung Einfluss zu nehmen, was natürlich nur geht, wenn man bekannt wird.

Ich sehe das Problem insgesamt darin, dass es schwer ist, die richtigen Leser zu gewinnen. Da unterscheidet sich die Blogsphäre nur geringfügig von Fernsehsendern. Genauso wie es Pro7 weit mehr Zuschauer als Arte oder 3Sat hat, genauso haben die Technik- oder Allerwelts-Blogs weit mehr Leser als die Kultur-Blogs.

Als Kultur-Blog-Autor muss man es irgendwie schaffen die richtigen, wenigeren Leute aus der Masse herauszufiltern, die kulturinteressiert sind. Wie dafür der Königsweg aussehen soll ist mir bislang ein Rätsel. Die großen Blogs bieten Themen an, welche jedermanns Lebenswelt berühren, so dass die ihre Leser nicht aus der großen Masser erst herausfiltern müssen.

Vielleicht könnte man ja gemeinschaftlich einen Extra-Blog für Kultur-Blogs machen, der sich nur Kultur-Blogs widmet? Dann müsste man nur für die eine Seite Werbung machen und könnte zusammen dafür Zeit investieren…

So oder so: Da ich mich ebenfalls mit dem Problem plage stehe ich für eine tiefergehende Vernetzung und Kooperation gerne jederzeit zur Verfügung-falls dies gewünscht wird.

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