Einen Film über den Krieg zu drehen ist nicht ganz einfach in Hollywood. Viele gute Regisseure sind schon daran gescheitert. Tränensackgeladenen Pathosgesänge auf die Helden Amerikas kommen zwar regelmäßig in die Kinos und werden in dem Land, das scheinbar nie im Frieden ist, jubelnd aufgenommen. Clint Eastwood ist ist mit seinen zwei Filmen „Flags of our fathers“ und Letters from Iwo Jima“ ein anderer Blick auf den Krieg gelungen, ein bewegender Blick, der nicht einmal Gefahr gerät im Pathos des sterbenden Soldaten zu ertrinken.

Die beiden Filme zeigen die Schlacht um Iwo Jima 1945, einer strategisch wichtigen japanischen Insel, in der es zu sehr hohen Verlusten sowohl bei den Amerikanern, als auch den Japanern gekommen ist. Interessant ist aber nicht die Geschichte dieser Schlacht, sondern das Konzept Eastwoods. Beide Filme benutzen zum Teil die selben Bilder, doch die Grundperspektive ist eine andere, auch wenn sie sich so sehr gleicht. „Flags of our fathers“ ist aus der Sicht dreier amerikanischer Soldaten, die zu Helden werden, weil sie auf einem Bild zu sehen sind, das Joe Rosenthal fotografiert hat und dafür den Pulitzer Preis bekommen hat. Die drei Soldaten werden nach hause geholt und tingeln daraufhin durch Amerika, als Helden von Iwo Jima und sollen in einer riesigen PR-Aktion die Amerikaner dazu bringen den Krieg weiter zu finanzieren.

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Die andere Sichtweise ist die eines jungen japanischen Soldaten, der Zwangseingezogen wird und auf Iwo Jima das Reich gegen die Amerikaner verteidigen muss. Es wird die brutalität des japanischen Faschismus nicht gezeigt, aber man ahnt sie in jeder Minute des Filmes. Dennoch fühlt man mit dem jungen Vater mit, der nur nach Hause, zu Frau und Kind möchte, in seine kleine Bäckerei, um sein Leben zu leben. Aber Iwo Jima ist wichtig. Es ist heilige japanische Erde und diese muss verteidigt werden bis zum Tod. Entsprechend erschreckend und nachdenklich machend sind dann die Bilder von Selbstmordbegehenden Japanern, die Handgranaten zünden und sich auf diese schmeißen. Warum sterben Menschen für Ideen wie ein heiliges Vaterland?

 

Was sich jetzt zunächst erstmal nur wie einer dieser Hollywood-kriegs-Schinken anhört, ist eine unaufgeregte Darstellung der Kriegswirren, die nicht alle auf dem Schlachtfeld stattfinden. Eastwood will sowohl die menschliche Seite des Krieges zeigen, in ruhigen Bildern und Szenen die fast alltäglich erscheinen, wenn sie nicht mitten in einem Krieg stattfinden würden, als auch die Grausamkeit des Krieges, die beide Seiten einsehen lassen, dass sie sich nicht töten sollten, es aber dennoch tun. Die Filme zeigen auch die Lügen beider Seiten während des Krieges für die Aufrechterhaltung des Krieges. Das hat mich ganz besonders überrascht, macht er es vor allem nicht so nihilistisch weltverloren wie „Apokalypse Now“, der mir zwar immer wieder in den beiden Filmen begegnet ist, aber „Flags of our fathers“ und „Letters from Iwo Jima“ haben einen ganz anderen Ton, eine andere Farbe und fast wäre ich geneigt zu sagen, sie schmecken anders.

Ich empfehle jedem mal diese beiden Filme zu sehen. Nicht unbedingt direkt nacheinander, denn dann kann jeder einzelne Film nicht die Wirkung entfalten, die er hervorrufen kann. Diese Filme lassen einen nicht so verstört zurück wie ein „Der Soldat James Ryan“ oder eben der gerade erwähnte „Apokalypse Now“, die Filme sind auch nicht so zersetzend lustig und cool wie „Full Metall Jacket“, nicht mal so dumpf wie „Jarhead“. Clint Eastwood ist mit „Flags of your father“ und „Letters von Iwo Jima“ eine neue Kategorie Anti-Kriegsfilm gelungen.

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28. Februar 2008