Ich liebe den Geschmack des deutschen Films. Zigaretten und billiger Rotwein von Aldi. Rioja 2005. Kräftig und traurig im Geschmack. Fruchtig aber nie süß, nie warm und doch ein Genuss. So schmecken die großen deutschen Filme wie Barfuß, Solino, Lammbock oder Elementarteilchen, den ich gerade gesehen habe. Meisterwerke des traurigen Spaßes der sich Leben nennt. Melancholischer Nihilismus gepaart mit der Liebe eines Existenzialismus, immer ein Schuss Dialektik und so undurchsichtig wie die Meisterwerke Goethes. Nie ein Ende findend in der Brandung des Seins, vermischt mit der Gicht der Liebe.

Ich mag den deutschen Film und Abende wie diesen. Verzweiflung und Freude lassen sich miteinander in einer Atmosphäre verbinden, die kaum zum Atmen reicht, aber der Kehle genug Luft lässt um dem Denken bloß keinen Abbruch zu geben. Denn denken macht die Melancholie erst möglich, bereitet sie doch den Gefühlsausbruch vor, der ganz im Sinne der griechischen Tragödie im Elend enden muss. Doch das griechische Ende ist verheerend und moralisch. Das Ende dieser Filme ist lustig und tränentrocknend, ohne Botschaft, ohne Witz, so gediegen wie der Plausch zwischen zwei wirklich guten Freunden.

Billig ist nur der Rotwein, echt sind die Gefühle, trocken nur die Schizophrenie, die sich hinter allem Großen verbirgt. So unverständlich wie das Leben ist dieser Ausdruck meiner tiefsten Hochachtung vor den Filmen, die Leben besser definieren als es jeder Werbespot der Philosophie je gekonnt hätte.

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18. September 2007

Kommentare

Ich weiß ja, daß Diskussionen hier geschätzt werden, aber viel mehr als Zustimmung kann ich nicht abliefern. Außerdem mag ich skandinavische Komödien. Da muß man nicht dauernd schenkelklopfen, darf dafür aber auch mal richtig lachen. Und ein Stück Nachdenklichkeit ist auch immer dabei. Aber was wäre ein Werk (in diesem Fall Film) wenn ich bei oder nach seinem Konsum nicht nachdenken müßte. Dann hätte ich ja gar keine Anregung für mich mitgenommen. Ein einsamer Standpunkt, ich gehe auch mit mir allein ins Kino, wenn es sein muß. Die anderen wollen nur Hollywood. am besten mit viel Späschhl Äffäx.

Ich kenne an skandinavischen Komödien leider nur „In China essen sie Hunde“, aber der hat genau so gewirkt, wie du es beschreibst. hast du ein paar Anregungen, was ich mir in diese Richtung mal noch ausleihen könnte?

Hm ok hier ein paar skandinavische Favoriten meinerseits: Jalla Jalla, Schwedisch-arabisch mit englischen Untertiteln, eine unkonventionelle Heiratskömodie. Kitchen Stories, eine bizarre Geschichte in der in den Küchen von Landeier-Junggesellen Hochsitze montiert werden, von denen aus Beobachter ihre angebliche Effizienz feststellen… bis es zu zögerlichen aber herzlichen Annäherungen kommt. Adams Äpfel (Adams æbler): Eine Film, der immer noch einen drauf setzt aber nie platt ist, der Humor wird oft mit Waffengewalt durchgesetzt. Populärmusik aus Vittula (Vittula = finnisch für „Fotzenkaff“): Eine starke Tragikomödie über das Leben von ein paar Jungs, die im übelsten Hinterwald aufwachsen und ihre Wege gehen. Lilja 4-ever: Keine Kommödie, aber einer der stärksten Filme, die ich bisher gesehen habe. Leider auch überhaupt nicht lustig,

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