Man könnte meinen die Sozialforschung habe im letzten halben Jahrhundert nichts aber wirklich nichts geleistet, wenn man pseudo-philosophische Diskussionen ein wenig objektiviert. Jeder kennt die Frage, ein jeder wurde sicher auch schon wenigstens ein Mal von ihr aus dem Konzept gebracht. Entweder durch nicht wieder rückführbares Erstaunen über die arezeptionale Einstellung des oder der Gesprächspartner, oder vielleicht auch einfach, weil man keine gute Antwort auf diese Frage hatte. Denn sinnfrei ist sie nicht. Aber auch nicht so philokratisch, wie der ungelenke Sophist meint, wenn er mit dieser Frage zurück in seine Argumentationslinie führen möchte.

Was ist schon normal, soll ausdrücken, dass man nicht von einem Durchschnitt ausgehen kann und den Einzelfall betrachten muss um sich dann durch viele Beispiele die Gesprächshoheit zu sichern. Möglichst schreckliche Fälle werden dann herbeigezogen, um das Normale zur Unmöglichkeit zu erklären. Man kann doch nicht dein Beispiel als normal, wenn meins viel schrecklicher ist.

Aber hier soll nicht die Liste der argumentativen Witzfiguren erweitert werden, sondern sich ein Spaß erlaubt werden. Jon Lajoie hat einen Song geschrieben, der wohl vor allem Hip Hop Wahn nach geiler, besser, größer, härter und reicher ein wenig auf die Schippe nehmen soll. Everyday Normal Guy ist ein Lied über einen ganz normalen Typen,d er eigentlich nicht sonderlich viel kann, nicht sonderlich gut aussieht, nicht viel Geld hat, sich im Club in die Warteschlange einreihen muss und der keine Barbie zur Frau hat. Ein ganz normaler Allerweltstyp, wie man so schön sagt.

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Doch wenn das was er da besingt normal ist. Ist dann normal denn noch normal? Inwiefern kann normal nicht immer nur als Ausnahme des Außergewöhnlichen angesehen werden? Ist normal nicht das Außergewöhnliche? Kann nicht jeder irgendwas, was kein anderer kann? Hat nicht jeder ungeahnte Talente  oder wenigstens schon einmal etwas erlebt, was so spektakulär ist, dass er die Geschichte auch noch nach 50 Jahren gerne auf Familienfeiern erzählt?

Genug der Fragen. Ich finde nämlich genau das nicht normal. Warum wird das Außergewöhnliche erst so anerkannt, dass ihm ein Wert zugeordnet wird. Was hat das Normale falsch gemacht, dass es immer nur als Alltag, Langeweile und Lückenfüller tituliert wird und furchtbar unbeachtet bleibt. Das war mal anders.

Wir müssen ja nicht wieder in die Romantik mit ihren nervzerreißenden Vögelgezwitscher zurückfallen um und klar zu machen, in welche abnormale Parallelwelt unsere Gesellschaft gerät, wenn nur noch das nie Dagewesene, das brutalst Mögliche, das nimmerwiederkehrende Auslöschen einen Wert verdient hat.

Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, dass das Einzigartigste, Außergewöhnlichste wohl ein Atomkrieg wäre und so plump das jetzt erscheint: Genau darauf wollte ich hinaus. Ein sinnfreier, nicht ganz normaler, aber eben doch noch nicht außergewöhnlicher Beitrag, mit einem zugegeben wirklich beschissenen Fazit. Ich kann mich auch an den kleinen Dingen erfreuen, bin ih jetzt normal oder was?

Denkt mal wieder nach. Die Melodie ist übrigens auch recht normal, aber gut. Muss man auch mal gesagt haben.

Ich lese gerade einfach das falsche Buch. Kann man ja mal wieder sehen, wozu das führt.

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29. Dezember 2007