Ich mag Chelsea nicht und grundlegend ist mir der FC Bayern auch zuwider. Das kann sich mal für die ein oder andere Saison ändern, so habe ich in der jetzt zu Ende gegangene Runde Ribery und Toni schon gerne zugesehen, genauso wie einem wiedererstarktem Michael Ballack bei Chelsea. Aber eigentlich sind Vereine mit sehr viel Geld der Feind für so Fans minderbemittelter Vereine wie der Frankfurter Eintracht, der ich die Daumen drücke. Feind ist allerdings sprachlich recht weit entfernt, von dem Ärger, den man spürt, wenn man gegen einen dieser Vereine mal wieder verliert. Denn so dramatisch ist das alles nicht. National mag man sich nicht, international wird trotzdem mitgefiebert und die Nationalmannschaft macht das eh alles wieder einerlei.

Jetzt aber zu einem Club, der auch nur aus Geld besteht, auch wenn er, wie der Name sagt schon seit geraumer Zeit existiert. Der TSG 1899 Hoffenheim ist aufgestiegen und nicht in die Kreisliga, sondern in die Bundesliga. Ein Verein, von dem ich vor einem Jahr das erste Mal gehört habe spielt jetzt in der höchsten deutschen Spielklasse. Schon komisch. Aber irgendwie auch sympathisch.

Da nimmt sich der SAP Gründer Dietmar Hopp ne Menge Geld aus seinem Privatvermögen und will seinen Verein, für den er gestürmt hat, nach ganz oben zu bringen und siehe da: es klappt! Ein Durchmarsch von der Kreisklasse bis in die Bundesliga. Das kann nicht nur am Geld liegen, auch wenn Geld sicher die Grundlage dieses Erfolges ist. Aber ein solcher Husarenritt kann man sich nur mit einer Systematik erklären, die eben den Reiz ausmacht, um selbst einen nach Geld stinkenden Verein wie die TSG 1899 Hoffenheim irgendwie sympathisch zu finden.

Warten wir mal ab, ob sich das fortführt, wenn die Eintracht nächste Saison direkter Konkurrent ist, ob um die UEFA-Pokal Plätze oder um den Klassenerhalt, werden wir ja sehen. Wer sich weiterhin an meiner Meinung zum Fußball und Hoffenheim interessiert ist, der schau doch auf meinem Fußballblog vorbei, dass ich zur Europameisterschaft aufgemacht habe und in das ich auch weiterhin meine Meinung zur Bundesliga, Champions League und der Nationalmannschaft ausbreiten möchte.

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19. Mai 2008

Kommentare

Ich glaube die haben selber vor der Saison nicht damit gerechnet, dass sie es so schnell in die Bundesliga schaffen. Auf alle Fälle erstaunlich.

Was das Modell Hoffenheim, meiner Meinung nach, sympathisch oder besser interessant macht, ist, dass sie nicht einfach nur massenweise Geld rausschmeissen für neue Spieler, sondern dass ein ausgeklügeltes Konzept hinter dem Ganzen steht. Nur ein paar Beispiele:

– es werden junge Spieler mit Perspektive geholt und keine alternden Stars
– dazu kommen im Bereich der sportlichen Leitung Personen mit Sachverstand (Rangnick, Peters)
– der Verein soll sich ab einem bestimmten Zeitpunkt finanziell selber tragen (Stadion wird ausgebaut, Fanartikelverkauf)
– insgesamt werden nahezu perfekte Rahmenbedingungen geschaffen, um sportlichen Erfolg zu ermöglichen
– zumindest bisher habe ich nicht davon gehört, dass Hopp sich in die sportlichen Belange einmischt

Von manchen Dingen können selbst Vereine, die schon Jahrzehnte in der Bundesliga sind, noch was lernen. Es ist also spannend zu beobachten, wie es mit Hoffenheim weitergeht. Trotzdem bin ich kein großer Freund von Vereinen, die wegen irgend eines großen Geldgebers einen Platz in der Bundesliga erobern , denn es geht zu Lasten von Traditionsvereinen mit gewachsener Fankultur.

Übrigens ist es total verfehlt Chelsea, Hoffenheim und Bayern so zusammen zu erwähnen, denn Bayern hat gar keinen besonderen Geldgeber. Der finanzielle und sportliche Vorsprung von Bayern gegenüber Vereinen wie Frankfurt basiert auf kontinuierlich guter Arbeit der Vereinsoberen.

Und auch zwischen Hoffenheim und Chelsea soltle man nochmal differenzieren; zum einen wegen der Geldmengen und zum anderen weil Abramowitsch weder aus London kommt noch, so weit ich weiss, irgendeinen anderen persönlichen Bezug zu dem Verein hat. Abramowitsch wollte bestimmt nur einen Premiere League Verein und Chelsea war gerade ein geeignetes Objekt. Eine Herangehensweise, die bei jedem Freund des Fussballs, Ekel erregt. Dagegen ist Hopp’s Ansatz gerade von einem Dan sehr gut nachvollziehbar. Wer würde nicht gerne mal mit viel Geld in der Tasche seinen Lieblingsverein auf Vordermann bringen.

Du missverstehst die Perspektive, die mich Bayern, Chelsea und eben Hoffenheim in einen Topf hat werfen lassen. Es ist die neidvolle Perspektive eines Fans, der zu einem Verein hält, der seit 16 Jahren nicht mehr um die Meisterschaft mitgespielt hat, weil in ihm ständig die falschen Leute das sagen haben.

Natürlich ist es immer falsch irgendwen miteinander zu vergleichen, nicht aber wenn die Perspektive ausgewiesen ist. Es geht mir nicht darum zus schauen, wer, warum erfolgreich ist. Die sind es, wir nicht. Punkt.

Bei Hoffenheim aber interessiert es mich, aus den von dir beschriebenen Konzepte. Sie sind nichts schon seit Äonen erfolgreich und haben auch nicht so viel Geld wie Chelsea, aber einen Durchmarsch hingelegt, der sicher so noch nicht passiert ist.

mich hat wahrscheinlich am ehesten folgende Formulierung gestört:

„Jetzt aber zu einem Club, der auch nur aus Geld besteht,…“

auch nur aus Geld, so wie die vorher genannten Vereine? Diese Interpretation drängt sich auf.

Mir ist derzeit sehr sympatisch das Hoffenheim die schlechteste Serie eines Herbstmeisters hingelegt hat. Das Team ist zu schnell in den Himmel gelobt worden. Jetzt kommt der direkte Absturz.

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