Klinsmann und der FC Bayern

Jürgen Klinsmann ist heute beim FC Bayern München gefeuert worden und Jupp Heynckes wird als Interimstrainer die Saison zu Ende bringen. Dass dieser Mann bei Frankfurtfans nicht besonders beliebt ist, hat er doch das Ende der Eintracht, wie wir sie mal kannten herbeigeführt, sollte bekannt sein. Aber mir soll es nicht um ihn gehen. Ich möchte meine lange zurückgehaltenen Gedanken zu Klinsmann mal zusammenfassen.

Jürgen Klinsmann wurde geholt, weil man meinte, dass beim FC Bayern einiges im Argen liege und man zurück zur europäischen Spitze wollte. Klinsmann sollte der Erneuerer werden, der das schon in der Nationalmannschaft erfolgreich vollbracht hat. Dabei hat er nicht alles so gemacht, wie die anderen, zu denen man immer aufschaut, sondern mit dem vorhandenen so hantiert, dass man durchaus den Blick auch wieder nach Deutschland gerichtet hat, auch wenn das so ganz nie aufgehört hat. Denn Erfolge hat die Nationalmannschaft auch dann verbucht, wenn man eigentlich nicht meinte auch nur einen Blumenkübel gewinnen zu können.

So sollte es bei den Bayern also auch laufen. Bayern ist die einzige Mannschaft, die in Europa auch nur erwähnenswert ist, wenn man die letzten zehn Jahre als Maßstab sieht. Ansonsten wechselten die Plätze der Champions League und dem Uefa Pokal zu oft zwischen mehr oder weniger erfolgreichen deutschen Bundesligisten. Einige heutige Zweitligisten durften auch ab und an mitmischen. Das sagt vielleicht alles.

Die Bayern aber hatten Angst den Anschluss zu verpassen. Deshalb Klinsmann. Und deshalb jetzt wohl auch die Entlassung. Kein Titel oder gar wieder der drohende Verlierercup (UEFA-Pokal) haben zu kurzfristigem Handeln „gezwungen“.

Und genau das verstehe ich nicht. Ich wusste schon in der Nationalmannschaft nicht, was ich von Klinsmann halten soll, habe aus gutem Grund deshalb nichts zu der Entscheidungd er Bayern am Anfang der Saison geschrieben. Ich habe gedacht, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, über die zu spekulieren müßig ist: Erfolg oder schneller Rauswurf. Es ist zu zweitem gekommen. Und ganz ehrlich, ich finde das schade und in weiten Teilen unverständlich.

Klar, die Bayern haben bisweilen ordentlich auf den Sack bekommen in dieser Saison. Daran zu erinnern ist nicht nötig. Aber insgesamt ist die Ausbeute gar nicht so übel. Klinsmann hat es nichts genützt.

Aber schauen wir uns doch mal das Problem an, dass meiner Meinung nach zwar auf der Bank sitzt, aber nicht den Trainer betrifft.

Klinsmann hatte keinerlei Mitsprache, was das Spielermaterial angeht. Und eine so schlecht besetzte Bayernmannschaft habe ich selten in eine Saison gehen sehen. Sicher stehen da bisweilen Weltklassespieler auf dem Platz udn davon auch nicht unbedingt wenig. Ribery, Lahm, Ze Roberto, Demicelis, Lucio, Toni, Klose und durchaus auch Schweinsteiger. Das ist fast eine ganze Mannschaft, an denen immer wieder die Spitzenclubs Europas Interesse zeigen. Dass mit Oddo, Ottl und vor allem Lell nur Durchschnittsspieler das Essamble ergänzen sollte nicht ins Gewicht fallen, dachte man wohl am Anfang der Saison. Falsch, wie ich denke.

Die rechte Seite ist eine Katastrophe und zwingt so die linke Seite zu jeglichem Impuls. Daswar nach ein paar Spielen bekannt und konnte nicht abgestellt werden. Verletzungen konnten nicht aufgefangen werden, denn auf der Bank saß nur Material. Das System war ausgerichtet, bevor Klinsmann auch nur angefangen hat bei den Bayern zu arbeiten. Flexibilität gab dieser Kader nicht wirklich her. So hört man oft, Klinsmann hätte mehr „Eier“ zeigen müssen und z.B. den jungen Müller nach der Verletzung Kloses bringen sollen. Ich hätte das wohl auch mal ausprobiert, aber das kann doch wirklich nicht die Lösung sein und dem Trainer angelastet werden. Mit einem unmotivierten Podolski stand nur ein einziger Stürmer zu Verfügung. Im Mittelfeld war vor allem die 6er-Position zu unkreativ besetzt. Ze Roberto ist alt und spielt dennoch eine gute Saison, aber auf ihn kann man nicht das System stützen. Van Bommel ist ein Zerstörer, von ihm kann man keine Impulse erwarten. Dadurch und durch die schwachen Lell und Oddo war die rechte Seite immer in der Schwebe. Schweinsteiger konnte so nur schlecht spielen, er tut mir in dieser Saison fast schon leid. Die vielgepriesenen Sosa und Breno, teure Einkäufe übrigens, konnten ihre Bundesligatauglichkeit auch nur phasenweise unter Beweis stellen. Borowski war als Joker durchaus nicht schlecht, passt aber einfach nicht ins System und ist sicher kein Spieler, um den man als Spielmacher ein System aufbauen möchte. Altintop kam nie richtig in Fahrt nach seiner Verletzung. Toni ist ein Schatten seiner selbst und braucht jemanden wie Klose, der neben spielt. Wenn Lahm verletzt war, gab es überhaupt keine Alternative. Über Ribery und seine Lust Fußball so zu spielen, wie er es kann, will ich nichts schreiben, sonst bekomme ich Hasspickel.

Und das alles soll Klinsmanns Fehler gewesen sein? Ich denke,d ass zu viele systematische Fehler in der Vorbereitung dieser Saison gemacht worden sind. Von Hoeneß und dem gesamten Umfeld des FC Bayern. Eine wichtige Komponente wurde ja bereits mit dem Kauf von Timotschuk eingesehen und für die kommende Saison beseitigt. Dadurch wird sicher das gesamte Mittelfeld flexibler und auch Schweisteiger wird wieder so Fußball spielen, wie er es letzte Saison gezeigt hat. Da bin ich mir sicher. Fehlt noch ein backup für Lahm und ein guter Rechtsverteidiger, der wohl mit Rafinha von Schalke besetzt werden wird. Mit Olic vom HSV ist ein dritter Stürmer im Kader, der sogar durchaus die Qualität hat, Toni und Klose den Startplatz streitig zu machen und diesen damit sicher mehr Motivation geben wird. Ein weiterer Stürmer ist aber sicher noch notwendig um auch Mal zwei Verletzungen auffangen zu können.

Warum also dieser Schritt? Klismann wird sicher aktiv an der Gestaltung der nächsten Saison gearbeitet haben, auch wenn das Tagesgeschäft ihn sicher mehr beansprucht haben wird. in der nächsten Saison hätte er also zeigen können, ob er der Schwätzer ist, für den ihn viele halten, oder jemand, der aus einem guten Kader einen sehr guten Kader formen kann. Man wird mir sicher entgegenhalten, dass auch der jetzige Kader ein guter ist und genau das denke ich eben nicht, so viele Topleute sich auch darin tummeln mögen. Wer hat sich denn in dieser Saison mal in diesem Kader herausgetan und die Führung vorgegeben? Eine gute Mannschaft lebt immer von ihren stärksten Spieler. Klar war, dieser hat mit Kahn seine Karriere beendet und niemand konnte dieses Loch füllen. Aber es hat auch niemand versucht. Und das ist sicher auch zum Teil Klinsmann anzulasten. Aber nicht ganz.

Klinsmann hat seine Mannschaft immer in Schutz genommen. Vielleicht war das ein Fehler. Wo waren denn diese ganzen „Weltstars“, wenn es Mal drauf ankam? Wer, außer van Bommel mit seinen eher begrenzten Mitteln, hat sich denn Mal hervorgetan und die Richtung vorgegeben wie Kahn, Effenberg oder auch Ballack vor ihnen? Wann hat Herr Ribery denn Mal ein Zeichen gesetzt, das an die Manschaft gerichtet war? Damit meine ich nicht die bisweilen wirklich großartigen Tore, die er im Alleingang erzielt hat, die aber durch die Aktionen im Folgenden immer egalisisert wurden. Wenn sich ein Spieler wie Ribery auf den Platz stellt und bei Ballverlusten stehen bleibt, mit Frustfouls reagiert, wenn seine Nebenleute nicht so genial denken und spielen, wie er, und ständig abwinkt, dann taugt er eben nicht als Führungsspieler, der er sein könnte und den die Bayern dieser Saison brauchen könnten.

Den Trainer zu feuern war meiner Meinung nach das falsche Zeichen. Ich hätte Ribery auf den Transfermarkt gesetzt und den ein oder anderen gleich mit. Nicht, weil man mit ihm oder auch mit anderen nicht eine große Zukunft aufbauen könnte, sondern weil er derjenige ist,d er sich nicht mit der Arbeit beim FC Bayern identifiziert. ganz im gegenteil zu Klinsmann. Dessen Möglichkeiten mögen begrenzt sein, auch wenn ichd as durch den Rauswurf nicht bewiesen sehe, aber die Riberys sind nahezu grenzenlos. Was macht er aber daraus, ist die Frage.

Ein Zeichen an die Mannschaft zu setzen, dass eine Einstellung wie in dieser Saison nicht akzeptiert wird, ist auch die Aufgabe des Vorstands und von Hoeneß. Der hat sich zwar andauern zur Personalie Podolski zu Wort gemeldet, war aber ansonsten unerwartet still. Ob das jetzt darauf schließen lässt, dass das Projekt Klinsmann schon vor langer Zeit für gescheitert erklärt wurde, oder auch nicht, ist uninteressant, geholfen hat es jedenfalls nicht.

Klinsmann ist in meinen Augen ein Bauernopfer, so wie Rensing das Klinsmanns war. Ob es was nutzen wird, zeigt sich erst in der nächsten Saison. Ich bin gespannt, wen die Bayern präsentieren und auch, ob Jürgen Klinsmann wieder bei einem Klub anheuert. Zu wünschen wäre es, schon deshalb, weil ich gerne irgendwann Mal wissen möchte, was ich den wirklich von ihm als Trainer halten soll.

Jetzt habe ich viel geschrieben, wohl trotzdem einige Argumente vergessen. Was sagt ihr dazu, denn Meinungen zum thema ja einige, wie man an der Masse von kommentaren bspw. bei Breitnigge sehen kann.