„Ich habse, ich habse wirklich. Ich bin ja so glücklich, ich bin reich, ich bin auf dem Höhepunkt meines Lebens.“ – So oder so ähnlich könnte jemand heute Abend ausrufen, wenn 30 Millionen den Besitzer wechseln und einen Glückspilz zum „glücklichsten“ Menschen der Welt machen. 30 Millionen sind eine riesen Stange Geld, die für uns kaum vorstellbar ist. Kann man ja gar nicht ausgeben und dass man sich auch wegen des Geldes nicht ändern wird, sind typische Reaktionen auf die Frage, was man mit dem Lottogewinn machen würde. Ich nehme mich da nicht aus, würde ich mir doch wohl vor allem den Traum erfüllen, mein Leben lang studieren zu können. Aber so ein paar Kleinigkeiten würde ich mir schon gönnen und meiner Freundin sicher auch. Sicher auch meiner Familie und meinen Freunden etwas Gutes tun. Und da fängt das Problem schon an.

Du wirst dich vielleicht nicht ändern. Erstmal. Aber die Menschen um dich herum werden sich ändern und darauf bleibt dir nichts anderes übrig als zu reagieren. Wie auch immer. Das Problem am Bekanntwerden eines solchen Gewinnes im Freundes- und Bekanntenkreis ist doch die teils unbewusste, teils bewusste Erwartungshaltung. Geld korrumpiert, auch wenn es um Freundschaft geht.

Verteile ich beispielsweise Geld an meine engsten Freunde, dann grenze ich alle diejenigen als nicht enge Freunde aus, denen ich nichts gebe. Gebe ich niemandem etwas, werden mich viele für geizig halten, vor allem wenn es einigen Freunden finanziell schlecht geht. Freundschaft und Geld kann auf einmal nicht mehr auseinander gehalten werden, es sei denn ich habe nur reiche Freunde.

Natürlich kann ich auch einfach das ganze Geld spenden und sonst wie verteilen, aber dann habe ich nichts mehr davon und kann mich somit auch nicht der Frage stellen, was ich alles mit einem Lottogewinn machen würde und vor allem brauche ich mich dann auch nicht wirklich zu fragen, ob ich mich ändern würde.

Sich nicht zu ändern ist nur zwei Personengruppen möglich: dem Misanthropen und dem Millionär. Den ersteren fiele es nicht schwer isoliert zu sein und als Geizkragen verschrieen zu sein und der Zweite bräuchte nicht den Neid seiner Mitmenschen zu fürchten, da er ihn entweder schon vorher kannte, oder nur von ebenso Reichen umgeben ist.

Ein Lottogewinn ist also ein wirklich einschneidendes Erlebnis und erklärt somit auch den Psychologen, den die Lottogesellschaften zu jedem Gewinner mitschicken. Viel deutlicher als das, zeigt unser Beispiel aber auch, wie schwierig es ist über sein zukünftiges Verhalten sichere Prognosen zu erstellen, denn man nähert sich dem mit seinen momentanen Ideal- und Wertvorstellungen, weiß aber gar nicht, ob es einem überhaupt möglich ist diesen treu zu bleiben. Dabei muss nicht einmal die eigene Integrität angezweifelt werden, sondern nur die der unmittelbaren Umwelt, derer Beeinflussung wir uns nur sehr bedingt entziehen können.

 

28. November 2007

Kommentare

Der Lottogewinn bringt einen, so wie du es beschreibst, ihn eine echte Lebenskrise, also eine völlig neue Lebenssituation, die zum Supergau werden kann. Auf keinen Fall wird das Leben dadurch ruhiger – wer das brauch und sich dem gewachsen fühlt, bitteschön, kann jeder für 1,10 Euro haben, viel billiger kann man sich nicht ins Chaos stürzen.

Überlege, ob ich es morgen einfach mal ausprobieren soll, doch habe ich für so etwas kein Händchen, außerdem keine Zeit mir genau zu überlegen, was ich mit einem solchen Gewinn anfinge, vielleicht würde meine Zeit auch komplett damit ausgefüllt sein, zu überlegen, was ich wem auf welche Weise Gutes tun könnte.
Müßig, ich denke ich spare den Einsatz.

Allerdings bietet so ein Lottogewinn auch viele Chancen und Möglichkeiten. Denn, seien wir doch mal ehrlich, viele unserer Wünsche, lassen sich mit Geld erfüllen. Die Frage ist nur, ob wir das wollen…

Ich bin gestern noch mal gedanklich in den Lottogewinn hineingeschliedert. Mit 38 Millionen erfüllt man sich glaube ich nur die
Wünsche, die man sich auch ohne Jackpot erfüllen könnte. Ein Leben nach eigenen Vorstellungen, Materielle und personelle Freiheit, Genießen, Faulenzen, feiern, Reisen – all das ist aber auch ohne Jackpot möglich. Dies zu realisieren erscheint im ersten Moment über den Jackpot leichter und schneller – aber bei Chancen von 1 : 140 Millionen bleibt alles nur ein Traum. Und selbst bei einem Gewinn, wären die hinter dem Jackpot stehenden Wünsche glaube ich nicht von Dauer erfüllt – weil sie von außen realisiert werden. Sie haben nicht die Qualität, Dankbarkeit und Beständigkeit des Weges, selbst in all das hineingewachsen zu sein.

Also zunächst muß ich mich outen: die Lottogewinner (egal ob der Gewinn nun 1 Million oder 38 Millionen beträgt) tun mir nicht leid. Es gibt härtere Schicksale! 😉

Dennoch sind Soerens Überlegungen zutreffend. Und schildern anschaulich das Dilemma, das mit einem solch hohen Gewinn durchaus verknüpft sein kann…

Vielen Dank für diesen Artikel!
Hand aufs Herz, jeder einzelne von uns liest einen solchen Artikel gern, weil wir selber wissen, nie in den „Genuss“ von etlichen MILLIONEN EUROS zu kommen. Es ist eine Art Schadensfreude den seltenen Gewinnern gegenüber, die uns das beruhigende Gefühl vermittelt , daß es sich als Millionär nicht so toll leben läßt. Wenn wir aber mal tief in uns hineingehen, werden wir diese aus Neid entstehenden Argumentationen gegen die Herrlichkeit eines Lottogewinns abwerfen und uns ärgern , daß wir nicht einer der glücklichen Lotto Millionäre sein dürfen….
So sind wir Menschen gepolt, DU natürlich nicht….aber die große Mehrheit schon.

Ein Lotto Gewinn verändert das eigene Leben schon dramatisch. Man müsste schon den Gewinn vor seinem ganzen Umfeld geheim halten, doch ist die Frage ob man dann noch etwas positives vom Gewinn hat, außer die Sicherheit vor Arbeitslosigkeit oder zu niedriger Rente. Aber ich denke es gibt genug, die mit einem Gewinn richtig umgehen können, aber danach wird ja beim Lotto nicht unterschieden, viel mehr gewinnen auch viele Hitzköpfe die dann ihr neu gewonnenes Geld verprassen.

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