Ich war heute nach dem Kino im Barfuss, einer Kneiße in der Marburger Innenstadt und musste mit entsetzen feststellen, dass ich ab jetzt keinen Spaß mehr in Kneipen haben werde. Dunkel erinnert habe ich mich ja schon daran, dass es ab Oktober gesünder in Hessens Kneipen zugehen soll. Die Lungen werden entlastet und um den Angriff auf die Leber ab sofort gesund zu gestalten.

Nichts dran auszusetzen, nur muss ich mich jetzt immer draußen hinsetzen. Aber was willste machen, das Kollektiv will beschützt werden, da muss son halbes Individuum wie ich es darstelle schon mal zurückstecken, besser nichts mehr anstecken. Ist in Ordnung, bin ja ein verantwortungsbewusster Mensch und versuche schon seit Jahren den Nichrauchern so wenig wie möglich auf den Sack zu gehen. Das Verbot finde ich zwar persönlich ganz und gar beschissen, werde ich doch ab so fort mein Bier lieber Zuhause schlürfen müssen wollen.

Die Freiheit jedes Einzelnen hört schließlich bei der Nase anderer auf, hat die Rosa Luxenburg gesagt und da kann ich nichts gegen einwenden. Dass meine Luft nun auch andere nicht nur in der Nase juckt, liegt ja nu an meiner Sucht und da kann kein Gesundheitswahn gegen aufgewogen werden. Mir fehlen die Argumente.

Mein Verstand sagt mir ja echt, dass das gut ist, aber meine zitternden Finger sprechen eine ganz andere Sprache. Freak. Wollte eh aufhören, passt aber gerade nicht so gut. Kneipen werden eh überschätzt. Gesellschaft sowieso. Ach mir alles egal.

Ist in etwa so wie beim Optiker in Marburg, wo ich auch nicht wusste, ob ich dem jetzt glauben soll, die Argumente sprechen für sich, oder ich auf meinen Geldbeutel höre und billige Kontaktlinsen im internet kaufe. Hmmm

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3. Oktober 2007

Kommentare

Es war noch nie so leicht, sich unbeliebt zu machen. Man muß nur sagen: »Ich finde dieses Rauchverbot scheiße.« Die sogenannte Diskussion um das Thema war ja keine, man hat das Rauchen verteufelt. Das Trinken hingegen ist nach wie vor die gelobte Droge. Da hat ja kein anderer darunter zu leiden, sagt man. Eine vielfältig nicht zu Ende gedachte Aussage. Wir machen also eine deutsche Lösung. Entweder wird geraucht wie Sau oder es wird gar nicht geraucht. Punkt-aus! Einen Mittelweg können wir irgendwie nicht finden.

Es wäre eigentlich einer der nächsten logischen Schritte, nach den Zigaretten den Alkohol aufs Korn zu nehmen. Übermäßiger Alkohol kann die Umwelt mindestens genauso belästigen wie Zigarettenrauch, das ist auch der Grund, warum ich sehr ungern sonntags in Regionalzügen fahre…
Verbote sind eine heikle Sache. Ich bin zwar Nichtraucher und mich stört es, wenn in meiner Anwesenheit geraucht wird… aber ein schrittweise fortschreitendes komplettes Rauchverbot in der Öffentlichkeit ist wirklich hart. Kann mich aber leider kaum in dich hineinversetzen, dazu müsste ich wohl Raucher sein.

Mich würde interessieren, wie VOLL die Kneipe noch war und wie sich das so entwickelt. Ich vermute ja eine schwere Klimabelastung durch exzessives Aufstellen von Gasheizungen im Freien.

Ich war die letzten 10 Tage noch nicht wieder in Marburgs Oberstadt – erhlich gesagt habe ich auch keine besondere Lust dazu. Wobei mich schon interessieren würde, ob da jetzt merklich weniger los ist…
Insgeheim hoffe ich, dass ein paar Läden das ordentlich in der Kasse merken 🙂 Letztendlich kommt das ganze dann aber doch dem Raucher zu Gute – der raucht zwar nicht weniger sondern nur woanders, aber vermutlich wird er zumindest in Hessen zukünftig weniger trinken 😉

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