Es ärgert mich immer wieder, wenn ich ein interessantes Gespräch geführt habe, dass ich danach nicht in der Lage bin, diese Gedanken auch in einem Text fruchtbar zu machen. So oft würde ich gerne hier oder auf einem meiner anderen Blog, je nach dem wo es thematisch am besten passt, meine und die Gedanken meines Gesprächspartners mit euch teilen. Aber es gelingt mir einfach nicht und ich weiß nicht wirklich woran es liegt. Der Versuch dies zu ergründen:

Die Erinnerung wird es nicht sein. Meist habe ich mein MacBook mit in der Uni und könnte so direkt nach den meisten Gesprächen auch bloggen. Auch noch einen Tag später sind wirklich interessante Gespräche mir noch präsent. Die Erinnerung schließe ich also aus.

Ich spreche lieber, als ich schreibe. Das stimmt zwar nicht so, als dass es so verallgemeinert hier stehen bleiben kann, aber die Tendenz ist sicherlich richtig. Beim Sprechen kann ich Positionen, Argumente und Thesen besser, schneller und flexibler ausprobieren und eben auch wieder fallen lassen. In Texten gelingt mir das nicht so sehr. Ein Text, eine These, ausprobieren wird da schwierig.

Filtern fällt mir bisweilen schwer. Das oben genannte Problem würde nicht bestehen, wenn ich besser filtern würde, welche Argumente und Thesen denn wirklich bestand hatten und welche nicht. Aber wie das in philosophischen Gesprächen meist so ist, lässt sich das nicht eindeutig fest machen und oft sind es Kleinigkeiten, Nuance, die mich dann noch tagelang beschäftigen. Das Hauptthema des Gesprächs hab ich dann schnell vergessen. Dann aber aus diesen Kleinigkeiten einen Text zu machen ist nicht sehr einfach.

Daran anschließend ist es auch so, dass ein gewisses Unbehagen immer mitschreibt, wenn man für viele Leute ins Internet publiziert. Kann man sicherstellen, dass das Ausprobieren einer These, die sich vielleicht als falsch herausstellen wird, auch als Ausprobieren wahrgenommen wird? Ich will ja nicht jeden Text damit beginnen, zu sagen, dass ich hier nur mal so ausprobiere, schon weile s nicht unbedingt in den Text zieht.

Aber es ist mehr als nur dieses Unbehagen, denn bei „eigenen“ Ideen ist es ja auch kein Problem, dies beiseite zu schieben, bzw. in den Text mit einfließen zu lassen. Es kommt zwar sicher noch beim Gespräch hinzu, dass man ja auch nicht den eventuelle mitlesenden Gesprächspartner falsch darstellen will, oder die Diskussion zu einseitig schildern will. Zudem ist der Kontext nie ganz zu rekonstruieren.

Es fällt mir auch schwer in Vorlesungen mitzuschreiben und dann später aus diesen Mitschriften noch schlau zu werden, so ich geistig ganz bei dem Vortrag sein will. Irgendwie kann ich nicht mitmachen, Zuhören ist eine Art mitmachen, und gleichzeitig auch noch für später konservieren.

Das heißt natürlich nicht, dass nicht auch viele Gedanken in meine Texte einfließen, die in Gesprächen gewonnen wurden, aber irgendwie immer erst dann, wenn ich diese Gedanken mir zu eigen gemacht habe.

12. Juni 2008

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