Das mit dem Internet ist schon nicht so einfach. Also eigentlich ist das mit dem Leben nicht so einfach. Man will irgendwas und bekommt das nicht. Dann strengt man sich entweder mehr an, oder man lässt es ganz bleiben. Manche machen auch halbherzig weiter, das ist aber nicht so mein Fall. Mein Fall ist eher ganz oder gar nicht. Das aber ist ein durchaus problematisches Motto, denn man muss sich andauernd entscheiden, bei jeden Interessenkonflikt und davon haben junge Menschen eine ganze Menge. Mal will man das, mal was anderes und eigentlich will man was ganz anderes, das geht aber gerade nicht, also macht man sonstwas, aber nur solange bis man wieder was anderes hat. Kompliziert? Manchmal schon!

Ich will es aber nicht so abgehoben und meta machen, sonder frei heraus sagen, was mich stört. Es geht um dieses Blogazin, was ab nächster Woche ganz im Sinne des Experiments, das es eben darstellt, wieder zu einem stinknormalen Blog degradiert werden wird; also optisch, rein optisch. Für so ein normales Blog sind unsere Artikel zu lang. Blogger machen aus einem Artikel von zwei Seiten eine Serie, um so sicher auch drei Tage lang die Leser an sich zu fesseln. Wir machen zwar auch Serien und würden die Leser gerne mehr an den Kommentarbutton gefesselt sehen, aber unsere Gedanken sind nicht in drei Absätze mit einer halben Meinung zu pressen.

Das war bis jetzt aber auch noch nicht das Problem, denn darüber, dass hier wenig kommentiert wird, die Leserzahlen stagnieren, soll ich mich ja nicht ausheulen. Ich soll auch nicht sagen, dass ich wirklich ratlos bin, woran es liegt, dass wir es scheinbar nicht schaffen auch nur den ein oder anderen neuen Leser hinzuzugewinnen. Ich spreche da nicht von Google und diesem Feld der Internetmasturbation, denn da ist es vollkommen einleuchtend, dass die Endlosrekursion noch einige Zeit braucht um zum Leuchtturm in den Serps zu werden. Ich spreche ganz konkret, wie wir euch, die diesen Text hier lesen, begegnen.

Ich weiß, dass es bei vielen Texten schwierig ist einen Kommentar zu hinterlassen. Ich weiß auch, dass ich zum Teil selbst wenig zu den Texten der anderen Autoren zu sagen habe und es eben nicht bedeutet, dass ich nicht darüber nachdenke. Ich weiß auch, dass ich dann nicht denken sollte, dass es doch irgendwie doof ist, wenn keiner kommentiert. Aber Motivation ist eben keine rein rationale Sache. Ich sage es mal frei heraus: ich war schonmal motivierter hier tolle Beiträge zu schreiben, oder wenigstens solche, die ich dafür halte. Zu weinerlich? Egal, ich lasse es jetzt raus.

100 Besucher plus 100 Feedreader am Tag ist eine super Sache, keine Frage, vor allem für ein Blog, das gerade mal 5 Monate existiert. Aber ich komme von einem Blog mit 300 Besuchern und 200 Feedreadern am Tag. Dort sind vor der Endlosrekursion meine Texte erschienen. Das ist ein Rückschritt und es ist nicht an jedem Tag leicht sich selbst zu sagen, dass die generelle Qualität der Beiträge und der ganzen Endlosrekursion wiege das auf. Mein vorheriger Blog war nicht ansatzweise so gut wie die Endlosrekursion, aber er wurde gelesen. Hier herrscht Qualität statt Quantität, aber wie schon gesagt, Motivation ist kein rein rationales Geschäft. Oft genug wurmt es mich, dass ich nicht versucht habe, sowas wie die Endlosrekursion auf dem Onezblog zu machen. Die alten Leser mitnehmen und langsam an anderes gewöhnen. Nein, ich brauchte ja den Schnitt. Sicher hat es gut getan, anfangs mal mit weniger kommentierenden Spinnern zu schreiben und die Vögel, die teilweise den Onezblog belagert haben, muss ich hier wirklich nicht haben. Es bleibt aber doch das Gefühl ein bisschen ins Leere zu schreiben.

Dieser Beitrag ist ein wenig der Ausbruch aus dem hier entstandenen Ritus des qualitativen Schreibens. Sicher, in einem Magazin schreibt man nicht 2 Seiten darüber, warum niemand das Magazin kauft und lesen mag. In einem Blog geht das schon.

Blogs sind Grauzonen des Schreibens.

8. März 2008

Kommentare

Ich verstehe dich. Auch ich habe manchmal das Gefühl nur für mich zu schreiben und dass niemand meinen Blog liest oder kommentiert. Das ist manchmal unmotivierend und ich frage mich nach dem Sinn des Ganzen. Doch geht es wirklich darum?
Gäbe es kein Internet und keine Blogs, was würden wir (du, ich und all die anderen Blogger) machen? Ich bin sicher, wir würden trotzdem schreiben: Tagebücher, Briefe, Artikel. Oder glaubst du, dass du das Schreiben aufgeben rwürdest? Das Denken in schriftlicher Form? Ich denke kaum.

Die Endlosrekursion ist qualitatvi hochwertig, inhaltlich wie optisch. Mein Rat: Warte ab. Setz deine Erwartungen runter, denn Qualität setzt sich durch.

Als langjähriger Betreiber eines weblogs habe ich mir diese Fragen auch schon gestellt und keine wirklichen, verlässlichen Antworten gefunden.

Also habe ich meine Einstellungen und Erwartungshaltungen zum weblog und zur selbsternannten oder sogenannten „blogossphäre“ überdacht.

Die Antwort auf die Frage, warum man ein weblog befüllt, Zeit und Energie für das Recherchieren und Erstellen von Beiträgen investiert, ist sicher ebenso vielfältig wie uneindeutig zu beantworten.

Ich persönlich habe dein weblog abonniert, kommentiere hier nur ab und an. Das hat aber nichts mit Desinteresse zu tun, sondern mit meinem subjektivem Problem von Masse und Wahrnehmung. Ich denke, es ist schlicht unmöglich, alles, was einem täglich im Feedreader präsentiert wird, auch nur ansatzweise mit der verdienten Aufmerksamkeit zu bedenken. Und es auch noch fundiert zu kommentieren.

Ich habe mich längst damit arrangiert, dass in meinem weblog Kommentare ein eher seltenes Ereignis sind. Nicht zuletzt deshalb, weil ich keinerlei Interesse an irgendwelchem „Geblubber“ habe. Wenn zum Beispiel eine Fotografie 10 mal mit „Tolles Bild“ kommentiert wird, wozu soll das gut sein? Und Kommentare verpflichten den Autor ja auch immer irgendwie dazu, sich mit dem Geschriebenen auseinander zu setzen und darauf zu antworten, wäre ja auch die Basis eines Dialoges. Das Schielen auf Kommentare nimmt ja auch die seltsamsten Formen an, kommentiere ich bei dir, kommentierst du bei mir… ich empfinde das gelinde gesagt als Schwachsinn.

Ich werde also hier weiterlesen, ab und an denken, meine Güte, ein guter, wenngleich für meine Feed-Wahrnehmung ein bisschen zu langer Text und das ein oder andere auch hinterlassen. Auch wenn es deine Erwartungen vielleicht nicht in Gänze erfüllen mag.

Als Leser weiß man seltenst, was geht hinter den Beiträgen vor, welche Ziele, Ambitionen, Wünsche verbergen sich dahinter. Wenn du jetzt aber so den Beitrag schreibst, und ich auch darüber selbst reflektiere, so denke ich, das ein blog kein reiner Wissenskonsum sein sollte. Ich denke, in einen blog gehören auch persönliche Emotionen, die sich mit dem Wissen verbinden, die auch mal agressiv oder provozierend sein dürfen, damit der Leser zum eigenen Denken auf seiner eigenen emotionalen Ebene angestoßen wird. Daraus können sich interessante Diskussionen ergeben, wie sie auch hier staat finden, wo man aus den Standpunkten anderer Neues hinzugewinnt. Versuch und Irrtum, gerade im blog und im Internet sind der Experimentierfreudigkeit kaum Grenzen gesetzt.

Ich denke, dass die Endlosrekursion relativ geringe Besucherzahlen hat, liegt auch schlicht daran, dass man sie nicht „mal eben zwischendurch konsumieren“ kann. Bei vielen anderen Blogs kann man 10x täglich drauf, schluckt den neuen Info-Happen, gibt evtl. noch ’nen Kommentar dazu ab, und fertig. Hier hingegen gibt es relativ selten Updates (also schonmal nix mit 10x täglich drauf) und dann gibt’s meist einen ziemlichen Brocken zu verdauen. Also lässt man die ERK eben aus dem Feeder-Reeder draußen (auf mobilen Geräten macht das Lesen so großer Beiträge dann eh keinen Spaß, und Aktualität ist hier meist auch nicht so wichtig) und surft statt dessen alle 1-2 Wochen mal vorbei, wenn man das Hirn für aufnahmefähig genug hält.
Oder anders ausgedrück: Ich glaube nicht, dass dieses Blog so extrem wenige Leser hat, es wird nur nicht so oft von diesen besucht.

Ich bin hier nur mal vor einiger Zeit reingesurft und sehe mich veranlaßt, etwas hierzu anzumerken: Qualität != Quantität. Die Motivation von der Zahl der Leser abhängig zu machen ist mMn ein Irrweg, da mit zunehmendem Anspruch logischerweise die Zahl der potentiellen Rezipienten abnimmt. Als Beispiel sei das Fernsehen genannt, das sich (leider) an diesen Quoten orientiert. Damit die Qouten steigen, müssen mehr Menschen angesprochen werden. Nimmt man den kleinsten gemeinsamen Nenner so bleiben nur die niedrigsten Instinkte übrig. Wenn man diesem Prinzip folgt, entsteht sowas wie das Privatfernsehen, wobei RTL2 besonders hervorzuheben ist. Such es Dir aus: „Ficken ist goil! (10^9 Konsumenten)… „Angela Merkel hat eine neue Frisur“(10^7 K.)…“Datenschutz ist ein wichtiges politisches Thema“ (10^5 K.)…“Von Version 2.4 nach 2.6 gab es wesentliche Verbesserungen im Linux-Kernel“ (10^3 K.)….Doktorarbeiten aus der Bereich der Spitzentechnologie haben wahrscheinlich weniger als 10 K. weltweit, die sie auch vollständig zu verstehen in der Lage sind. (Anm.: Zahlen willkürlich gewählt)

Tja, entscheide Dich, Futter für die Massen oder Spezialitäten für die Feinkosttheke.

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