Ich bin immer sehr vorsichtig mit wem ich hier öffentlich sympathisiere und mich solidarisch zeige. Deshalb werde ich auch hier sehr vorsichtig beschreiben, worum es mir geht. Vordergründig geht es um die Solidarität mit dem Videoportal für Amateurfußball Hartplatzhelden. Doch ob diese wirklich die Interessen des Fußballinteressierten vertreten oder in Zukunft doch eher ihren Geldbeutel, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass die Hartplatzhelden einen Rechtsstreit führen, der jeden einzelnen Bürger interessieren sollkte, ja sogar diejenigen, die mit Fußball nichts und wieder nicht zu tun haben. Hartplatzhelden sind eben die, die den Streit durchziehen wollen und dafür Geld brauchen und auf Spenden angewiesen sind.

Hartplatzhelden ist ein Portal, auf dem man Videos hochladen kann, welche man am Wochenende auf dem Sportplatz gedreht hat. Schöne Tore und sehenswerte Tricks aus den untersten Ligen. Und wer meint, dass Traumtore nur in der ersten udn zweiten Bundesliga erziehlt werden, sieht sich schnell getäuscht. Fußball ist nicht nur das, was im Fernsehen läuft, sondern ist eben auch Provinz, ist konditionsloses Gekicke und bierbauchtragender Spaß. Fußball lebt von all den Amateuren, die Woche für Woche aktiv und passiv den Spielbetrieb und den Spaß Hochhalten, ohne Bezahlung und mit Freude an der Sache. Ich wage mal zu behaupten, dass jedes Wochenende zehn Mal so viele Zuschauer die Begegnungen in den untersten Ligen anschauen, wie sie in die Stadien der Bundesliga strömen. Geringe Preise, familiäres Umfeld und die Wurst im Brötchen gehören für viele Menschen dazu.

Auch ich spiele jeden Sonntag in der Kreisklasse Marburg-Biedenkopf und hole mir blutige Knie für den TSV Michelbach auf all den Hartplätzen der Region. Ich spiele gerne Fußball und das seit fast 20 Jahren. Ich spiele Fußball als Ausgleich zum Schreibtisch und mir ist egal ob wir auf schön angelegten Rasenplätzen, auf Ascheplätzen, Hartplätzen, in der Halle oder auf dem Schulhof kicken. Fußball findet überall seinen Platz und oft genug haben wir als Kinder alle Nachbarn verrückt gemacht, weil sich Garagentore eben einwandfrei auch als Fußballtore eignen.

Nun mein der Württembergischen Fußball-Verband, dass der Amateurfußball ihm gehöre und deshalb niemand sein Gut nutzen dürfe. Das heißt konkret, dass dieser Verband die Hartplatzhelden auf Unterlassung verklagt hat und Mitglieder nicht mehr Videos von den Plätzen des Württembergischen Verbandes bei den Hartplatzhelden einstellen dürfen. Die Hartplatzhelden wehren sich dagegen, könnten sie doch ihr Portal sonst zumachen. Auch wenn ich gerne die Videos der lokalen Helden dort anschaue, geht es mir aber nicht um die Hartplatzhelden und deren Betreiber. Es geht vielmehr darum, wem diese Videos gehören. Denn käme der Verband mit seiner Klage durch, dann bedeutet das nicht nur für die Hartplatzhelden das Aus, sondern auch für alle hochgeladenen Fotos und Videos auf Vereinshomepages, bei Youtube und auf privaten Seiten, bzw. Blogs.

Wenn ich ein schönes Tor schieße, was leider nur sehr selten vorkommt, und meine Freundin mit der Kamera draufhält, dann soll dieses Video dem Verband gehören, der diese Spiele austrägt? Das halte ich für vollkommen verfehlt. Dieser Verband sagt zwar, wann die Spiele sind, stellt Schiedsrichter und Regeln, aber 90% der Arbeit machen die Spieler, Trainer, Ordner und freiwilligen Helfer auf, an, um und neben den Plätzen. Zudem bezahlen Spieler und Vereine Mitgliedsbeiträge, die eben die Verbände ermöglichen. Denn sicher braucht wir die, aber nicht, wenn dadurch irgendwelche Ansprüche dieser Art erhoben werden.

Im Klartext heißt das für mich: Sollte das Urteil des Oberlandesgericht Stuttgart gegen die Hartplatzhelden auch am Bundesgerichtshof bestand haben und somit wirklich dem Verband ein Eigentum an dem was ich mit meinen Mitspielern dort tue eingeräumt werden, ist das Thema Vereinsfußball für mich gegessen. Dann spiele ich lieber in einer der Hobbyligen, zocke in der Unimannschaft oder suche mir so ab und an genug Leute zusammen, die mit mir eben nur eines wollen: Spaß am Fußball.

Aber hier hört der Spaß einfach auf, vor allem weil hier für einen Verband das EIgentum am eigenen Bild und das Urheberrecht erheblich beschnitten werden. Dass dies sicher nicht aus böser Absicht, sondern in Abwägung zum Schutz erfolgt, zeigt nur die Problematik auf, lässt mich aber nicht weniger verwirrt zurück. Vor wem soll ich denn hier geschützt werden? Vor einem Portal, dem ich jeder Zeit und mit vollem Recht die Nutzung eines von mir hergestellten und mit meinem Urheberrecht einwandfrei versehenen Videos entziehen kann oder vor einem Verband, der meint, ihm alleine gehöre der Fußball und alles, was damit zusammenhängt? Wo werde ich, al derjenige, der hier wohl geschützt werden soll, wohl größere Probleme erwarten? Juristisch gesehen, natürlich.

Für mich entsteht also das Problem,d as hier juristsich ausgefochten wird gar nicht, wenn wie ich eigentlich auch erwartet hätte, mir meine Aufnahmen gehören. Also weder den Hartplatzhelden, noch dem Verband. Warum auch sollen andere durch meine „Arbeit“, mein „Eigentum“ profitieren, so ich es ihnen nicht expizit erlaube? Lade ich ein Vodeo bei den Hartplatzhelden hoch, erlaube ich denen das, was will also dieser Verband von mir?

Warum dieses Urteil aber nicht nur für Fußballbegeisterte interessant ist, fasst Jürgen Kalwa auf Carta gut zusammen:

Mit dem Urteil gegen das Videoportal Hartplatzhelden hat sich ein neues Rechtskonstrukt durchgesetzt: Bei einem Amateurvideo vom Fußballplatz handelt es sich um eine “Nachahmung”, nicht um ein eigenständiges Werk. Damit wird ganz normalen Bürgern das Recht abgesprochen, mit einer ganz normalen Videokamera auf einem ganz normalen Fußballplatz ganz normale Bilder zu drehen und zu veröffentlichen.

Damit wären alle Videos die irgendwie im Einflussbereich von irgendeinen Verband entstehen deren Eigentum. Und da wir in einem Land leben, indem man eigentlich nichts ohne Verband oder Verein unternimmt, lassen sich die Folgen gar nicht absehen.  Es geht hier um nicht weniger als um die Begrenzung von Eigentumsansprüchen. Es geht darum, was uns gehört und um in einer solch wichtigen Sache Rechtssicherheit herzustellen, brauchen wir dieses Urteil. Deshalb verwiese ich auf die Spendenseite der Hartplatzhelden und auch auf die Unterschriftenliste, vor allem, da die Spenden alle auf ein Treuhändlerkonto gehen und im Fall des Erfolges in volelr Höhe zurückgezahlt werden.

Wir brauchen dieses Urteil, es geht um mehr als nur um Fußball.

22. März 2009

Kommentare

Das sicher nicht, aber dann hat die Solidarität eben ihre Grenzen. Dann ist es für euch eben ein wirtschaftliches Kalkül, Kosten und Risiko abzuwägen. Ganz normales Unternehmertum. Mir muss es um euch ja nicht gehen, um die grundsätzliche Problematik aber sehr wohl.

Mein Ziel ist es, eine Zeitung für Amateurfußball im Internet zu machen. Übrigens mit Berichterstattung drum herum, kritischer über die Art, wie selbstherrlich der DFB mit den Amateuren umgeht. So etwas gibt es bislang nicht.

Mir gefällt dieser Beitrag sehr gut, da ich es auch so sehe, dass es um viel mehr geht als um die Hartplatzhelden.
Leider scheinen viele das nicht zu kapieren, darum gebe ich jetzt gerne diesen Link weiter. Ich hoffe, das ist recht.
Ich gehöre zu den Filmern, die gerne Videos bei den Hartplatzhelden hochladen, ich nutze aber auch gelegentlich http://www.fussball.de, es kommt immer darauf, um was für ein Video es sich handelt. Und so sollte es bleiben, dass jeder frei entscheiden, wo er seinen Clip vom Amateurfußball online stellt.
Es geht doch den Verbänden nur um das Monopol, Macht und Geld. Wer sich nicht mit dem Thema der Klage gg. die Hartplatzhelden beschäftigt hat, glaubt doch den Pressemitteilungen der Verbände, dass sie ihre Vereine vor solchen „Schmarotzern“ wie den Hartplatzhelden schützen müssen. Ich sehe es aber so, dass es ein „Sieg für den Amateurfussball“ wäre, wenn die Hartplatzhelden Recht bekommen und private Filmer dort ihrer kleinen Videos von den unteren Klassen des Amateurfußballs hochladen dürfen.

Oliver, versteh mich nicht falsch, ich finde eure Siete super und was ihr macht richtig gut. Nur ist es eben zunächst einmal euer Bier, ob ihr diesen Rechtsstreit eingeht, da euch sonst die Unternehmensgrundlage entzogen ist. Da geht es ums Geld. Ob eure motivation darüber hinaus geht, kann ich nicht beurteilen, unterstellen möchte ich da gar nichts.

Ich wollte in diesem Artikel nur darauf hinweisen, dass auch abseits dieser Einschätzung ein solcher Rechtsstreit relevent ist für uns alle. Man muss euch nicht hehre Motive unterstellen, um euch zu unterstützen, da hier eine klare Rechtslage wichtig ist.

Es geht mir um mehr als die Hartplatzhelden, auch wenn schon aus meiner Sicht eure Seite alleine schon erhaltenswert ist. Das aber muss nicht jeder so sehen, aber das Problem geht ja über eure Seite hinaus und das wollte ich herausstellen. Es ist egal ob ihr die Guten oder die Bösen seid, es ist egal ob es hier um Fußball oder Gymnastik geht, denn hier geht es um Grundsätzliches.

Ihr macht ein großartiges Portal aber für den Rechtsstreit ist das nur bedingt wichtig.

Ich habe mich schon an anderer Stelle zum Kernthema geäußert und durch weitere Recherchen inzwischen nur meinen ursprünglichen Standpunkt bestätigt gefunden: Wie die Gerichte in diesem Fall das Gesetz auslegen, auf dessen Basis der Verband den Hartpatzhelden ihre Arbeit verbieten lassen will, ist ein Rösselsprung (wenn man’s nett sagen will). Eine solche fundamental irrige Rechtsprechung betrifft uns alle, weil sie über den Umweg des UWG andere Rechte (Urheberrecht, Gewerbefreiheit, Meinungsfreiheit) aushebelt.

Ich möchte mich aber noch zu ein paar Dingen zu Wort melden, die hier aufgeworfen wurden und die Diskussion weiterführen sollen.

Erstens: Das vom Hausherrn so gelobte Portal kann nicht existieren, wenn ihm von Gerichten diese Tätigkeit untersagt wird. Das heißt: die Frage, die sich jeder zuerst stellen muss, lautet: Will ich, dass der Amateurfußball in Deutschland auf einem vom Verband unabhängigen Weg ein Publikum findet? Wenn ja, bin ich auf der Seite der Hartplatzhelden.

Zweitens: Es geht nicht darum, die Hartplatzhelden jetzt und heute zu unterstützen, damit sie dann später eine Monopolstellung auf dem Markt der Amateurfußballvideos haben. Wer sie unterstützt, hilft eher folgender Entwicklung: Spätestens dann, wenn sich zeigt, dass man mit einem solchen Portal Geld verdienen kann, werden sich andere finden, die etwas ähnliches probieren werden. Dagegen spricht nichts. Im Gegenteil. Die Hartplatzhelden müssten sich dann halt im Kampf um Publikum und um hochwertige Videos mehr anstrengen. Das würde bedeuten, dass sie voraussichtlich den Videofilmern Honorare zahlen. Auch das wäre eine begrüßenswerte Entwicklung und ist die Basis des Alltagsgeschäfts der Medien. Wenn die OLG-Entscheidung Bestand hat, ist das ausgeschlossen. Dann diktieren die Verbände die Entwicklung – inhaltlich und wirtschaftlich.

Drittens: In Deutschland (im Unterschied zu den USA, wo ich lebe) existiert bei vielen Themen ein merkwürdiger Pauschalverdacht gegen Menschen, die ehrlich genug sind und zugeben, dass sie mit ihrer Arbeit und Kreativität Geld verdienen wollen. Komponisten, Maler, Autoren, Filmemacher können alle nur überleben, wenn sie für ihre Arbeit bezahlt werden. Warum sollten sie im Erfolgsfall nicht sogar etwas mehr verdienen können? Wo ist da der ethische Haken? Ohne Geld keine Kunst, keine Kreativität, kein Entertainment.

Diese Haltung hat aber einen schlimmen Nebeneffekt. Sie unterminiert und behindert in Deutschland immer wieder Menschen mit Ideen und damit die Weiterentwicklung einer freien Gesellschaft. Wenn Ideen und Konzepte dann in den USA auf die Beine gestellt werden (Stichwort Google, YouTube etc., die alle enorme Risikokapitaleinlagen hatten, die sie an der Börse wieder eingespielt haben) werden sie zwar adaptiert, verdrängen aber dadurch lokale Entwicklungen. Die deutschen Kreativen haben nichts davon, wenn sie nie früh genug dran sind, um sich auf dem Weltmarkt der Neuentwicklungen zu behaupten und wenn immer nur die Amerikaner das Rennen gewinnen und auf diese Weise bestimmen, wie’s weitergeht.

Ist nicht hinter jedem Projekt auch ein gewisser kommerzieller Touch festzustellen? ich glaube man kommt daran nicht vorbei. Kommerzialisierung ist notwendig in vielerlei Hinsicht.

Beste Grüße,
Yannick

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