Ich habe schon einmal ein Gedicht über das Morgengrauen geschrieben und bin doch immer wieder überwältigt von der Kraft. Dieses Staunen will ich heute versuchen in einem Text auszudrücken. Entscheidet selbst womit ihr mehr anfangen könnt.

Die Nacht ist noch nicht ganz zu Ende und doch kündigt sich der Tag bereits an. Morgengrauen und Vögelkonzert. Das Licht wird ein anderes. Diffus und dennoch klarer als so mancher Tag mit blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein.

Ich habe mich heute Morgen gefragt, warum eine durchzechte Nacht so viel Befriedigung verschafft. Warum fühle ich mich so gut, obwohl mein Magen doch langsam rebelliert und mein Kopf mir durch dumpfes Stechen mitteilt, dass der nächste Tag ihm gehören wird und ich mich und meine Vorhaben nach seinen Launen richten werde müssen.

Ein Gefühl wie nach einer gut bestandenen Klausur, einem gut geschriebenen Text, einem interessantem Gespräch oder nach erfülltem Sex. Eine Befreiung die ich nicht in Worte zu fassen in der Lage bin.

Ein Gefühl wie nach harter Arbeit endlich duschen zu können, ist es sich ins Bett zu legen. Ein langer Tag, ein schönes Ende. Ein Morgen ist die Belohnung für viele Stunden, die man auf ihn gewartet hat, ohne jedoch einmal an ihn zu denken.

Bier, Gespräche, Schnaps und Albereien, Diskussionen ohne gewichtigen Inhalt, ein Film für den dasselbe gilt und dann kommt der Morgen.

Ich liebe das Morgengrauen wäre falsch ausgedrückt, kann ich doch nichts damit anfangen, wenn ich mich voll Hass auf den Tag aus meinem warmen Bett quäle.

Es muss die Naht sein, die ihren Reiz erst dann vollends entfaltet, wenn sie leise verschwindet und dem Morgen Platz einräumt.

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26. Mai 2007