Auch wenn Shining mit Jack Nicholson ein gern an Weihnachten gespielter Film ist, soll es nicht um durchgeknallte Psychopathen gehen. Es geht im weitesten nicht einmal um Psychologie. Es geht darum zu schreiben. Es geht folgend dann um die emphatische Ebene des Geschriebenen, um den aufnehmenden Leser. Es geht sonst wohl eher um den Text und was er denn zu sagen hat. Dieser hier nicht viel, er will nur zeigen. Ja spielen auch.

Was denkt ihr, wenn ihr einen Text lest und seht, dass er an Heiligabend um 22 Uhr gepostet wurde? Weihnachten, das Fest der Familie, der Freunde und Freude, Weihnachten als Fest der Zweisamkeit und einer sitzt da draußen und schreibt einen Blogartikel.

Mir fallen jetzt eine Menge Reaktionen ein, kurz in eine Liste gefasst, weil ich nicht sonderlich viel Zeit habe:

Man kann das sicher noch ausbauen. Es zeigt aber auf: Texte werden nicht nur verstanden. Texte müssen so geschrieben werden, dass die emphatische Ebene des Empfangenen mit einkalkuliert wird. Sprache ist schon ein ungemein inter-subjektives Mittel, aber es reicht dennoch häufig nicht.

Die Zeit spielt bei diesem Artikel eine Rolle, weil sie einführt und verdeutlicht. Aber sie kann auch bei anderen Artikeln, Texten und Büchern eine Rolle spielen. Erinnert ihr euch an die Enthüllung der SS-Vergangenheit von Günter Grass, die just mit dem Erscheinen seines Buches „Beim Häuten der Zwiebel“ zusammentraf und so die Hobbypsychologen auf den Plan rief. Dass ich denen ganz ungemein skeptisch gegenüber stehe, soll aber nicht verleugnen, dass wir uns beim Lesen eines Textes der psychologischen Komponente des Verstehens nicht entziehen können.

Soweit nichts neues. Auch nicht neu, dass dies nicht nur den Text betrifft, sondern auch die Umstände des Erscheinens, des Lesens, des Schreibens. Texte haben nicht nur einen hermeneutischen Rahmen, sondern auch eine Zeit, einen Ort.

Wie langweilig. Mag der andere Leser jetzt denken und hat seinen digitalen Mitleser vergessen, der ganz anders über den Text denken könnte. Wir haben mit der Endlosrekursion ein Medium geschaffen, das verschiedenste Lesergruppen anzieht. Einige werden sich immer denken, was das soll. Freak. Einsamer.

Wahnsinnig wird man, wenn man daran denkt, alle möglichen Leser zu befriedigen. Psychologisch bankrott wird man sich spätestens bei den ersten eintreffenden Kommentaren erklären. Wahnsinnig wird man aber auch wenn man Blogs liest, die einfach keinen Empfänger bedacht haben, aber meinen sie bewegten die Massen.

Als Blogger ist man immer Leser und Gelesener. Als Blogger liest man mehr als einen interessiert und stößt deshalb auf Probleme, die vielleicht gar nicht da sind. Als Mensch reflektiert man. Manchmal kommt nichts dabei heraus.

Frohe Weihnachten.

 

24. Dezember 2007

Kommentare

Man sucht. Leser suchen. Schreiber suchen. Manchmal treffen sie sich. Da ich nicht an zu große Zufälle glaube treffen sie sich auf gemeinsamen Gedankenabschnitten. Daran denkt man. Das macht manche Texte schwierig, oder auch manche Zeitpunkte, manche Orte.

Ich denke ein blog kann kommerziel oder persönlich sein. Dazwischen sehe ich nicht viel Platz. Kommerziel ist sehr wahrscheinlich der mehr gelesene, erfolgreicher halte ich aber den persönlichen – für einen selbst. Ich glaube, das muss man entscheiden. Das sind jetzt vielleicht mehr Gedanken zu meinem blog, aber irgendwie passen sie auch hierher. Und – auch euch noch eine schöne Weihnachtszeit.

Ich verstehe nicht ganz, warum kommerziell und persönlich Gegensatzpaare sein müssen. Es ändert sich sicher etwas in einem Blog, wenn dieser auch kommerzielle Absichten hat. Aber ändert sich wirklich die Persönlichkeit hinter dem Blog, die in die Texte mit einfließt?

Aber kommerzielle Interessen sind ja nur ein Teil, der das Verhältnis auf komische Art und Weise beeinflusst. Es kann so vieles, auch Ungeplantes sein. Man kann nicht mehr naiv vor sich hinschreiben, wenn man erstmal gemerkt hat, wie die verschiedenen Schreibstile, Themen und Weisen des veröffentlichen auf den Leser wirken. Und ich denke, man muss schon recht scheuklappenartig durchs Web spazieren, wenn man nach einigen Jahren Webarbeit nicht ein Gefühl dafür entwickelt, wie Leser auf bestimmte, Texte, Zeiten, orte reagieren. ich kann nicht mehr hinter diesen Punkt zurück und eine Naivität erhalten, die durch Erkenntnis weggewischt wurde. Etwas anderes hast du ja angesprochen ist das, wie sehr man einfach schreiben möchte und wie sehr man seine Leser zufriedenstellen möchte. Das ist das Problem, dass mich manchmal in den Wahnsinn treibt: Schreibe ich diesen Text gerade aus Interesse oder weiß ich, es wird jemanden interessieren. Ist es für viele, oder ganz spezielle Leser? Wird das verstanden, oder sollte mir das nicht vielleicht sogar egal sein, wenn es einer, ein wichtiger Mensch versteht? Das kann man nicht ausblenden, wenn man sich umschaut und nicht nur schreibt, weil man gerade nichts anderes macht.

Kommerziell oder nicht ist nur ein ganz kleiner Teilbereich, wenn auch ein brisanter. Es kommt die Frage hinzu, ob der Text jetzt den Geldbeutel füllt, oder man ihn sonst auch geschrieben hätte. Die Frage entsteht bei dem Autor und bei den Leser. Aber eigentlich stellt sich die Frage auch bei einem nicht-kommerziellen Blog. Ist der Artikel jetzt fürs Ego geschrieben, oder drückt sich darin jetzt die Persönlichkeit des Autors aus?

Erkennen kann man das sicher nur, wenn man einen Blog länger verfolgt und selbst dann kann das, was man als negative Entwicklung Richtung Kommerz ausmacht nur die normale Entwicklung des Autors sein, die dieser plant und vorantreibt.

Ich gebe dir Recht, dass selbst in dem persönlichsten blog ein Anerkennungsmas liegt – sich ganz davon frei zu machen, dürfte äußerst schwer sein. Ich versuch`s mal mit meinen einfachen Worten zu sagen, was ich wirklich meine: Schreibt ein 80 jähriger Walser nur was der Leser lesen will? Ich glaube, er schreibt sich frei, endgültig, abschließend, aber – Ich weiß es nicht. Wenn man wie ihr, eine sprachliche Begabung hat, auch das Ohr an der Zeit hat, gesund kritisch ist und authentisch in Worte zu bringen weis, was ihr alles könnt – was uns bewegt, was wir lieben, wovor wir Angst haben, was besser gemacht werden kann, was uns stört, was wir hassen – mich bewegt nichts mehr, wenn Menschen über diese Themen aufrichtig und authentisch schreiben. und das entspringt täglichen neuen Gefühlen. Kurz, ich meine als Leser zu spüren, ob Informationen oder Emotionen geschickt werden. Mich persönlich interessieren Informationen in blogs nicht so sehr, die gibt es zu viele. Ich mag das Engagement von Wowik, und ich mag deinem letzten Absatz sehr, in „Das leben ist schön“ – das kann ich durch den Äther spüren.
Das lese ich gerne. Andere lesen was anders gerne.
Ich habe aus meinem Geschäftsleben gelernt, daß für mich der beste Platz in der Lücke ist. Da gehen nicht so viele hin, ist ihnen zu klein, mufflig, unscheinbar – aber gut leben, kann man dort auch und ist lang nicht so anstrengend. (Bleibt aber unter uns):))

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