Die langweiligen Leiden des jungen W.

die-neuen-leiden-des-jungen-w-plenzdorfIch habe mir in Paris in einem Antiquariat vorgestern Die neuen Leiden des jungen W. von Plenzdorf für 1,50 erstanden und gehofft, ein Buch gekauft zu haben, dass den alten, klassischen und überzeitlichen Werther transferiert und dabei nicht allzuviel verliert. In zwei Stunden war das dünne Ding durchgelesen und ich saß ein wenig konstatiert und blickte dieses blaue Buch an. Nein, ich starrte wohl ein wenig. Das soll dieses tolle Buch sein, was man unbedingt lesen muss, wenn man den Werther verstehen will und die Wende und überhaupt Deutschland? Da zieh ich mir lieber den kompletten Faust in einer Nacht und spreche danach selbst so komisch wie der Protagonist in Plenszdorfs Buch. Ich meine, ich habe eigentlich ein Faible für durche Charaktere, aber der ist so künstlich durch. Das kann irgendwie nichts. Lang lebe Pippi Langstrumpf, die Frau ist subversiv.

Ich weiß nicht. Auf mich wirkte das Buch wie versucht, nicht gekonnt und dennoch rausgehauen. Langweilige Jugendsprache, ein mehr als verquertes Konzept, das eher so wirkt, als hätte man ums verrecken was anders machen müssen, ein Typ der so „anders“ ist wie diese Che Guevara Plakate, die sich jeder linksverhaftete Depp irgendwo ins Zimmer kleben muss. Rockt überhaupt nicht. Wäre das Buch ein dicker Wälzer gewesen, hätte ich ihn schon weit vor der Chancegrenze von 50 Seiten zur Seite gelegt und irgendwem geschenkt, den ich nur mäßig leiden kann.

Ich meine, habe ich nur nicht richtig gelesen und deshalb all die spannenden Gedanken verpasst? War ich nur nicht alt genug, oder ist das der Wessiblick? Aber der Typ hat ein übersteigertes Ego, kein Bock und hält sich für wen auch immer, kann nix und nervt rum. Lernt eine frau kennen, kommt nicht klar, tut so als käme er klar und laber nur Mist dabei. Haut aus seinem DDR-Kaff ab, nach Berlin. Warum auch immer. Berlin kommt nämlich nur in Gestalt eines Hugenottenmuseums vor, was erst ständig erwähnt wird und dann doch nichts kann. Danach brutzelt er sich selbst beim Bau von einer tollen neuen Erfindung. Tragisch, oder? Und seine Vorzeigekadermutti ist fassungslos. Ein paar kollegen auch. Und einen Vater hatte er auch nicht. Mann, mann. Alles angerissen, nichts irgendwie verwertet. Ich meine, das Buch könnte was, wenn es was könnte. Kann es aber nicht.

Ihr merkt schon, ich werde niemandem empfehlen dieses Buch zu lesen. Aber vielleicht liest die ein oder andere Deutschlehrerin mit, die mich und meine Leser davon überzeugt, dass dieses Buch doch zu Recht irgendwie ja auch bekannt ist. Den Werther lese ich jedenfalls tausend Mal lieber.