Jan macht sich im upload wieder mal Gedanken über das Verhältnis von Blogs und den Medien. Er entwickelt die Idee des Blognetzwerks weiter und fragt diesmal nach der Reichweite und Zukunft von Blogs. Ich kann in vielen Punkten zustimmen, möchte aber dennoch hier eine Gegenposition einnehmen. Im Sinne des Diskurses hoffe ich, dass es sowohl mir, ihm und unseren Leser weiterhelfen wird. Ich bin noch nicht entschieden, wie weit Blogs gehen sollten, bis sie sich zu „alten“ Medien entwickelt haben und nur noch der technische Aspekt „Bloggen“ zu nennen ist.

Ich versuche jetzt also meine Einwände kurz und prägnant zu formulieren, auch wenn das schwierig ist, da ich noch keine feste Meinung zu dem Thema habe und denke, dass wir erst in der Anfangsphase der Veränderung stecken.

Im Artikel „Weblogs: gekommen, um zu bleiben“ nimmt Jan die reichweite von Blogs als Anlass, um die Richtung besser bestimmen zu können. Blogs haben im Gegensatz zu den Medien kaum relevante Reichweiteergebnisse vorzuweisen. Die Klicks und Impressions sind mickrig:

Das Bildblog ist wahrscheinlich über die Blogosphäre hinaus bekannt, ist allerdings von der Machart her kein typisches Blog. Aber sehen wir einmal darüber hinweg. Laut Blogscout hat es etwa 2,1 Millionen Seitenabrufe im Monat. Das ist laut IVW auf dem Niveau einer Lokalzeitung wie dem Fränkischen Tag.

Das ist natürlich richtig und dennoch wiederspreche ich schon da. Denn wie viele Mitarbeiter hat das Bildblog und wie viele wird wohl der Onlineauftritt des Fränkischen Tag haben? Dabei meine ich nichtmal Redakteure, die allein den Auftritt gestalten. ich rede davon, auf wie viele Artikel sie wohl pro Tag zurückgreifen können? Welche Tradition und Eigenwerbung sich auf den onlineauftritt vererbt, darf auch nicht unterschätzt werden. Hinzu kommt noch die Möglichkeit ungemein viele Seiten über Agenturmeldungen zu füllen. Diese Möglichkeiten hat der Bildblog nicht und der Rest der Blogger eben auch nicht. Wenn man also Aufwand und Ertrag vergleichen würde, dann wäre der Fränkische Tag sicherlich jämmerlich anzuschauen.

Aber ich will nicht an Zahlen herumdoktern, bis die gewünschten Ergebnisse zu verbuchen sind. Ich will vielmehr darauf hinweisen, dass Blogs eben nicht die Medien sind. Die Motivation ist oft eine andere und ja selbst die Qualität. Natürlich gibt es Blogs, die könnten auch in jeder Zeitung stehen, die meisten Blogs sollten wohl besser nicht abgedruckt werden. Nun, auch einige Journalisten hätten wohl besser Fleischer oder Politiker werden sollen, aber darum geht es gerade nicht.

Blogs leben doch von ihrer Individualität und der Abgrenzung zum Medienzirkus. Ein Blognetzwerk, was Spiegel Online Konkurrenz machen könnte, wäre eben auch nichts anderes als Spiegel Online. Sobald Blogs eine gewisse Professionalität erreichen werden sie nahtlos in den Medienzirkus eingehen. Abgrenzung ist dann schwer zu vermitteln. Ich will nicht sagen, dass das abzulehnen ist, ich habe schon das ein oder andere Mal dafür plädiert, aber ich sehe das nicht als die Zukunft des Bloggen an.

Wir schauen oft nach Amerika, weil dort Blogs ganz anders im Blickpunkt stehen, als das hier in good old Germany der Fall ist. Aber in wie fern unterscheiden sich Techcrunch oder Boing Boing von Heise oder ähnlichen Seiten? Sie expandieren in andere Länder, wechseln ohne Lesereinbuße den „Chefredakteur“ und sind zu einer medialen Marke geworden. Natürlich sind das noch Blogs, aber sie sind nicht mehr die „Fünfte“ sonder wieder die „Vierte“ Macht.

Das wird auch in Deutschland kommen, dafür sind Leute wie Robert Basic hartnäckig und dickköpfig genug und ja wir werden das dann immer noch Bloggen nennen, aber nein, ich denke nicht, dass dann die Abgrenzung zu den alten Medien nicht noch aufrecht zu erhalten ist.

Das ist nicht schlecht, ich glaube, dass die Medien frische Impulse brauchen, da sie von alleine nicht drauf zu kommen scheinen, muss es eben von Außen kommen. Ich denke nur nicht, dass dadurch das Bloggen aufhört. Es wird immer semiprofessionelle und auch ganz schlechte Blogs geben, die die Blogosphäre, so man von ihr sprechen kann, ausmachen und die auch schreien werde:

Der hat sich verkauft, der gehört jetzt zu den Medien. Er ist keiner mehr von uns!

Dabei geht es glaube ich nicht um Werbung und Geld, sondern um Abgrenzung. Das ist wie in der Musik, da sind Bands auch nicht mehr „REAL“ wenn sie Erfolg haben, Na und? Jeder muss das für sich entscheiden. Blognetzwerke sind ein Schritt in die richtige Richtung. Aber Blognetzwerke werden nicht die Blogwelt verändern, sondern nur die Welt einiger Blogger.

Jan spricht diesen Punkt auch am Ende seines Beitrages an:

Will ich Blogs verbieten, die nicht so sind, wie ich sie hier beschrieben habe? Will ich alle Blogs gleichschalten, ihnen journalistische Grundregeln aufzwingen, sie uniformieren?

Nein.

Aber er sieht in Blognetzwerken eine alternative Informationsquelle, die die etablierten Medien ergänzen soll. Ich jedoch sehe nicht den Punkt, an denen sie sich dann noch Unterscheiden. Blogs werden sicher eine Alternative sein und Blognetzwerke können helfen darauf aufmerksam zu machen, aber sie selbst werden dann keine alternativen mehr anzubieten haben, denn sobald sie die Möglichkeit haben, Blogs zu promoten, sind sie etabliert.

Aber vielleicht vergessen sie dabei ihre Wurzeln nicht.

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23. Juni 2007

Kommentare

… Ein Blognetzwerk, was Spiegel Online Konkurrenz machen könnte, wäre eben auch nichts anderes als Spiegel Online. Sobald Blogs eine gewisse Professionalität erreichen werden sie nahtlos in den Medienzirkus eingehen. Abgrenzung ist dann schwer zu vermitteln. …

Da fangen viele schon ganz früh an. Sie erarbeiten sich ein Medienprofil mit dem sie dann versuchen eine Anstellung zu finden. Sie greifen schnell auf die Waffe Zensur zurück und sprechen gerne heikle Themen an um sie hernach flach abzuhandeln. Sie erschaffen große Diskursstreifen ohne inhaltliche Tiefe oder echte Meinungvielfalt abbilden zu wollen. Es sind endlose Spiegelfechtereinen die nicht der Sache dienen sondern dem Ego des Schreibers und seinen beruflichen Visualitionen.

Ich überlege eine kritische Auseinandersetzung mit solchen Blogs – natürlich auch Polemisch – wie es eben mein Stil ist – durch Überzeichnung zu verdeutlichen!

Politische Blogs sollten kein Selbstzweck sein. Wir müssen die Versäumnisse auffangen die die dazu berufenen Medien zu verschulden haben. Das liegt sehr stark an den Eigentümerverhälntissen dieser Institutionen!

Die Gleichschaltung der Blogs ist übrigens im stillen schon in Vorbereitung – wenn es Werbekohle damit zu verdienen gibt!

Der kommerzielle Hintergrund ist also immer zu beachten!

Also bzgl. der Gleichschaltung der Blogs (@Winfried…) die angeblich schon vorbereitet wird, bin ich doch sehr gelassen. Ich glaube, darüber lohnt die Diskussion nicht.

@Soeren: Deinen Vergleich zwischen SpiegelOnline und dem fränkischen Tagblatt im Hinblick auf deren Recihwaeite und deine Schlußfolgerungen kann ich voll und ganz unterschreiben. Die Ressourcen, auf die eine Zeitungsredatkion zurückgreift, die unzähligen freien Mitarbeiter, die Input liefern etc. Dazu die „Blattbindung“ der Leser… Das alles haben Blogs nicht. Außerdem ist es in meinen Augen fraglich, ob allein die Zugriffszahlen das Non-Plus-Ultra darstellen. Man sieht deren Problematik doch an den etablierten medien (Fernsehen+Rundfunk), Stichwort: Quote(ndruck).

Deine Ängste bzw. Vermutung bugl der erfolgreichen Blog, die als Blognetzwerk organisiert sind und entsprechend hohe Zahlen aufwiesen, teile ich allerdings nicht. Wieso hört mit dem überschreiten einer imaginären Professionalitäts- bzw. Reichweitenschwelle ein Blog auf, eine Alternative darzustellen? Ich sehe da keinen Automatismus.

Ich verstehe nicht ganz was das mit diesem Beitrag zu tun hat? Ich schreibe oben nicht über politische Blogs, sondern über alle Blogs. Ich weiß nicht was dir beim Spiegelfechter widerfahren ist, aber am besten klärst du das mit Jens.

Deinen Einwand zur politischen Blogs und kommerzieller Ausrichtung verstehe ich inhaltlich nicht. Denn inwiefern willst du ihnen etwas vorschreiben, was sie sollen. Mit welchem Ziel?

Zur Gleichschaltung. Ich höre diesen Kampfspruch öfters, aber kann damit nicht sonderlich viel anfangen. Vielleicht entsteht ein Interessenkonflik, wenn man Werbung auf seinem Blog hat, aber was das mit Gleichschaltung zu tun hat ist mir ein Rätzel, wer bitte soll denn da Gleichschalten?

Und im Gegensatz zum Spiegelfechter, der werbefrei ist, habe ich Werbung auf meiner Seite. Bin ich dadurch Gleichgeschaltet? Er nicht? Woran macht man das fest? An der eigenen Meinung?

Du siehst ich habe eine Menge Fragen, denn so verstehe ich dein Statement nicht.

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