Wo ich schon mal dabei bin, mich ausführlich mit der Argumentation pro und contra Werbeschaltung auf Blogs auseinanderzusetzen, kann ich mich mit diesem Argument auch noch beschäftigen, denn man wird es in den Anfängen der Monetarisierung dieses Blogs auffinden und sogar mit Überzeugung vorgetragen. Das Argument für Werbung lautet, dass man Kosten hat um überhaupt bloggen zu können. Hostingkosten und meinetwegen auch noch Kosten für Internetzugang. Ohne das kann man nicht bloggen und deshalb will man wenigstens das wiederhaben. So fangen die meisten Blogger an Werbung zu schalten und die wenigsten tun es wohl um ihre Leser pfleglich darauf vorzubereiten, das der Blog ab jetzt blinken wird. Ich wollte wirklich genau das, meine Kosten wieder reinholen, ohne irgendwelche Hintergedanken!

Doch das ändert sich schnell, spätestens wenn man bemerkt, dass die paar Euro Hosting ungemein schnell verdient sind und da einiges mehr zu holen ist. Ich würde es nicht unbedingt immer Gier nennen, die Stellt sich wohl erst später ein. Ich war Neugierig und wollte wissen was so geht mit einem aus Spaß und Jux entstandenem Blog. Kann man von dem Scheiß leben?

Aber irgendwann sind die Schecks und Einflüsse auf dem Konto eine feste Größe und man will nicht mehr darauf verzichten. Und genau an diesem Punkt fängt die Problematik an, dass man nicht mehr bloggt um zu bloggen, sondern des Geldes wegen. Das muss kommen, denn die Einnahmen gehen direkt zurück, wenn man mal nicht bloggt, ich kann das gerade hier in Tschechien in meinem blogfreien Monat beobachten. Irgendwann packt einen die Gier, auch wenn ihr noch so gute Menschen seid. Geld macht süchtiger als Zigaretten, ich bin Raucher und kann das im Hinblick auf mich jedenfalls einigermaßen gut beobachten.

Aber nicht nur durch steigende Einnahmen wird die Grundmotivation, die Hostingkosten reinzuholen, pulverisiert, die Annahme, man müsste sein Hobby umsonst ausüben können ist schon alleine komisch genug. Ich bezahle für meinen Fußballverein 6 Euro im Monat, so viel wie meine Hostingkosten, käme aber wohl nie auf die Idee deshalb jetzt irgendwie das refinanzieren zu müssen. Der Spaß wiegt das mehr als nur auf. Das heißt zwar nicht, dass ich nicht auch Geld nehmen würde, wenn jemand so blind wäre, mir einen Vertrag anbieten zu wollen. Aber ich spiele Fußball, egal ob ich dafür bezahle oder nicht. Warum sollte das also im Internet anders sein? Mir fällt kein Grund ein, die Hostingargumentation hinkt.

Das heißt allerdings nicht, dass es jetzt verboten sein muss, mit seinem Hobby Geld zu verdienen, man muss nur sicherstellen, dass es ein Hobby bleibt, oder man eben so viel verdient, dass man wirklich davon leben kann, dann ist es einfacher zu rechtfertigen, denn jeder braucht einen Job.

Wie schützt man sich aber vor der Gier? Nun wie ihr dies machen könnt, weiß ich nicht, ich mache es folgend:

Ich habe ein neues Konto nur für meine Interneteinnahmen aufgemacht. Da ich Student bin, werden mir Girokonten ohne Ende umsonst nachgeschmissen. Dort schlägt alles Geld auf, dass ich mit Werbung und Links verdiene, ausnahmslos. Dort wird nichts abgehoben, nichtmal wenns wiedermal am Monatsende knapp wird oder der schöne Urlaub so sehr verlockt. Dieses Geld bleibt im Internet um erst gar nicht in meinem Konsumkreislauf zu kommen, es bleibt virtuell. Ich werde dieses Geld für eventuelle Abmahnungen verwenden, die jeden treffen können und für zukünftige Projekte, falls mir mal eine Idee kommt. Ich bezahle meine Hostingkosten davon, nur meinen Internetanschluss bezahle ich noch von Monatskonto, da ich es auch schon vor der Monetarisierung von dort bezahlt habe und nicht mehr Geld auf dem Konto haben will, dass würde die gier wiederum zu sehr reizen.

Sollte irgendwann einmal genug Geld auf dem Konto sein, um davon zu leben, dann werde ich sicher davon leben. Dann ist Bloggen eben mein Job. Das ist aber Zukunftsmusik und so recht glaube ich daran nicht. Allerdings kann ich mir auch schlechtere Berufe vorstellen, als den Tag lang zu schreiben. Das wird allerdings durchdacht, wenn es so sein sollte.

Und wieder einmal möchte ich am Ende des Artikels betonen, dass diese Texte zur Werbung auf dem onezblog keinesfalls einer absoluten Rechtfertigung dienen sollen, oder sogar der Imagepflege. Ich denke, wie schon in beiden vorherigen Artikeln geschrieben, dass es wichtig ist, sich mit dem eigenen Handeln auseinander zu setzen und sich Kritik und Anregungen dazu anzuhören. Die erwarte ich von euch. Also lasst die Tasten glühen.

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6. September 2007

Kommentare

>Ich werde dieses Geld für eventuelle Abmahnungen verwenden, die jeden treffen können und für zukünftige Projekte

Ja und nein. Getroffen werden kann man, das wissen wir nur zu gut, getroffen werden muß man nicht und das Gros wird auch nicht weiter behelligt. Ein kleines Prozentteil der Blogger macht wirklich das Maul auf zu relevanten Themen und man möchte diesen den Mund verbieten, der Rest weiß einfach nicht das man nicht alles ungestraft postulieren kann. Beispiel: mit einem gewissen Transparent auf der Straße herumrennen, auf dem eine Firma in den Dreck gezogen wird. Sprich viele leben schon zulange in der Virtualität und wissen überhaupt nicht mehr was Sache ist, da brauchts kein Blogs um ins Grübeln zu kommen.
Last not least vor der Mahnung steht das Denken, nach der Abmahnung ebenso. Meist wird mit absurden Anwaltskosten geprotzt, diese jedoch richten sich nach deinem Einkommen und können dann sehr, sehr moderat ausfallen. Wenn man zudem nichts hat, kann man auch den Gang vor den Kadi wagen, denn da trennt sich schnell die Spreu vom Weizen, sprich „mal das schnelle Geld kassieren durch massive Drohung“. Wo nichts ist kann man auch nichts holen, d.h. die Fantastillionen gibts nur in den USA.
Die Zahl jener die wirklich ins Klo griffen und fortwährend weiterkackten ist relativ gering und da wird nichts teurer, aber es geht so oder so vor den Kadi. Sprich stricken am Sparstrumpf erhöht automatisch die Ansprüche die man an dich stellen kann, Rechtsschutz gibts nicht, ergo bist du so oder so der Dumme – das Einkommen zählt. Sparst du dir etwas an, hast du auch mehr zu blechen. Sprich Angst ob irgendwelcher Geld-schneidender Drohungen ist dumm.

>Dann ist Bloggen eben mein Job.

Vor dem Kadi, konstruiert man daraus schneller einen „Job“ als du denkst. Mitunter ist es nur das Mißverständnis zu Glauben „ein Job ist das ja nicht“, genau über diesen Umstand sind schon diverse Leute im Netz gestolpert.

Nein, nein, so meine ich das nicht. Jedem kann mal ein fehler passieren. man ist sauer und schreibt etwas, dass nicht sein sollte, oder man liest eine Licenz falsch,w as auch immer. ich hoffe aufmerksam genug zu sein, dass mir das nicht passiert, aber es kann. Genausogut auch irgendwo im „normalen“ Leben. Aber da sind weniger Geier unterwegs, oder ihre Möglichkeiten sind einfach nicht so groß und einfach wie im Internet.

Und das mit dem Job beziehe ich gar nicht auf die Abmahnung, sondern wirklich darauf, dass womögich irgendwann der Lebensunterhalt mit dem Internet, nein nicht nur mit Bloggen, bestritten werden könnte. Angst schwingt immer so ein bisschen mit, das liegt an meinem unwissen und Unverständnis diesen Abmahnungen gegenüber, aber ich werte das in sofern positiv, weil mich aus meiner absoluten Naivität dem Internet gegenüber gerissen hat.

Sören, es ist dein Blog, dein Handeln, deine Verantwortung. Solange du Inhalte von Werbung trennen kannst, was bei den merkbefreiten Google-Dingern automatisch kommt, gibt es kein Problem. Selbst Adical sehe ich nach wie vor eher positiv, weil andere die Werbung hereinholen.

Linklift und ähnliches sehe ich skeptisch. Da geht es vor allem darum ein bestimmtes Medium zu unterstützen, das du dann schon vertreten musst. Es unterliegt deiner Entscheidung und beeinflusst dich. Mir würde eine neutralere Variante da deutlich besser gefallen.

Litfasssäule sein, schadet der Säule nicht. Eine Litfasssäule die entscheidet was auf ihr klebt, ist da schon eine andere Sache.

Du schreibst:

„Und genau an diesem Punkt fängt die Problematik an, dass man nicht mehr bloggt um zu bloggen, sondern des Geldes wegen“

Das zeigt eine mir eher fremde Grundeinstellung. Geld brauche ich zum Leben – und natürlicherweise verdiene ich es am allerliebsten mit Tätigkeiten, die mir Spass machen: am liebsten mit solchen, die ich auch ganz ohne Geld tun würde, bzw. getan habe. Warum so viele Menschen sich damit abfinden, ihr Leben in einen ungeliebten Brotjob und daneben allerlei Hobbys, „Freizeit“ (!) und Urlaub aufzuteilen, konnte ich nie verstehen!

Es muss auch wirklich nicht sein, denn alles, was man gerne (und deshalb OFT) tut, wird auf die Dauer richtig gut und man kann damit dann auch Geld verdienen. So ist es mir 1996/97 mit Webdesign ergangen: ich baute jede Menge eigene Projekte, und dann meldeten sich bald Leute, die mich beauftragen wollten – na super! Ich wurde also Webdesignerin.. In der ersten Zeit des Netzes hatte ich noch Artikel für Printmedien geschrieben, das brachte ein wenig Geld und ich konnte mir aussuchen, über was ich schreiben wollte, Hauptsache „Internet“, das war damals neu, da waren die traditionellen Medien für jedes Netzthema dankbar und offen. Als dann nur noch „Arbeitssuche, Shopping, Sex im Internet“ gewünscht wurde, hörte ich auf, denn das reizte mich nicht mehr und Webdesign brachte eh mehr Geld. Aber natürlich schrieb ich weiter, worüber ich wollte – in eigenen Webprojekten und Magazinen.

Dass die sich nach nun über 10 Jahren auch „monetarisieren“ lassen und zu meinem Einkommen beitragen, finde ich klasse! Und es zeigt mir erneut: man muss nur DRAN BLEIBEN an dem, was einem Freude macht, irgendwann kommt das Geld-Verdienen quasi von selbst..

Ich möcht‘ mal wirklich wissen, was EHRENVOLLER daran sein soll, seine Tage in einem Brotjob zu verbringen, bei dem man froh ist, wenn abends Schluss ist und wo man kaum etwas von den Rahmenbedingungen im Sinne eigener Werte mitbestimmen kann, um dann abends in der „Freizeit“ als „Hobby“ zu bloggen!

Ich kann Claudia nur zustimmen. Man weiss nie wo das Leben einen hintreibt. Und wenn der Hauptberuf Blogger ist, finde ich daran nichts ehrenrühriges. Was passiert in einem Blog, das viele Visits bekommt. Es werden dort Inhalte geschrieben, die Leute mit Interesse verfolgen. Werden die Inhalte bescheidener, bleiben die Besucher weg. Ergo keine Kohle. Also tust Du etwas für Dein Publikum, dass selbst entscheidet, auf welchen Knopf es drückt und was es liest.

In der Musikbranche wird ebenfalls unglaublich viel Geld gemacht, und das zugegebenermaßen mit oft sehr bescheidenen Stücken. Es ist eben nicht jeder ein großer Musiker. Oft steht dahinter nur ein großer potenter Produzent. Das findet auch niemand ehrenrührig, wo ist also das Problem? Mach weiter wenn es Dir Spass macht.

Ich versuche in der Kunst Fuß zu fassen, wo man ohnehin ständig vorgeworfen bekommt kommerziell zu arbeiten. Es geht sogar so weit, dass manche Künstler sehr deutlich werden und sich gegen Selbstvermarktung aussprechen, da Qualität für sich sprechen sollte und sich früher oder später ohnehin durchsetze. Es ist aber superschwer, die richtigen Leute auf die eigenen Arbeiten aufmerksam zu machen. Wo fängt man also an?

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