…tendiert gegen Null. Blogs bewegen die Menschen kaum und der Diskurs hält sich auch in Grenzen. Wenn Blogs, noch dazu politische überhaupt wahrgenommen werden, dann nur in unregelmäßigen Abständen. Das liegt an mangelnden Idealen. Das sagt jedenfalls Alexander von Sajonara und ich widerspreche da erstmal nicht.

Politische Blogs sind in den Medien noch nicht angekommen und werden wohl auch fast nur von Bloggerkollegen gelesen. Es mag Ausnahmen geben, aber selbst die tauschen in den klassischen Medien nur auf, wenn die nichts anderes zu berichten haben. Darüber kann man traurig sein, ich denke eher, dass es bei vielen Blogs auch ganz gut ist, dass da nicht jeder mitliest, zu viele strange Ideale. Scherz am Rande. Ich denke, dass die meisten politischen Blogs einfach noch in den Kinderschuhen stecken und außer kruder Einfälle in Richtung Innenminister einfach noch nichts gerissen haben. Meldungen der Medien kommentieren, die ein oder andere Aktion/Rede der Bundesregierung kritisieren und meckern, meckern, meckern. Sonderlich viel mehr kommt noch nicht aus der Blogosphäre. Ich will mich und mein partikulär politischen Blog da gar nicht ausnehmen. Klar könnte man den ein oder anderen Rant in ähnlicher Form sicher auch in der Zeitung lesen, aber etwas geschrieben, wo ich mir denke, dass müsste die Masse lesen und damit hebe ich mich von den Holzmedien ab, das habe ich noch nicht. Klar denke ich, dass mein Blog und viele, viele andere auch den Massen etwas zu bieten haben, was sie nicht in den Medien finden werden, aber nicht sonderlich zwingen.

Wir haben vor einiger Zeit einen politischen Blogkarneval gehabt, den ich als vollen Erfolg ansehen würde, entgegen Alexander, dem der Karneval als Diskursmedium nicht ausgereicht hat. Kann ich verstehen, ich dachte auch erst, dass damit etwas beginnen könnte, was größer wird, als die teilnehmenden Blogs alleine. Aber wenn wir ehrlich sind, haben wir den Karneval viel zu unprofessionell angegangen. Das hat den Spaß an ihm ausgemacht, auch wenn er vielleicht toll gewesen wäre, wenn er mehr Echo bekommen hätte. Ich sehe das eher als Versuch an, ein wenig zu testen, was Blogs können und was eben nicht. Und nur weil der erste politische Blogkarneval nicht eingeschlagen hat bei den Medien, muss das ja nicht heißen, dass der zweite dies nicht tut. Oder der Dritte, oder der Vierte. Es lag wohl auch daran, dass ich und wir alle noch zu unerfahren waren um daraus mehr zu machen. Vielleicht packt jemand den Zweiten besser an.

Ich würde nicht so schnell urteilen, was Blogs können und was nicht. Wie viele politische Blogs gibt es? Und wie viele taugen davon wirklich um in den Blick der Massen gelassen zu werden? Potentiell meinetwegen viele, aber jetzt ganz sicher noch nicht. Viele Bloggen jetzt seit ein, zwei Jahren. Da kann man noch nicht erwarten, dass der große Durchbruch, so er denn irgendwann überhaupt kommen sollte, stattfinden wird.

Nehmt doch einfach mal die ganzen kindischen Streitereien in der Blogosphäre. Klar haben die Journalisten auch, aber die tragen diese nur bedingt in ihren Blättern aus. in Blogs liest man andauernd, warum der doof und der ideologisch verbohrt, der andere viel zu verschwörerisch und der nächste zu neoliberal ist. Das interessiert keine Sau und erst wenn ein paar Blogs das kapiert haben, dazu den Willen mitbringen groß rauszukommen, sich juristisch einigermaßen eingearbeitet haben und dazu noch ungemein viele andere glückliche Zufälle zusammen kommen, dann glaube ich, dass der ein oder andere Blog auch Massentauglich sein könnte. Und wer jetzt fragt, ob so ein Blog dann auch noch ein Blog ist oder durch die Professionalisierung seinen Underground-Status verloren hat, der hat ganz sicher nicht begriffen, dass genau das Problem von Blogs ist.

Blogs sind einfach ein Medium um zu schreiben, alles weiter konstruieren wir, die wir bloggen. Und dieses Wir beim Bloggen ist auch schon eine Konstruktion. Klar könnte mal so der ein oder andere dabei sein, der einfach gut st, Massentauglich schreiben kann und auch noch die entsprechenden Connections mitbringt. Am Medium Blog wird es dann nicht scheitern, so wie es jetzt auch nicht am Medium Blog scheitert.

Blogs sind nicht mehr als das, was wir aus ihnen machen, ob jeder allein oder alle zusammen, ob alle gegen einen oder als Außenseiter gegen den Rest der Welt. Und ob wir bewegen und den Diskurs anregen, hängt auch davon ab, was wir unter Diskurs und Bewegung verstehen. ich für meinen Teil hätte gern mehr von beidem auf meinem Blog, würde aber nicht sagen, dass ich nicht den ein oder anderen bereichernden Diskurs hier erlebt habe, der mich in die ein oder andere Richtung bewegt hat. Definitionssache und mit Idealismus nicht zu lösen.

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26. August 2007

Kommentare

Ehrlich gesagt ich möchte weder massentauglich sein, noch irgendwie per se als Politikblog gelten. Das Problem ist man doch, das man der Majorität an Bloggern eben gerne eine bestimmte Verhaltensweise einreden möchte. Macht dies, um den Bürgerjournalismus zu verwirklichen, macht jenes um massentauglich zu werden, schreibt jenes, weils wichtig ist … usw. Blogs sind nur Software, dahinter sitzen Menschen die schreiben, genau das, was ihnen eben _Spaß_ macht – aus Eigeninteresse heraus. Ich denke kaum das wirklich viele Blogger missionieren möchten, vielleicht eine Handvoll, aber haben eben diese überhaupt eine Relevanz? Ich denke kaum und gegen diesen allzu oft geäußerten Allgemeinvertretungsanspruch wehren sich wiederum andere – ist daran etwas auszusetzen? US-Blogs gehen damit viel unkomplizierter um, da findet man Politik, Tagebücher, Spaß .. einfach alles. Aus dem Grund halte ich mich auch häufiger dort auf und meide in der Regel deutsche Blogs. Um gleich eines vorweg zu nehmen, F!XMBR ist _kein_ Politikblog, wir denken und schreiben gerne und bringen mitunter auch diverse Erfahrungen mit, z.B. aus der Politik, das ist alles. Thematisch beschränkte Blogs neigen weitaus schneller zur Engstirnigkeit, man merkt das nicht wirklich, erst wenn man beispielsweise aktiv aus einem bestimmten Bereich raus ist. Vielfalt ist Trumpf, Einseitigkeit tötet den Inhalt und die Denkbereitschaft.

Vielen Dank für die Erwähnung. Ich wollte ja auch nicht den Blogkarneval in Frage stellen. Einzig erging es mir so, dass ich eben das Medium (derzeit) nicht als diskursfähig empfinde. Blogs sind durchaus zu persönlich, aber gerade das macht sie aus. Nur, so wie es politische Künstler, oder politische Soziologen gab, die sich nicht nur schreibend und beobachtend ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Feld mitteilten, via Kunst oder Empirismus bzw. Theorien der gesellschaftlichen Beschreibung… – also, daher es solche gab, die sich einmischen, wissen wir, wie das funktionierte. Politische Literaten teilten sich mit über Feuilleton und Co, treten heute – mehr denn je – auf in Talkshows und berauben sich derart wieder ihrer Wirkung. Ein Basic ist nicht politisch… ein Niggemeier ist allerhöchstens politisch im eigenen Auftrag. Ein Don Alphonso ist durchaus nicht unpolitisch und Spreeblick wahrscheinlich auch. Doch das ist nicht der Diskurs, den ich mir vorstelle. Es sind nicht die Kommentare unter dem Artikel, sondern die Wellen, die so ein Eintrag schlägt. Die öffentliche Wahrnehmung alleine wird den Diskurscharakter des Mediums Blog nicht verändern.

Ich finde, es gibt zu wenige Leute, die sich einsetzen wollen und gleichzeitig bloggen. Idealisten, aber nicht im Sinne eines klassischen Idealismus verstanden. Leute, die aufhorchen lassen, Leute die mitmischen wollen. Welche, die aufwirbeln wollen. Solche suchen wir eigentlich vergebens. Die Resonanz fehlt und auch die Bezüge in die Realität lassen zu wünschen übrig. Ich habe Alltagsthemen immer zum Ausgangspunkt genommen, um Fragen von z. B. Bildungsungleichheit in meinem Blog zu beschreiben. Diskurse können dann entstehen, wenn bei den Leuten der Bedarf danach vorhanden ist. Unser Bildungssystem – der relative Wohlstand lähmt uns, lässt uns alle ausruhen – ist nicht dazu angetan, die Leute zu motivieren. Es gibt wissenschaftliche Diskurse, und es gibt mediale Diskurse und politische… es wäre toll, wenn Blogger auch Meinungsmacher werden wollten. Doch es gibt zu wenige, die sich wirklich interessieren. Der Alphons mag eine komische Figur sein, aber er interessiert sich in einem Bereich, in dem man durchaus Potenzial erkennen kann, um etwas bewegen zu können.

Ich möchte keine Modetrends beeinflussen und auch keine Hypes im Elektronikbereich und nicht dadurch 15T Feedreader haben, weil ich über Gimmicks schreibe. Mir liegt in gewissem Sinn eine Art Gemeinwohl am Herzen und ich entdecke sehr viel unausgeschöpftes Potenzial. Doch das Bloggen empfinde ich bislang nicht als den Weg, um die Leute wachzurütteln. Das ganze Internet ist ein reinstes schwarzes Loch. Eine Sternenkarte mit Abermilliarden Einträgen. Entweder man liest ein paar, oder man liest sie nicht. So hat das Internet immer schon, vor der Blogära ebenfalls, funktioniert. Drum kann ich beim besten Willen noch keine Möglichkeit entdecken, um damit massentauglich zu werden. Letzteres muss aber ja nicht zwingend geschehen, um gehört zu werden. Es würde reichen, wenn in der Blogosphäre mehr Aktive als Passive den Weg ins Geschäft finden würden. Viel zu viel wird gelesen, aber viel zu wenig wird reflektiert. Wenn man Informationen eins zu eins durchschleust, wird man zwar zu ihrer Verbreitung beitragen, aber man betreibt keinen Diskurs.

Drum finde ich es gut, dass du meinen Artikel als Anstoß genommen hast, dich daran zu reiben. Es ist schön, zu sehen, wenn die eigene Meinung aufgenommen wird, und vielleicht irgendwo auf der Welt, ein Gegenentwurf dazu entsteht. Ich muss nicht „Recht“ behalten, viel eher möchte ich anregen, sich auseinanderzusetzen, um eben Dinge zu bewegen. Viele Debatten, vor allem auch solche, die dann Aufmerksamkeit bekommen, sie betreffen Dinge, die für mich weniger Relevanz haben. Die Blogosphäre ist für mich beinahe so etwas wie ein Elfenbeinturm. Gesellschaftliche Schieflagen werden zumeist gar nicht erkannt oder interpretiert, weil die Klientel eine ist, der es (relativ) „gut“ geht. Ich könnte noch weiter schreiben, möchte aber erst Mal einhalten.

>Gesellschaftliche Schieflagen werden zumeist gar nicht erkannt oder interpretiert, weil die Klientel eine ist, der es (relativ) “gut” geht.

Ich könnte anhand vieler einzelner Beispiele, und die Leute wären mir da bestimmt keineswegs dankbar, das Gegenteil belegen. Die Nutzung eines Blogs, des Internets muß nicht durch Luxus oder irgendeine Art von hineininterpretiertem relativen Wohlstands geprägt sein, sie kann auch massiv durch Verzicht geprägt sein. Der relative Wohlstand äußert sich wohl eher darin, indem man den eigenen Kontext auf vielleicht 500.000 Blogs abwälzt oder gar mehr. Vielleicht kann man sich als Augenöffner betätigen, indem man auch mal die Augen öffnet und den eigenen Kontext hinter sich läßt, selbst nur einfach mal die Vermutung in Betracht zieht hey es könnte auch anders sein. Viele Leute äußern sich auch nicht über ihre Schicksale, bloggen aber um eben Abwechslung zu erlangen.

Aufmerksamkeit erreichen, um jeden Preis? Nun BILD vermag das ebenso und genauso ordne ich auch einige thematisch engstirnige Blogs ein. Sie ermüden, nicht der relative Wohlstand, aka die von oben vermittelte Propaganda, ist Ursache für das Desinteresse, sondern die mediale Übersättigung. Als ich 89 in einer Jungpartei politisch aktiv wurde, waren die Medien nicht übersättigt und das Internet nicht vorhanden in der Form, die Welt war nicht besser, jedoch im Verhältis „durchschaubarer“.

Die Aufmerksamkeit, eng begrenzte Weblogs erreichen null und nichts, vielleicht Voyeure ob des Kampfgeschreis, aber tatsächliche Aufmerksamkeit? Ein massiver Trugschluß, diese Herangehensweise. Darüber hinaus ist es eine Gratwanderung, die aus der Ermüdung der Leser folgt: entweder meckernder Marktschreier oder Weichei das sich nicht traut Farbe zu bekennen. Blogs bilden sich eine Relevanz ein, die per se nicht vorhanden ist. Kommt man irgendwann einmal von diesem hohen Roß herunter, bewegt sich auch vielleich etwas. Wichtig ist, das dieses Internet die Relevanz als _Wissensnetz_ erhält, die ihm ursprünglich mal zugedacht war – wobei Spaß da auch eine Facette darstellt, jedoch nicht die Ausschließliche.

[…] Blogs auf den Grund bzw. versucht die fehlende Aufmerksamkeit bzw. Wirksamkeit zu ergründen. Der Einfluss politischer Blogs…, der Trugschluß, meiner Meinung nach, liegt darin Blogs überhaupt per se eine Relevanz […]

Die Musikgeschichte zeigt: Immer wenn eine Bewegung groß raus kam war sie nach nicht all zu langer Zeit klinisch tot oder hatte wenigstens ihr Gesicht verloren.
Die Diskussion zieht gerade wieder durch die Sphäre und ich frage mich: Was soll das Geblubber? Ich schreibe, und ich freue mich wenn’s jmd liest. Wie könnte ich glauben, das sei irgendwie wichtig? Oft fällt das Stichwort „Relevanz“. Das steht dann immer so alleine da und friert vor sich hin, und ich frage: Relevant für wen oder was? Wenn ich sage „das ist nicht relevant“, dann beziehe ich das immer auf einen Kontext. Blogs: Solange es jemand schreibt ist es relevant, mindestens genau für eine Person. Hier lese ich vom Einfluss politischer Blogs, das ist glücklicherweise schon eine Einschränkung der ewigen „Relevanz“. Ich glaube nicht, daß es an qualitativ ausreichenden politischen Blogs mangelt. Ich glaube eher, daß Kommentare zur Politik in den Holzmedien (schönes Wort) oft nur als Beiwerk empfunden werden. Sie sind nicht die Hauptmotivation, um sich den toten Baum zu abonnieren. Schlimmer finde ich übrigens das Heiligen der sog. Popkultur in Blogs….
…. aber wer dauernd nach Relevanz, Einfluss und Macht geifert, der sollte liebe Diktator werden anstatt blogger. Der Castro ist auch nimmer so fit, da wird bald ein Posten frei. 😎

Gerade politische Blogs eignen sich wohl sehr zu einer Diskussion über Blogs. Weil in ihnen die Hoffnung der „wahren“ Demokratie keimt. Endlich kann (fast) jeder seine Meinung kundtun ob als Verfasser eines Textes oder eben als Kommentator eines solchen. Ich vermute, dass Du deshalb so oft auf diese Art von Blogs zu sprechen kommst. Und halte dies auch für sehr wichtig da ich denke, dass aus diesem Medium Blog was da gegeben ist, etwas Großes wachsen wird.
Nur wird dies eine Zeit brauchen, da die Menschen erstmal lernen müßen mit dieser neuen Form der Kommunikation umzugehen und auch sie zu verbessern.
Auch werden viele, wie vorher auch schon gesagt, das bloggen immer als ihr privates Vergnügen sehen, ohne Motivation etwas zu bewegen.
Blogs werden, wenn sie denn eine Relevanz wie die klassischen Medien erreicht haben ein Querschnitt der Gesellschaft sein und sich auch so verhalten.
Der Hr. Mayer der erzählt wie sein Hund auf die Straße gekackt hat. Und die Fr. Müller die zum spenden für Kriegsopfer aufruft.
Die Interaktion allerdings die daraus entsteht bzw. die Menschen die zueinander finden, dort wird die Dynamik und damit die Bewegung sein.
Wie wäre es eigentlich mit einem Blog-Karneval unter dem Motto „Wo stehen politische Blogs im Jahr 2020?“,

DrNi du sprichst einen wichtigenPunkt an. Den Begriff Relevanz zu benutzen ist eigentlich eine sprachliche Ungenauigkeit. Relavanz als Substantiv scheint ein eistelliges Wort zu sein, muss aber eigentlich dreistellig benutzt werden. Korreckt würde es lauten: Etwas ist relevanter als etwas anderes im Bezug auf etwas. Dreistellen, die genau zu definieren wären. Aber wer will das vornehmen?

Und Bernhard, so hoffnungsfroh dein glauben auch erscheinen mag, mir wäre es eigentlich lieber, wenn die Leute das im Leben so handhaben würden, anstatt Demokratie aufs Internet zu verlegen. Aber ich hab gut reden, als Onlineredenschwinger;)

Ich sehe das etwas anders.
Zum einen haben wir in Deutschland bei weitem nicht die interessierte Leserschaft unter den Internetusern, die in den USA zu finden ist. Das liegt zum einen daran, dass wir in Sachen Internetentwicklung einfach weit hinter den USA zurückliegen. Ich erinnere mich an Zeiten, da waren Breitbandverbindungen und Flatrates in den USA schon Gang und Gebe, als bei uns mal gerade darüber nachgedacht wurde, den Minutenpreis unter 10 Pfennig zu senken. An Flatrates war damals noch gar nicht zu denken. Ähnlich verhält es sich mit den Webauftritten, die sich in den Staaten schon jeder leisten konnte, als wir hier alleine für einen Domainnamen noch weit über 100,-DM im Jahr zahlen mussten, ohne überhaupt schon Webspace und Traffic dabei zu haben. Bei uns werden die Leute gerade erst wach, was das Internet angeht. Die meisten User sind sich der Tatsache noch gar nicht bewusst, dass das Netz zu mehr gut ist, als zum Chatten, für ebay und Multimedia. Den deutschen Internetuser an die Informationsmöglichkeiten heranzuführen ist allerdings schwer, denn ich persönlich habe das Gefühl, dass der durchschnittliche Deutsche sich erst für ein Thema interessiert, wenn er direkt selbst betroffen ist.

Das zweite Problem ist ein fehlender Durchbruch für ein politisches Blog. In den Staaten kommt es öfter mal vor, dass ein Skandal von einem Blog aufgedeckt wird, statt von den traditionellen Medien. Das hat aber auch Gründe, die in Deutschland einfach noch nicht machbar sind. Es gibt politische Blogger in den Staaten, die finanziell unabhängig sind und sich ganz ihren Recherchen widmen können. Dabei rede ich von handfesten eigenen Recherchen, nicht von Medien- und Netzrecherchen, wie wir sie betreiben. Das wiederum eröffnet ganz andere Möglichkeiten.
Was die politischen Blogger brauchen, sind ein paar handfeste Skandale, die von Bloggern aufgedeckt wurden. Dabei müssen die noch nichtmal auf Bundesebene stattfinden. Selbst Skandale auf kommunaler Ebene, die sich durch die Blogs verbreiten würden wären da schon ein Anfang.
Bei uns sind politische Blogs aber nur Diskussionsplattformen und erreichen damit nicht den Bekanntheitsgrad, den sie teilweise verdienen würden. Aber machen wir uns nichts vor: Wir politische Blogger halten aber wenigstens nicht die Klappe und trotten nicht unterwürfig oder meinungslos hinter den Politikern her. Und das ist in meinen Augen auch etwas Wert, denn wir brauchen uns später nicht irgendwelche Vorwürfe machen lassen, weil wir ja geschwiegen hätten. Das ist auch einer der Hauptgründe, warum ich nicht mit dem Bloggen aufhöre.

Der dritte Grund für die mangelnde Aufmerksamkeit sind die traditionellen Medien. In den Staaten ist es tagtäglich normal, dass irgendwelche Blogger von den Medien zitiert werden. In Deutschland herrscht jedoch zum großen Teil eine Arroganz unter den traditionellen Journalisten vor, die mich teilweise schon an angstbeißende Hunde erinnert. Dabei haben diese Journalisten doch heute sowieso schon nichts mehr, auf das sie stolz sein könnten. Wenn ich die täglichen Feeds der diversen Medienhäuser vergleiche fällt mir auf, dass 90% der Meldungen fast wörtlich von Agenturen übernommen werden. Was das „politische Gewissen“ angeht, laufen wir politischen Blogger den Journalisten schon lange den Rang ab, wenn auch nur qualitativ und nicht quantitativ.
Ich persönlich bin stolz drauf, mich „politischen Blogger“ und nicht „Journalist“ nennen zu dürfen, denn letztere Bezeichnung wäre für mich schon fast eine Beleidigung, weil es eigentlich nichts anderes bedeutet, als recherchefauler, unkritischer Abschreiber.

Just my 2 Cent…

@Soeren

Das eine muß, dass andere ja nicht ausschließen. Und natürlich ist es immer noch die „reale“ Welt auf die es ankommt. Allerdings kann das Internet im allgemeinen und die Blogs im besonderen, auch da „draußen“ einiges bewegen.

@Farlion

Das ist sehr interessant was Du über die USA schreibst. Gerade für mich da ich mich mit den dortigen Blogs noch überhaupt nicht beschäftigt habe. (Shame on me)
Aber auch ohne Blick übern Teich war mir klar, dass uns die USA in diesem Bereich vorraus sind. Nur, dass uns die Staaten vorraus sind möchte ich noch lange nicht so deuten, dass wir hier keine Chance mehr haben politische Blogs zu etablieren und zu etwas bemerkenswerten zu machen.

@Bernhard
Ich behaupte auch nicht, dass wir keine Chance haben, politische Blogs zu etablieren. Aber ich bin der Meinung, dass wir hier keine „Hau-Ruck-Etablierung“ erwarten können. Auch in den USA mussten die politischen Blogger anfangs eine lange Durststrecke überwinden, bevor sie wahrgenommen wurden. Ähnlich geht es uns zur Zeit. Die politischen Blogs sind da, teilweise auch massentauglich. Was uns fehlt ist nur ein einziger spektakulärer Durchbruch eines politischen Blogs. Die anderen politischen Blogs würden dann automatisch mehr Beachtung finden. Nur diesen Durchbruch zu schaffen, das ist schwer.

@soeren: „X ist relevant für Y“ würde mir schon genügen. Ob man nun allerdings irgendwelche Valenzrahmen für prädikative Adjektive bzw. prädikative Äußerungen als existent betrachten mag hängt von der Theorie des geringsten Mißtrauens ab. Man kann schon auch sagen: „X ist relevant“, aber nur wenn Y schon durch den vorangegangenen Kontext definiert worden ist. (Hm, überlassen wir es der Pragmatik, dem Mülleimer von Syntax und Semantik). Vielleicht implizieren die „Relevanz-Blogger“ ja Y=“die Gesellschaft“ oder Y=“das Universum“ oder whatsoever.
„Die Gesellschaft“ schert sich so lange einen Dreck um all das, kippt sich das Bier am Stammtisch in die Birne und schaut sich jeden morgen Monstermöpsemausi in der Vierbuchstabenzeitung an, doch das Lesen der Bildunterschrift ist schon zu anstrengend.
Der Blick auf die Welt ist eben stark geprägt von dem was man weiß und wie man selbst ist. Wenn man glauben mag, daß sich die Massenmedien an der Masse orientieren und damit die Privatsender und die auflagenstärkste „Zeitung“ Deutschlands zu Recht tun was sie tun, dann will man vielleicht gar nicht mehr relevant sein für die Gesellschaft.

@Dr Ni: Relevanz ist für mich persönlich nicht abhängig von dem „Geblubber“. Vielmehr würde ich mich freuen, wenn die Blogosphäre ein öffentlicher Schauplatz würde, ein Markt, auf dem disktutiert wird, zwischen Laien und Fachleuten. Es gibt zu wenige, die ihre Expertise veräußern und andere integrieren wollen. Jeder möchte gerne alleine arbeiten. Projekte, die von Zusammenarbeit zeugen, sind rar. Wenn über Medien, über Gesellschaft, über Bildung, über Themen disktuiert würde, die man durch den Diskurs beeinflussen kann – es gibt durchaus Leute, die haben tolle Einfälle und sie würden Leuten die Augen öffnen. Aber das weitaus meiste in der Blogosphäre ist subjektiv. Es hat oft nur einen Bezug auf sich selbst, und eben dann noch auf die Blogosphäre. Mich würde es freuen, wenn das Internet einen diskursiven Flächenbrand bekäme. Wenn auf ein Mal diejenigen, die sich im Kreis drehen, begännen, mit anderen zusammen Verbesserungsvorschläge und nicht unwichtige Meinungen zu äußern. Leute gehen ins Kino, gucken einen Film, und berichten, wie er ihnen gefallen hat. Leute gehen in die Schule – erleben das Bildungssystem – und könnten täglich beschreiben, wie sie es erleben. Und jeden Tag hätten wir aufs Neue die Möglichkeit, nach Lösungen zu suchen. Das Internet ist ein breites Forum, doch hier verpufft vieles. Weil viele eben wirklich, wie Oliver es anmerkt, Spaß als einzige Motivation erkennen. Ich zitiere Bernhard, einen Kommentar unter dir: „Auch werden viele, wie vorher auch schon gesagt, das bloggen immer als ihr privates Vergnügen sehen, ohne Motivation etwas zu bewegen.“ – So erlebe ich es häufig auch. Gibt es denn keine aktive Intelligentsia in der Blogosphäre, die sich einmischen möchte? Wir können doch über das Medium unheimlich viele Leser erreichen, wenn wir es nur sinnvoll anstellten. Aber den Charakter, den Blogs angenommen haben und nach außen vermitteln, er wird sich kaum noch abstreifen lassen.

[…] poppt eins meiner Lieblingsthemen der Blogosphäre wieder auf: Das Onezblog geht der Frage nach, wie der Einfluss politischer Blogs in Deutschland ist. Einige Zitate aus dem […]

@Farlion

Ich habe bestimmt deinen etwas traurigen Unterton ob der „relativen“ Bedeutungslosigkeit hiesiger Polit-Blogs überinterpretiert. Weil ich sehe die Entwicklung in der Zukunft auch von Durststrecke bis Durchbruch.

@Soeren: Könntest du mal schauen, hab heute Früh was kommentiert. Das muss im Spamfilter gelandet sein. Als ich es noch Mal probierte, bekam ich ne Rückmeldung, der Eintrag wäre doppelt. Ich seh aber nicht mal einen. 😉

Admin: Dummer weise ist auch dieser Eintrag in den Spamfilter geraten, sorry, so habe ich keinen der beiden bemerkt. Jetzt sind beide aber wieder da.

[…] Es ist schon erstaunlich: Während die deutsche Elite geradezu verzweifelt versuchen, die Kontrolle über den Informationsfluss zu behalten, in dem sie wie der Medienmogul Christian DuMont Schütte die Reste aus dem Zeitalter der zentral gelenkten Informationssteuerung konsolidieren oder wie Wolfgang Schäuble Totalüberwachung im Internet einführen wollen, diskutiert eine Reihe von Bloggern und bloggenden Journalisten ernsthaft darüber, ob politische Blogs in Deutschland politischen Einfluss haben. […]

[…] übliche persönliche Hickhack geführt wird. Don Alphonso inspirierte Sajonara auf den dann der onezblog reagierte, der seinerseits von Florian Treiß, Mein Parteibuch und F!XMBR aufgegriffen wurde. Das […]

[…] dem ursprünglichen Text um Meinung zu Politik und Blogs ohne jegliche personelle Debatte, als Ergänzung zu der Thematik auf onezblog. Da Vernunft nicht fruchtete blieb mir nichts anderes üblich als mich selbst zu zensieren, […]

Einfluss und Relevanz von Blogs…

Alexander Trust auf Sajonara.de hat sie angestoßen und Raphael Raue vom Onezblog hat sie fortgeführt: eine weitere kleine Diskussion (unbedingt auch die Kommentare darunter lesen) über den Einfluss politischer Blogs auf den öffentl…

[…] Treiß und Rafael Raue haben Ende August hier und hier über die Relevanz von Blogs im Politischen oder für die Politik allgemein geschrieben, dort haben […]

[…] Treiß und Raphael Raue haben Ende August hier und hier über die Relevanz von Blogs im Politischen oder für die Politik allgemein geschrieben, dort haben […]

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