Abmahnungen haben zwei Komponenten, eine juristische und eine moralische. Ich will mich in diesem Artikel auf letztere konzentrieren ohne dabei nur speziell von Abmahnungen zu schreiben. Ich möchte vielmehr der allgemeinen Frage nachgehen, ob wir eine neue Blog-Ethik brauchen.

Denn eine Handlung ist eine Handlung, egal ob ich sie online vollziehe oder nicht. Handlungen verlangen eine Bewertung. So lautet mein Grundsatz und ich möchte im Folgenden darlegen, warum ich das so sehe.

„Ethik ist die ,praktische‘ Philosophie, denn sie sucht nach einer Antwort auf die Frage: was sollen wir tun? […] Die Ethik untersucht, was im Leben und in der Welt wertvoll ist, denn das ethische Verhalten besteht in der Verwirklichung ethischer Werte. Diese Werte sind sowohl in der jeweiligen Situation als auch in der Person zu finden.“ (Schischkoff, Georgi(Hrsg.). Philosophisches Wörterbuch: Stuttgart. 1974. S. 161f.)

Die philosophische Disziplin Ethik ist unterteilt in verschiedene Teilbereiche, der hier wichtige ist die Bereichsethik unter die z.B. Medizinethik oder Presseethik fällt. Hier genau ist die Frage verortet, ob es einer eigener Blogethik bedarf. Sind Blogs in keine der Bereiche einzuordnen, dann verlangt es nach einer eigenen Begutachtung.

Blogs sind einzigartig und neu in ihren technischen Möglichkeiten. Sie bauen Kommunikation auf, wo es vorher sehr schwierig war sich auszutauschen. Sie bieten Möglichkeiten für jedermann seine Meinung zu äußern und tragen so zum politischen und sozialen Diskurs bei. Blogs sind eine ungemeine Weiterentwicklung des Internets, auch wenn die technische Komponente sich so sehr nicht geändert hat.

Diese Neuartigkeit soll aber dennoch nicht davon ablenken, dass es Bereiche gibt, in denen Blogs überhaupt nicht neu sind. Die Ethik ist ein solcher Bereich. Ich kann nichts Neues an einem Blog entdecken, keine Handlung, die nicht mit bestehenden Ethikvorstellungen bewertbar wäre oder sogar nur mit kurzem Nachdenken.

Den einzigen Unterschied sehe ich in der Anonymität, die im Internet viel eher gegeben sein kann als wenn ich jemanden einen „Kommentar“ ins Gesicht sage. Dass sich dadurch einige Mitmenschen hingerissen fühlen, Kommentare in Blogs zu schreiben, die selbst jede Kloschmiererei als intellektuellen Höhepunkt dastehen lässt, ändert aber nichts an der ethischen Frage. Ethik bewertet nicht die Form, sondern das Innerliche.

Zwei ethische Unterscheidungen sind dennoch zu treffen: Will jemand publizieren oder schreibt er nur aus Spaß ins Internet? Man kann auch beides machen, aber der höhere Aspekt entscheidet, ob man sich im Bereich der Individualethik oder in dem der Presseethik umschauen sollte. Für beides gibt es ausreichend Theorien und Erkenntnisse, die von Bloggern genutzt werden könnten, sollten sie die Frage nach einem Kodex beantworten oder sich sonst informieren wollen.

„Ich kann hier auf meinem Blog machen was ich will“, ist eine oft gelesene Aussage. Richtig, teilweise zumindest. Denn erstens gibt es das Recht, dem sich ein jeder unterstellen muss und zweitens gibt es die Ethik, auch wenn diese über keine Handschellen, Abmahnungen und Gerichtsgebäude verfügt.

Menschen in Gemeinschaften bilden Regeln. Ethik versucht auf einer Metaebene diese zu bewerten. Aber die Regeln des Lebens halte ich für ausreichend um im Internet zu agieren. Höflichkeit, Manieren und ethische Grundbildung, die wir alle mehr oder weniger genossen haben, sind ohne weiteres auf Blogs zu übertragen. Lasst uns keinen Blogkodex verfassen weil wir bloggen wollen und nicht einem goldenen Kalb hinterher jagen, nur um uns besonders zu fühlen. Lasst und bloggen wie Menschen, die darüber nachdenken, was sie tun. Wir sind mündig genug, um auf die Bürokratie unseres Heimatlandes in der virtuellen Welt nicht angewiesen zu sein.

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24. September 2007

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