Der Philosoph John Rawls hat ein Buch über diese Frage geschrieben und ich möchte euch kurz die These schildern. Das mache ich so kurz und selbsterklärend, wie möglich, denn ich denke diese Gedanken sind es wert von jedem Menschen mal gehört zu werden. Auch den, die sonst meine philosophischen Beiträge überspringen, weil sie einfach zu lang sind. Also höchstens eine Seite. Versprochen.

John Rawls sucht in seinem Werk „Die Theorie der Gerechtigkeit“ nach den Bedingungen von Gerechtigkeit. Er geht also nicht von dem aus, was wir wahrnehmen, konkreten Handlungen oder konkreter Politik. Das ist deshalb wichtig, weil sich sein Gerechtigkeitsbegriff von dem normalen Begriff unterscheidet. Rawls denkt nicht, das Gerechtigkeit hier in der Welt zu realisieren ist. Es brauche Ungleichheit in Eigentum und Rechten um den Fortschritt zu garantieren.

Das hört sich im ersten Moment ziemlich Ungerecht an, für unsere aufgeklärten Ohren. Die Stärkeren sollen mehr Rechte und Güter haben? Das soll gerecht sein? Ist nicht Gerechtigkeit, was dem gerade entgegen läuft und, ja, Gerechtigkeit auch für die Schwachen bringen soll?

Rawls ist nicht Nietzsche und er will sicherlich keine Moral des Stärksten oder ähnliches, denn die Zeilen oben erinnern daran. Rawls geht nur davon aus, dass Unterschiede denn Menschen, die besser dabei weggekommen sind, nicht angelastet werden können, denn auch das wäre Ungerecht.

Rawls geht vielmehr in eine Metaebene um zu klären was Gerecht ist. Er stellt ein Gedankenexperiment an:

Um zu klären was Gerechtigkeit ist, müssten wir uns in einen Zustand hineindenken, der vorjeden Statt und vor jedem Menschen auf Erden zu setzen ist. Zudem müssen wir uns denken, dass wir nicht wissen werden, wie und wohin wir auf die Welt kommen werden. Wir sollen also nicht wissen, ob wir Stark oder Schwach, in Afrika oder in Sibirien geboren werde, arm oder reich.


Denn erst dann könne man über Gerechtigkeit sprechen, wenn man nicht weiß in welcher Position man steht, bzw. stehen wird. Aus diesem „Schleier des Nichtwissens“ heraus werden die Grundlagen für ein gerechtes System erdacht, weil niemand zu sehr benachteiligt werden will, sollte er benachteiligt auf die Welt kommen. Jeder wird versuchen, Rechte und Güter nach Kriterien zu verteilen, die er wirklich für gerecht.

Es geht also nicht darum, ob dieses System dann wirklich von den Menschen als Gerecht empfunden wird, von diesen, die in ihm Leben, denn sie sind befangen. Es geht vielmehr um einen freien Begriff von Gerechtigkeit, der nicht durch persönliche Interessen betrübt wird.

Ich halte mir dieses Gedankenexperiment immer vor Augen, wenn ich über die Ungerechtigkeit losmotzen will, über die Politik schimpfe. Das macht die Geschehnisse dieser Welt nicht besser, aber es hält mich ab, unqualifizierte Äußerungen, die genauso persönlich befangen sind, wie die Entscheidungen der Politiker, von mir zu geben und auch noch zu glauben, ich hätte ja Recht. Das heißt aber nicht, es gebe nichts zu kritisieren, es verschiebt nur ein wenig den Horizont.

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19. Februar 2007

Kommentare

ich finde diese zusammenfassung von ihnen sehr gut.
ich biin durch zufall auf diese seite gekommen weil ich etwas über platon schreiben musste für emien philosophie hasuafgaben.

danke, ihr text hat mich weiter gebracht!!

liebe grüße merve

Fret mich, dass du was mitnehmen konntest. Was genau musstest du denn über Platon recherchieren? Villeicht kann ich ja auch damit ein wenig weiter helfen?

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