Ich möchte in diesem Text über ein diese Frage reflexieren, da sie sich mir in der letzten Zeit öfter aufgedrängt hat. Erstmals stellte ich mir ernsthaft diese Frage in Budapest, ich war überwältigt von den Lebensverhältnissen dort, zum einen. Zum anderen, der Verhältnisse, gesehen in einem Film über das Leben einer Romafamilie in Rumänien.

Kann man Armut messen, wer ist wirklich arm, wer vielleicht nur arm dran, ist jeder selbst Schuld an seiner Armut, ist nur das System schuld?
Es drängen sich mir so viele Fragen auf bei diesem Thema, auf die ich im ersten Moment gar keine Antwort finde.
Was also ist Armut? Ist es das fehlen von Dingen, tägliches Brot, Wasser, Kleidung, schulische Ausbildung? Oder ist es die geistige Armut, keine Perspektive für die Zukunft zu haben, nicht mal die Sterne können noch dazu anregen in die Ferne zu schauen?
Armut kann so vieles sein, das man meinen könnte in jedem von uns steckt ein großer teil Armut. Aber dennoch geht es manchen besser als anderen.

Aber es gibt ja zum Glück die Armutsgrenze, ich glaube berechnet am Bruttosozialprodukt eines Staates, wer in einem gewissen Prozentsatz darunter liegt, ist Arm. Aber gibt es eine Messung von Armut. Die Frage die dieses Problem erst aufgeworfen hat, in mir, war, sind die Romakinder, mit denen ich arbeite, nicht viel reicher als die in Budapest gesehenen Menschen. Dennoch sind sie arm, materiell und vor allem geistig, keine Zukunft zu sehen macht arm bevor man es überhaupt ist.
Geht es nicht jedem so, das ihm etwas fehlt, was er nicht hat, Liebe, Freundschaft, Essen, trinken. Macht es einen unterschied, warum jemand unglücklich ist?
Ich denke Armut ist in uns allen, doch ist es bei den meisten, oder ich denke allen, die diesen Text lesen, keine wirklich existenzielle Frage, obwohl wir doch auch manchmal die Frage nach Liebe mit der Frage nach Existenz verbinden, es doch dann meistens nicht sie meinen, denn alle hängen unbewusst doch an dem Leben.
Aber wie ist es denn mit diesen Menschen die als gemessen Arm gelten, ist dort die geistige oder die materielle Armut schlimmer?
Ich kann diese Frage nicht beantworten, denn ich ich denke nicht, dass sie selbst es wissen, kein Essen, kein Geld, daraus muss doch geistige Armut entstehen wenn man nichts anderes kennt um sich herum, Hoffnung schwindet nun mal, sie stirbt eben doch nicht zuletzt.
Ich möchte nicht für die Armen dieser Welt sprechen, welches Recht hätte ich denn dazu als „Reicher“ dieser Erde.

Aber, das Problem dieser Erde heißt nicht Armut, sie ist bloß die Auswirkung des eigentlichen Problems; die Chancenlosigkeit der Armen. Niemand kann etwas dafür wo und wann er geboren wird, ob er nun Deutscher, Tscheche, Nigerianer oder Inder ist, er hat es sich nicht ausgesucht. Ob er arm oder reich auf die Welt kommt, wer sucht sich das schon aus, es wäre keine Wahl.
Somit sollte es nicht unser Hauptanliegen sein die Armut dieser Welt zu bekämpfen, ein hübscher Slogan, der in Politik und Gesellschaft oft gebraucht wird, sondern es muss die Pflicht eines Jeden Menschen sein für die Chancengleichheit auf dieser Welt zu kämpfen.
Die einen vielleicht, damit sie mit ruhigerem Gewissen schlafen können, die anderen, damit sie wenn sie schon nichts zu essen haben, wenigstens die Hoffnung, ihre Kinder können in Zukunft zur Schule gehen. Der Grund ist egal, denn wir alle kommen irgendwo her, gehen irgendwo hin, aber den Anfang haben wir uns nicht ausgesucht, aber für das Ende können wir gestalten. Das am Ende alles gut wird, doch einer Utopie muss man nachhängen um denen Hoffnung zu geben, die sie seit Jahren verloren haben, ich bin Realist, Armut wird es immer geben, aber ich bin auch ein Träumer und ich träume von einer Welt, in der sich nur mehr der Liebende arm fühlt ob seiner Geliebten, von der er getrennt ist.
Armut ist nicht messbar, nicht zu bekämpfen, aber sie ist zu ändern, wenn man nur die Chancen für jedermann auf diesem Planeten, ich will nicht sagen gleich machen, denn das wäre nicht fair, sondern jedermann eine Chance gibt, auch wenn die einiger anderer ein bisschen höher ist, es ist wichtig für die Armen dieser Welt, die gar keine Chance mehr sehen, ihnen eine zu geben, wie klein sie dann auch sein mag.

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9. November 2005

Kommentare

Und doch denke ich, man kann dieses Utopia verwirklichen, es ist ja nicht so als hätte die Welt nicht genug Resourcen für die Menschheit bereit. Die verteilung ist nur so absurd, aber das kann man ändern, wie ist nur die Frage. Und nein, leider habe ich auch keine antwort parat, dennoch bin ich fest überzeugt, dass es zu bewerkstelligen ist.

Ja, aber genau da braucht man dann die Hoffnung, dass die Theorie irgendwann der Praxis zumindest sehr nahe kommt. Und damit sind wir in der diskussion auf deinem Blog angekommen, genau ab dann braucht man die Menschen, die gutes tun wollen.
Aber ersmal eine wirklich gute Theorie finden, damit wäre schon viel getan.

Armut ist relational zum bestehenden System und Selbstempfinden. Direktes leid, wie Hunger, Durst, Krankheiten oder kein Dach über dem Kopf zu haben sind hier sicherlich die untersten und wichtigsten Punkte.
Bildungsarmut, ein ganz anderes Thema und doch eng mit dem vorangegangenen verschwistert. Gleiche Chance für alle (jeder Pädagoge, der ein wenig Boudieu etc. gelesen hat wird hier traurig und hoffnungslos nicken) etwas zu essen und Raum für Selbstentfaltung für alle, das wäre ein schönes Utopia.

Armut wird es immer geben ein schöner Spruch!
Viele Menschen in Europa haben die Freiheit in Europa mit der Armut eingetauscht!
Sprich man hätte jetzt die Freiheit zu reisen usw. kann sich aber zumeist gerade mal das Existenzminimum leisten! Das heisst Lebensmittel und wohnen auf niedrigsten Niveau!
Europa und Amerika sind zu einer Armutsmaschine geworden – d.h. die Firmen wandern den Billiglöhnen nach in den ehemaligen Industriestaaten wird immer mehr im Dienstleistungssektor gearbeitet Banken und Co.
Viele Güter bekommen hier in Deutschland nur noch das Schild Made in Germany!
Der Rest z.B. Porsche geht auf Pokertour nach dem Motto was kostet die Welt! Da man Milliardenverlust gemacht hat merken es nun die Städte schmerzhaft an den Steuereinnahmen!
Der absolute Reichtum von Manchen würde es ohne die absolute Armut auch in Europa nicht geben!
So werden die Juden nach dem Krieg von Deutschland / USA udgl.fast vergöttert! Sinti und Roma die im Krieg ebenso verfolgt worden sind, geht es heute nicht viel besser!
Sie werden immer noch verfolgt! Aber unsere Politik ist schon seltsam so sind die Menschen in Osttimor Freiheitskämpfer gewesen – die Basken im Baskenland die nichts anderes machen aber Terroristen!

Armut ist für mich etwas sehr schlimmes. Ich persönlich bin zum Glück nicht davon betroffen. Aber ich finde man sollte diesen Armen Menschen die das jeden Tag erleben müssen helfen.
Ich persönlich mache das auch. Ich habe ein Patenkind von Ghana. Es ist ein Mädchen. Ich bin sehr glücklich zu sehen wie es sich über die kleinen Dinge die es im Leben gibt freut. Für mich ist das etwas sehr schönes.
Ich hoffe dass ihr alle hier auch ein Patenkind nehmt. Denn ihr könnt diesen Menschen wirklich helfen.
Und ihr macht ihnen das Leben einfacher, obwohl es schwer ist. Aber wisst ihr, es ist leicht zu sagen die tun mir Leid. Aber viel schwierger ist es einfach wegzuschauen und nichts zu tun. So nach dem Motto. Leben und Leben lassen. Sowas finde ich schade. Man sollte auch den Armen Menschen helfen die unsere Hilfe wirklich benötigen.

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