Viele bunte Nazis

In Anlehnung an die schon in die Jahre gekommene Smarties-Werbung rollen eine gefühlt unbegrenzte Anzahl bunter Nazis durch dieses Land. Genauer gesagt, rollen ungemein viele Nazivergleiche durch dieses Land und dieser inflationäre Gebrauch stört mich. Bunt sind diese Nazis, weil Menschen jedweder Couleur sich mittlerweile immer öfter neben den Gröfaz (Größter Faschist aller Zeiten) gestellt sehen. Durch die Einführung des Wortes „Linksfaschist“ von Habermas in den normalen Sprachgebrauch, sind die Tore der Vergleichbarkeit weit geöffnet worden und sie werden rege genutzt.

Da werden Kommunisten zu Linksnazis, Klimaschützer zu Umweltnazis, Liberale zu Wirtschaftsnazis, Politiker zu Demagogennazis, Sportler zu Dopingnazis und was weiß ich, welche absurden Neologismen sonst noch so an den Haaren herbeigezogen werden.

Nazis sind mittlerweile alle, die es ein wenig/ etwas mehr/ sehr übertreiben mit dem eigentlich gesellschaftlich akzeptierten Brüchen. Wer Gemeinplätze radikalisiert ist ein Nazi. Wer etwas zu laut irgendwas fordert, was einem anderen in seiner wie auch immer gearteten Würde beeinträchtigen könnte, ist ein Nazi, wer das Wort Sicherheit auch nur nicht genug abschätzig in den Mund nimmt, ist ein Nazi…

Nazis sind scheinbar überall.

Das Problem ist nur, wenn auf einmal selbst der nette Mann von Nebenan ein Nazi ist, weil er mal gesagt hat, dass die Außenpolitik Israels durchaus zu kritisieren sei, weiß ich ganz ganz persönlich nicht mehr wie ich den braunen Mist nennen soll, den ich eigentlich mal Nazi genannt habe. Aber Nazinazi klingt kindisch, Faschistennazi ist doppeltgemoppelt und Realnazi hört sich verblendend nett an.

Wie wäre es, wenn wir der Naziinflation auf Sprachebene mal ein wenig Ruhe gönnen und stattdessen Demagogen als Demagogen bezeichnen, ohne ihnen gleich den Führerfreund Goebbels zum Vorbild mitzugeben, Sicherheitsfanatiker ob ihrer schlechten Argumente und gefakten Statistiken entlarven, mit radikalen Umweltaktivisten über das richtige Gleichgewicht diskutieren und dem Israelkritiker in seine Schranken weisen und danach auch dieses wichtige außenpolitische Thema ganz demokratisch diskutieren. Wie wäre es, wenn wir den Nazicharakter aus unserer politischen Diskussion verbannen und somit das Nazisprachspiel für die Nazis schonen. Denn den politischen Gegner zu denunzieren, anstatt sich mit ihm auseinander zu setzen, haben zwar auch die Nazis getan, aber es spricht für sich, dies nicht zu tun, dafür braucht man keine Nazis.

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Man braucht keine Nazis, außer um über sie zu lachen!