Über Sinn und Unsinn des Hochschulmarketings

Die Zeit schreibt in einem ungewohnt unqualifizierten und nichtssagenden Artikel über die Öffnung der Hochschulen: Elfenbeinhüfburg. Die Kernaussage steht schon in der ersten Zeile.

Gut, wenn Unis sich öffnen. Aber man kann’s auch übertreiben

So schlecht und kurz der Artikel auch ist, so lässt er mich dennoch darüber nachdenken, denn Hochschulmarketing ist ein komisches Ding. Denn irgendwie ist diese Firmenwerbementalität an den Universitäten angekommen, ohne dass irgendjemand zu wissen scheint, warum man denn jetzt überall positiv wahrgenommen werden möchte. Es werden Flyer gedruckt, Programme zur Verbesserung der Webseiten ins Leben gerufen, Plakate gedruckt und an Gott und die Welt verschickt, es werden Forschungstage initiiert und zukünftige Studierende am besten schon im Kindergarten mit lustigen Experimenten auf ihre Hochschule eingeschworen. Und ich will gar nicht sagen, dass das alles Quatsch ist, aber es fehlt ein wesentlicher Teil der Conversation, um Mal im Werbesprech zu bleiben. Es fehlt die Überlegung, was man mit all den enthusiastischen Studenten machen soll, wenn man sie denn dann erfolgreich an  die Uni geworben hat.Denn es ist wahrlich keine Seltenheit, dass Erstsemester in vielen Studiengängen schlicht keine Seminarplätze bekommen, weil Lehrende verständlicherweise nicht ein Seminar mit 150 Leuten im Hochsommer abhalten wollen in einem Raum, der Mal in früher Vorzeit für dreißig Teilnehmer angelegt war. So sieht sich mancher Fachbereich gezwungen die Teilnehmerlisten für das nächste Semester schon vor Beendigung des jetzigen Semesters auszuhängen und wer da nicht drauf steht, kommt nicht rein. Eine Ankündigung an den schwarzen Brettern fehlt ebenso wie im Web- und Studentenwerbeauftritt des Fachbereichs. Nur wer exzellente Kontakte zu Kontakten hat, erfährt überhaupt von den Listen und darf studieren.

Die Studenten klagen derweil über ein formalisierteres Studium, das ihnen zwischen Pflichtmodulen und Tests kaum noch Freiheiten lässt, der eigenen Neugier zu folgen.

Nun gut, könnte man sagen, eine schöne Schnitzeljagd, die Softskills vermittelt und die so wichtigen Kontakte gleich zu Beginn des Studiums fördert. Nur leider spielend a weder Bafög-Amt noch Stipendien mit, die mit Regelstudienzeit die Studierenden zwingen ihre Softskills und sonstigen interessegeleiteten Auswüchse bitte in die Freizeit zu verschieben. Die Hochschule wird nicht gezwungen. Und da genau stimmt es nicht.Die Realität und das Bild stimmen nicht überein. Es wirb bisweilen für Masterstudiengänge geworben, ohne das überhaupt eine auch nur dem niedrigsten Menschenverstand genügende Studienordnung existiert. Werben um des Werbens Willen ist nicht nur rausgeschmissenes Geld, was besser in mehr Lehraufträge und Mitarbeiterstellen investiert wäre, es zeigt vor allem die stumpf naive Weise, wie sich langsam das Verständnis der Universität wandelt. Hin zu einem Dienstleister, der aber in allen Qualitätsfragen so ungenügend ausgestattet ist, dass das Wort Leistung im Dienstleister sich eher wie Hohn und Spott anhört.

Wäre da nicht die Diskrepanz zwischen dem zunehmenden Eventbrimborium und dem Alltag in Forschung und Lehre. Denn während draußen die Schokokusswurfmaschinen auf Abiturienten zielen, um sie ins Disneyland der Wissenschaft zu locken, grübeln drinnen Professoren über Drittmittelanträgen und Gutachten und träumen höchstens noch im Sekundenschlaf von der fröhlichen Wissenschaft.

Ich finde es gut, wenn Lehrende in Schulen gehen und interessierten Schülern verständlich ihre Forschung und die Universität insgesamt näher bringen. Ich finde es gut, wenn sich die Universität auch für wissenschaftsfernes Publikum öffnet, ich finde es gut, wenn man auf den Internetseiten der Universitäten gut und nutzerfreundlich informiert wird. Ich halte es aber für vollständig verfehlt so zu tun, als seien alle an der Hochschule willkommen, um den dann euphorisierten Schülern und sonstigen Interessierten dann in den ersten Semestern unmissverständlich klar zu machen, dass Werbung und Wirklichkeit kontrastreicher nicht sein könnten.Die Hochschule braucht zunächst entschieden bessere Strukturen und entschieden mehr Lehr- und Verwaltungspersonal, soll sie mehr Studierenden auch die Chance zum Abschluss geben können.