„Animadvert jam ante aliquod annos quam multa, ineunte aetate, falsa pro veris admiserim &quam dubia sint quaecunque istis postea superextruxi, ac proinde funditus omnia semel in vita esse evertenda, atque a primis fundamentis denuo inchoandum, si quid aliquando firmum & mansurum cupiam in scientiis stabilire;“

„Schon vor Jahren bemerkte ich, wieviel Falsches ich von Jugend auf als wahr hingenommen habe und wie zweifelhaft alles sei, was ich später darauf gründete; darum war ich der Meinung, ich müsse einmal im Leben von Grund auf alles umstürzen und von der ersten Grundlage an ganz neu anfangen, wenn ich später einmal etwas Festes un Bleibendes in den Wissenschaften errichten wollte.“

– Descartes –

Aus Descartes: Meditationen über die Erste Philosophie, Lateinisch/Deutsch, Erste Meditation, Paragraph 1, S. 63, Reclam.
ISBN-10: 3-15-002888-4

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29. Oktober 2006

Kommentare

dieser text hat mich auch sehr inspiriert. gute ideen, hervorragend geschrieben. die ausgangssituation ist bei david hume übrigens (traktat über die menschliche natur) ganz ähnlich – obwohl dann doch ganz unterschiedliche voraussetzungen. so ganz einleuchtend sind die rationalistischen axiome von descartes dann doch nicht. aber gleichwohl: ein großartiger text.

Habt ihr das Buch auch zu Ende gelesen? Also ich musste feststellen, dass dieser Zweifel an allem, nichts anderes als eine Konstruktion ist. Eine rhetorisch und argumentativ gute, aber nur eine Konstruktion. Descartes "zweifelt" nämlich nur so lange an allem bis er sein nicht bezweifelbares Ego gefunden hat. Ab da ist durch Gott wieder die ganze Welt mit allem Dingen nicht mehr bezweifelbar und der Zweifel 10 Seiten vorher irrelevant. Schöner Trickser.

Ja ich habe das Buch bis zu Ende gelesen, auch wenns schon ne Weile her ist. Hmm, ich kann nachvollziehen warum du ein so vernichtendes Urteil über Descartes fällst, muss dir aber widersprechen.
Denn nicht die Methode des Zweifels ist Trickserei, sondern der Aufbau auf das Axiom, dass er mit dem Zweifel gefunden hat. Der Aufbau, gestützt durch den onthologischen Gottesbeweis ist das Problem und vielleicht die Trickserei. Aber doch nicht die Methode des Zweifels, oder?
Die Methodik entspricht den analytischen Standarts. Wenn er diese aber abgeschlossen hat und dann durch seinen Gottesbegriff in die Metaphysik geht, dann würde ich dir Recht geben und er trickst. Allerdings auch eher aus heutiger Sicht herraus. Denn damals war diese Form einzigartig.

Ich gebe dir recht, deswegen präzisiere ich nochmal. Ähnliches meinte ich als ich ich auf "Konstruktion" aufmerksam machte. Er nutzt ein an sich schlüssiges Verfahren, um seine Argumentation an das gewünschte Ziel zu bringen. Und ignoriert aber gewisse Unsauberkeiten.
Descartes ist dahingehend ein Trickser, dass er den Leser einlullt in eine Logik, die er gerade abgelehnt hat: Ich finde es aber auch nutzlos, erstmal alles zu bezweifeln, nur um dann wieder alles – Sinneswahrnehmungen, Wirklichkeitswissenschaften und Mathematik, Logik etc. – durch Gott als sicher anzunehmen.
Wenn man nun seine Gottesbeweise durchspielt (also jetzt nicht nur der ontologische, sondern auch der kosmologische Gottesbeweise), bauen diese teilweise auf durchaus logischen Schlüssen auf. Da heißt, Descartes sichert die gerade noch unsichere Logik durch einen Gottesbeweis, der sich teilweise logischer Schlüssen bedient. mhh.
Das diese Gottesbeweise nach Kant und Co. sowieso hinken, steht jetzt noch ganz außer Frage.

Ja wenn du es so formulierst gebe ich dir recht. Ähnliche gedanken hatte ich auch bei der Lektüre.DIe Gottesbeweise, die Descartes anführt, die er sich Hauptsächlich bei Thomas von Aquin anlehnen sind ja auch logisch gegnbewiesen. Vorallem durch kant, wie du anführst, der ja ein Gegner der Metaphysik war.

Ich bin ein Anfänger, sowohl in Latein als auch bei Decartes …

Dieses Buch hat mich sehr sehr überfordert … ihr scheint alle routinierte Decartes-Leser zu sein … könnt ihr einen Text für den Anfang empfehlen? Wie geht ihr an so eine Lektüre heran?

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