Manchmal finde ich es ja wirklich schade, dass ich mich eher für Randthemen interessiere. Philosophie, Politik und gesellschaftliche Themen außerhalb des Stammtischs, Bücher und ähnliches sind nicht Massentauglich und wenn auch schon ich nicht darunter leide, dann zumindest dieser Blog, wenn man den überhaupt abgetrennt von mir betrachten kann.

Blogscout ist nicht mehr und so werde ich vielleicht auch drüber hinweg kommen, dass so viele Blogs so viel mehr an Traffic haben. Ich meine damit gar nicht mal die Stammleser, denn da habe ich schon einige der „besten“, sondern die Googlezahlen. Unglaublich was manche Blogs da an Traffic bekomme und ich meine damit nicht die Schwergewichter wie Basicthinking, sondern Blogs, die so in der Liga spielen, wie dieser hier.

Aber lassen wir die Ironie mit dem Funken Wahrheit beiseite und widmen uns der Überschrift. Gibt es denn im Deutschen wirklich kein Wort, dass das Gefühl, was wir Neid nennen positiv ausdrückt? Bewunderung ist es nicht, dass ist eher distanziert und drückt eher aus, dass man es selber nicht erreichen kann. Ich meine ein Wort, dass ich so umschreiben würde: „Toll, das hätte ich auch gerne, ohne es ihm, der es hat, deshalb nicht zu gönnen.“ Denn Neid drückt eher aus, dass er etwas einzigartiges hat und ich will es auch, aber die einzige Möglichkeit ist es ihm wegzunehmen. Er oder ich ist der entscheidende Faktor beim Neid.

Aber um auf das Beispiel am Anfang zurückzukommen, Traffic gibt es für alle genug und deshalb ist Neid nicht das richtige Wort. Sicherlich mag es auch Neidhammel geben, die gerne den Traffic des Internets auf sich alleine verbuchen würden, aber solche Surrealisten sind sicher nicht sonderlich häufig anzutreffen. Dennoch ist Neid immer wieder ein hochkochendes Argument und ich frage mich ob es nicht oft falsch benutzt wird. Ich meine, dieser Blog hat so ungemein viele Top-Positionen bei Google, dass ich wirklich nicht neidisch sein brauche. Dass es nur die „falschen“ Suchbegriffe sind, die keiner Sucht, ist zu ändern, ich müsste nur jemand anderes hier schreiben lassen, der eben statt über Philosophie zu schreiben, Paris Hilton, Vanessa Hudgens, Zac Efron, Ashley Tisdale und Konsorten zum Thema macht, statt sich mit Politik argumentativ zu beschäftigen lieber Buzzword-Bingo spielt und statt für sich in seinem Denken weiterzukommen, Toplisten schreibt, wie man am besten dass und das macht. Politische Blogkarnevals sind auch recht aufwändig und bieten nicht die Keyword, die Traffic kreieren, da dann liebe, Hirnlos, aber mit den richtigen Stichwörtern. Es wäre ganz einfach, deshalb fällt es mir nicht leicht neidisch zu sein.

Aber wie nenne ich jetzt dieses Gefühl? Jemand ein gutes Wort dafür?

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3. September 2007

Kommentare

„Toll, das hätte ich auch gerne, ohne es ihm, der es hat, deshalb nicht zu gönnen.“

Ich bin eigentlich nur dann tatsächlich neidisch und kann dies auf unverhohlen zugeben, wenn da jemand ist z.B. der so richtig reich ist und sein Geld nicht, gemäß meiner Meinung, sinnlos verpraßt, sondern gar die gleichen Interessen besitzt. Nur aber eben mit diesem Unterschied, das jener diese verwirklichen kann. Ich gönne es demjenigen, schaue aber auch nicht zuoft hin, weil mich dann doch schon eben dieser Neid plagt.
Allgemein wird Neid bei uns jedoch gerne genutzt, um anderen, die mitunter stoisch Prinzipien folgen, die Kritik abzusprechen. Neidisch ist er halt, ich brauch ehrlich gesagt nicht alles und Geld ist z.B. definitiv nicht meine Triebfeder, notwendig zum leben, jedoch sonst an die xx-te Stelle geschoben. Letztens schwärmte mir noch jemand von seiner XX-Zoll-HDTV-Kiste im Wohnzimmer vor und war ganz verdattert, als ich entgegnete das ich seit Jahren kein TV schaue und einen Film selbst auf einem profanen 19 Zöller genießen kann. Vielleicht ist es auch umgekehrt wiederum der Neid, das man selbst nicht auf etwas verzichten kann. Wer weiß.

Zum Blöggle selbst, wir ziehen da im Schnitt monatlich 20Gb Traffic, Spitze gar schon mal knapp über 30Gb. Aber ehrlich gesagt, für die einen ein neidvoller Blick, für uns manchmal ein Blick auf die Finanzen 😉
Glaubts dir jemand, nein natürlich nicht – denn jeder ist Geil auf Traffic, Hits usw. Dem ist nicht so, aber wenn es eben die eigene Welt ist, projeziert man dies auch gerne mal auf andere Zeitgenossen.

Wenn ich keinen Sinn in einer Sache sehe, kann ich auch nicht neiderfüllt dreinblicken. Und wenn ich die Leistung bewundere, da derjenige sich in einem ähnlichen Kontext bewegt, dann kann ich auch meine Bewunderung ausdrücken. Da sehe ich kein Problem darin bzw. den Nutzen einer besonderen Begrifflichkeit.
Ich drücke dies auch schon damit aus, wenn ich z.B. jemanden verlinke und das mache ich nur wenn ich den Eindruck habe, das es etwas gutes ist. Damit zolle ich meinen Respekt vor der Leistung, denn warum sonst sollte ich z.B. einen Text verlinken, wenn nich ob der anerkennenswerten Qualität?

nicht direkt zum Thema, eher zu deinem Schreibstil, was mir in letzter Zeit öfters aufgefallen ist:
Du hast immer ein Hauptthema in deinem Artikel. Zu diesem schreibst du eine kurze Einleitung, aber dann driftest du ohne erkennbaren Grund und manchmal ohne das mir sich der Zusammenhang erschließt zu einem anderen Thema ab nur um dann 4,5 Sätze später zu schreiben: „aber kommen wir nun zum eigentlichen Thema XYZ…“
Vielleicht bin ich auch einfach zu blöd die Zusammenhänge zu verstehen…
Beim Thema Online Werbung und Blog Hosting in Tschechien war mir der gemeinsame Punkt ja irgendwie noch klar: Geld, aber bei anderen Artikeln keine Ahnung.
Aber auch in diesem Fall hätte ich mir gewünscht, dass du beide Themen lieber getrennt und knackig behandelt hättest. In dem einen einen Verweis auf den anderen zumachen ok, aber sie irgendwie zu vermischen, ich weiß ja nicht.

Hab dein Blog erst seit einer relativ kurzen Zeit abonniert und fand eigentlich immer die Postings stark wo du dich auf ein Thema konzentrierst z.B. Trupoli

Oliver, man kann meine Frage ja auch auf andere bereiche ausweiten, nicht nur auf das liebe geld bezogen. Der hat aber tolle Muskeln (grins) oder was weiß ich was. ich habe mich nur gefragt, warum es kein positives Wort dafür gibt. Eine kleine Verwunderung.

Christopher, ich kann deine Kritik verstehen und gebe dir Recht, dass manche meine Artikel zu weit ausholen und ich dann nicht die Zeit oder die Lust habe die abstrusen Zusammenhänge klar zu machen. Das ist ein Manko, welches ich bei längeren oder mir wichtigeren Artikel auch zumeist ausmerze, aber beim kleinen Artikel zwischendurch eben nicht. Die letzten Artikel waren eher so zwischendurch Dinger. Ich schaffe es einfach nicht nur so Artikel abzuliefern, wie meinetwegen den Trupolibeitrag. Aber dennoch will ich manchmal etwas schreiben, obs dann jemand rafft oder nicht, ist mir dann Recht egal. Das ist natürlich doof für den Leser, aber vielleicht merkst du, wenn ich dich jetzt nicht in die weiten des Netzes gejagt habe, nach einiger Zeit direkt im ersten Satz den Unterschied und kannst dann die verwirrten beiträge filtern. Ist keine befriedigende Antwort, aber der Spaß am Bloggen ist mir wichtiger und die Frage nach einem passenderen Wort für Neid ist mir nicht wichtig genug um meine eh schon zu geringe Zeit dafür zu ofern.

Wenn schon gerade das Beispiel vor den Füßen liegt, warum auch nicht zupacken? 😉

Na mir ist schon klar worum es geht, deshalb auch meine Antwort, was braucht es eine Vokabel? Langt diese überhaupt, zumal schon der Begriff Neid eher Fragen offen läßt, meist bezüglich des Sprechers, als denn Fragen beantwortet.

gaten tag hr. onezblog,

ich finde das spitze, dein blog gefällt mir die themen sind einfach super. siehs als kompliment das du nicht ganzsoviel traffic hast. deine beiträge sind bestimmt nicht für die breite masse interessant, viele beschäftigen sich einfach nicht mit solchen themen.
du wirst doch zukünftig nicht am fluss des maintreams mitschwimmen wollen, oder ? bitte nicht 😉
klein aber fein, halte ich für eine schöne devise, mach einfach so weiter wie es dir gefällt. vielleicht ist die welt irgendwann bereit für deinen blog 🙂
Für mich hat neid übrigens garnix negatives. ich halte neid für durchaus produktiv. ich denke auch das neid (z.b. futterneid) eine wichtige rolle in der evolution spielte und spielt. die negative prägung kommt sicherlich auch von der kirche, oder ? als fast unreligiösen menschen beeindrucken mich solche versuche wörter zu werten wirklich sehr sehr wenig. natürlich ist man selbst geprägt auch durch erziehung und das kann man sicherlich niemals ganz ablegen. versuchen muss oder sollte man es trotzdem.

http://de.wikipedia.org/wiki/Neid schreibt: Fehlt es am ethischen Vorwurf, spricht man auch von „Unbehagen gegenüber Überlegenheit“ , die man selber gerne hätte und nicht zu erreichen vermag.

wobei die überlegenheit in dem konkreten fall klar die nicht-massentauglichkeit wiederspiegelt, denk ich mir halt 🙂

einem selbst muss es gefallen, das ist das wichtigste.
wenns dann zusätzlich noch wem gefällt, perfekt würd ich sagen

mach so weiter,
ich beneide dich 😉

[…] ein einzeiler für die Newssektion sein, in der ich ausdrücken wollte, wie neidisch, in diesem Sinne, ich auf das neue Design von Jeriko bin und ich mich am liebsten gleich hinsetzen würde, es zu […]

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