Diese Suchanfrage habe ich gerade in meinen Statistiken gefunden und finde sie interessant genug um ein paar Gedanken zu formulieren, die ich schon lange hier geschrieben haben wollte. Es geht eigentlich nicht um Moral, sondern um die Individualität. Genauer gesagt, will ich mich hier ein wenig über das „Anders-Sein“ auslassen.

Man kann die Suchanfrage auf zweierlei Art verstehen, ihr zwei Fragemotivationen unterstellen.

  1. Was ist Moral überhaupt?
  2. Muss ich moralisch sein?

Ich unterstelle dem Suchenden einmal, dass er beides wissen möchte und, dass die erste Frage zu der zweiten Frage führt. Ich will darauf so wenig wie möglich philosophisch antworten obwohl das natürlich nicht ausbleibt, da Moral eine Disziplin der Philosophie ist. Aber ich habe nicht ohne Grund die Philosophie in einen anderen Blog ausgelagert, hier überlesen es die meisten.

Was ist also Moral? Ich will eine allgemein Definition wählen, die recht unproblematisch ist und einfach mal ignorieren, dass dies eine kontroverse Fragestellung seit tausenden von Jahren ist.

Moral (vom lat. moralis, „sittlich“), derjenige Ausschnitt aus dem Reich der ethischen Werte dessen Anerkennung und Verwirklichung bei jedem erwachenen Menschen zunächst angenommen wird. […] Stets und überall handelt es sich bei der Moral um das,was „gute Sitte“ ist, was „sich schickt“. (Kröner. Philosophisches Wörterbuch.)

Moral ist also jenes Sittengesetz, was in der jeweiligen Gesellschaft veankert ist. Ein ungeschriebenes gesetz, was sich allerdings auf geschriebene Gesetze auswirken kann, dem prinzipiell jeder zustimmt. Abweichungen eines jeden einzelnen gehören genauso dazu, wie die durchschnittliche Anerkennung. Moral ist ersr relevant, sobald eine Gemeinschaft entsteht. Ein Mensch alleine kann nicht moralisch oder amoralisch sein.

Muss ich also moralisch sein? Du bist es, ob du willst oder nicht. Ein jeder Mensch richtet sich nach Wertten, das Gehirn alleine braucht schon handlungsprinzipien um überhaupt zu funktionieren. Wenn jede Situation neu bewertet werden müsste, wäre der mensch schlichtweg nicht handlungsfähig. Aber ob man die geltende Moralvorstellung akzeptiert oder nicht, dass ist das Kriterium, ob man moralisch ist oder nicht.

Muss man die Moral akzeptieren? Nein muss man natürlich nicht, amn kann sich eigene Werte schaffen. Theoretisch zumindest. Denn der Mensch ist ein soziales Wesen, in vollkommener Isolierung kann man nicht leben. Also sucht sich ein jeder Gleichgesinnte, die ähnliche moralische Vorstellungen haben. Sie bilden eine andere Moral, als die der Majorität. Aber sie bilden eine Moral.

Worauf ich hinaus will? Ich würde gerne viele Aussagen prüfen, die ich gerade unter jungen Menschen immer wieder höre.

„Ich scheiß auf die Moral!“

Dieser Satz soll oft Individualität ausdrücken. Ich bin anders und zeige es, indem ich gegen geltende Moralvorstellungen rebelliere. Das ist richtig und falsch zugleich. Es stimmt zwar wohl, dass der Sprecher die geltende Moral nicht akzeptiert, jedoch bildet er sicherlich eine andere, für die er Gleichgesinnte sucht und sie sicher auch findet, sonst kehrt er früher oder später zur geltenden Moral zurück.

Anders sein wird häufig verwechselt mit dem anders sein als der Durchschnitt der Gesellschaft. Ich bin nicht so, wie der Duschschnitt soll bedeuten, ich bin ein Individuum. Das kann ich aber auch sein, wenn ich genau die durchschnittlichen Werte der Gesellschaft habe, denn ein Mensch definiert sich nicht nur durch seine Werte. Die resultierenden Handlungen sind oft viel entscheidender. Zudem gibt es sicherlich nicht sonderlich viele, die wirklich den Durchschnitt treffen. Wer sich schon einmal mit Statistik auseinander gesetzt hat, wird merken, dass die Mittelkurve oft nicht einen einzigen Wert schneidet. Es ist also niemand Durchschnitt und ich wäre voll alternativ läge ich darauf.

Ich will nur darauf hinweisen, dass es nahezu nicht möglich ist sich bewusst von der Gesellschaft zu differenzieren, anders zu sein. Denn genau diese bestreben ist allen Menschen gemein. Etwas besonderes sein zu wollen. Oft ist man damit genau der so Alternativ oder anders, wie alle anderen es auch sein wollen. Gar nicht.

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15. Juni 2007

Kommentare

Da habe ich mir bisher noch gar keine Gedanken drüber gemacht.

Deine Erläuterungen leuchten aber ein.

Ist das selbe, was ich in meinem Artikel unter „unpolitisch sein“ geschildert habe. Man kann nichts komplett ablehnen, da es ja gegen eigene Werte verstoßen muss um uns zu stören. Also hat man dann wieder Vorstellungen, seien es jetzt welche zur Politik oder Moral. Komplette Ausgrenzung aus der Gesellschaft ist definitiv nicht möglich.

Das Problem mit deinem Artikel ist der Relativismus. Das Sittengesetz ist nicht gesellschaftsspezifisch. Das Sittengesetz ist ewig und universell.

Was meinst du? Was soll ewig und universell sein? Welches Sittengesetz? Es gibt so viele Sittengesetze, wie es Gesellschaft gibt und ob diese sich von einem universellen Gesetz ableiten, das müsstest du mir zeigen.

Du müsstest erstmal klären was DAS Sittengesetz ist.

Hehe, über das Thema hatte ich gerade erst eine Diskussion.

Ist es nicht so, dass sich die Moral aus den Notwendigkeiten des täglichen Lebens ergibt? Alles, was mir selbst langfristig schadet, betrachte ich irgendwann als unmoralisch. Je arbeitsteiliger unsere Gesellschaft wurde, desto „moralischer“ habe ich mich anderen gegenüber verhalten.

Angefangen beim Einsiedler, der ein Tier, dass er als Gefährten betrachtet, nicht zum Essen tötet (weil es einen gewissen Unterhaltungswert hat). In der Gemeinschaft verhielten wir uns loyal und moralisch gegenüber Familen- und Freundeskreis und in der Sippe. Später dann in der Stadt, der Region, der Nation und auf der Welt.

Unmoralisch ist immer das, was uns selbst langfrisig schaden kann.

Das ist mir zu einfach und überzeugt mich keinesfalls. Auch die evolutionäre Definition von NurLeute überzeugt nicht. Dann ist gut einfach nur effektiv.

Moral ist ein Hilfsmittel für das gesellschaftliche Miteinander aber auch ein Instrument zum Gegeneinander. Die Akteure nutzen es als beides. Ich für meinen Fall habe vor allem Spaß dabei, die Doppelmoral zu entlarven. Wenn die Menschen es nicht schaffen, Moral nur für’s Miteinander einzusetzen, sollten sie sich überlegen, sie abzuschaffen.

Hallo zusammen!

MORAL ist Lebensnotwendig, im wahrsten Sinne des Wortes.

Moral ist eine Regelkonformitätsdefinition, also eine „Auflistung“ von Dingen-Handlungen, die als gut oder schlecht angesehen werden.

Ein bedeutendes Beispiel sind die 10 Gebote! ( nach allgemeiner Auffassung von ein nicht- oder übermenschlichen Instanz vorgegeben und von meist bestimmten Leuten interpretiert ( Religion ) ).

So verhält sich das auch mit der Moral in den Gesellschaften auf dieser Welt, ein Mensch wächst im allgemeinen in moralischen Atmosphäre auf, er bekommt diese „Werte“ erst von seinen Eltern, dann zunehmend von seiner Umwelt vorgelebt bzw. indoktriniert.

Ich finde es Bedeutend mitzuteilen, daß man in Wirklichkeit keine Moral HABEN kann, sondern moralisch ist oder nicht!

Ein gutes Beispiel ist hier die Doppelmoral, welche von den meisten Menschen in unserer Gesellschaft auf allen Ebenen gelebt wird.

Z. B.: Die Regierung wirft mal wieder unsere Steuern zum Fenster raus, die Reichen haben zu viele Steuerschlupflöcher und selbst hinterzieht man Steuern „fleißig“! usw. usw.

Ein Mensch, der vom HABEN-Modus zum SEINS-Modus transformiert wird eine Moral leben und zwar folgende: Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst!

Tue dem anderem nicht was an, was man Dir nicht zufügen sollte!

Das ist die beste MORAL.

Das was in der deutschen Gesellschaft als Moral bezeichnet wird, ist bis zu einer gewissen Schwelle von den allermeisten ohne Probleme anzuwenden, doch spätestens, wenn das EGO nicht mehr mitmachen will, dann ist es mit der MORAL vorbei.

Und jetzt können wir uns alle mal selbst an die Nase fassen, welche MORAL haben wir oder sind wir moralisch?

Ganz offen, ich bemühe mich moralisch zu SEIN!

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