Kristina Schröder ist irgendeine Ministerin im Kabinett Merkel. Familienministerin, wie mir Google gerade verraten hat. Das ist das alte Ressort von Zensursula und es scheint doch so, als könne man dort nur mit markschreierischem Gehabe auf sich aufmerksam machen. Ursula von der Leyen hat sich die Kinderpornografie auf die wehenden Fahnen geschrieben, pardon, den Kampf gegen diese im internet und Kristina Schröder kämpft jetzt auch. Und ratet mal wogegen. Darauf kommt ihr nie. Kinderpornografie ist es jedenfalls nicht, das macht ja die Stephanie zu Guttenberg auf RTL2 jetzt.

Seine Wortführer haben geglaubt, daß man dadurch nur schmähen wolle, und haben sich für aufgefordert gehalten, auch von ihrer Seite wiederum zurück zu schmähen, wodurch die Sache wieder in ihre natürliche Ordnung komme. Johann Gottlieb Fichte

Nein, sie kämpft gegen falsch verstandenen Feminismus. Weil der ungemein schädigend ist. Und deshalb führt sie mit dem Spiegel ein Interview und greift Alice Schwarzer an. Die greifen nämlich immer alle an, wenn mal jemand mal wieder was mit Frauen auf den Keks geht oder wenn es um Fertilidings… Fickraten … ne, Wurfraten geht. Also wie viele Kinder die richtigen machen. Also nicht Ausländer und nicht Pack. Geld und Intellekt. Elite eben.

Also die Schwarzer angemacht hat die Schröder. Und die Schwarzer keilt zurück. In einem offenen Brief an die Schröder. Klar, so werden die sich das ja auch gedacht haben, die Presseberater und Medienheinis. Raus aus diesem dämlichen Ressort mit den Kindern und Frauen. Opfer. Endlich Mal dahin, wo die Lutzi geht.

Und wisst ihr was. Ich hätte genau dasselbe geschrieben, wenn ich es nicht einfach ignoriert hätte. Also dasselbe wie die Schwarzer. Emanzipation hat geklappt. Sie und ich. Der Schröder olle Klischees vorwerfen, sie für eher ungeeignet halten auf ihrem Posten. Gut, das hätte ich nicht erwähnt, sondern nur gedacht, weil man ja auch die Relation zu ihren Vorgängerinnen und -ennen irgendwie nicht ausser acht lassen kann und ob sie da jetzt noch ungeeigneter ist, will ich dann nicht öffentlich erklären müssen.

Die Schwarzer und ich jedenfalls. Naja, eine Passage hätte ich vielleicht weggelassen, so aus rein taktischen Gründen schon. Alice Schwarzer benutzt nämlich ein äußerst verwandtes Argument wie die Kristina Schröder und das würde ich immer unterlassen. Schwarzer schreibt als Antwort auf Schröder, die die armen Jungen verteidigt, die von grässlichen Feministinnendrachen in Schule und Kindergarten drangsaliert werden:

Ja, es stimmt, dass wir es mit einer rasanten „Feminisierung“ der pädagogischen Berufe zu tun haben. Aber warum? Weil die Männer einfach nicht mehr Kindergärtner oder Lehrer sein wollen! Zu schlecht bezahlt und gesellschaftlich nicht anerkannt. Das ist das Problem. Alice Schwarzer

So ähnlich hatte die Schröder aber auch was gesagt. War auch nicht besser. Denn Realität und Faktenlage ist nicht erst seit dem späten Wittgenstein mehr so zum Problem geworden, weshalb beide Kontrahenten im Feministinnenstreit auf sie Bezug nehmen können, ohne auch nur annähernd dasselbe meinen zu können. Meine Welt ist alles was der Fall ist. Die Schröder schreibt also folgendes:

Die Wahrheit sieht doch so aus: Viele Frauen studieren gern Germanistik und Geisteswissenschaften, Männer dagegen Elektrotechnik – und das hat eben auch Konsequenzen beim Gehalt. Wir können den Unternehmen nicht verbieten, Elektrotechniker besser zu bezahlen als Germanisten. Kristina Schröder

Also, weil das so verdammt gleich aussieht, das Argument jetzt, hätte ich das weggelassen mit dem Realitätsbezug. Weil die Schröder meint ja auch in der besten aller möglich Welten zu leben, wenn sie nur ihr Ding durchzieht. Nicht bildlich gesprochen jetzt. Schwarzer meint das auch, ich übrigens nicht. Aber das ist auch eher unerheblich.

Unerheblich war eigentlich auch das Stichwort, auf das ich hinaus wollte. Ist nicht so gelungen. Viel zu viel Spaß macht es hinzusticheln und zu rumstacheln. Schröder gegen Schwarzer ist eine solche Nicht-Diskussion, die uns ständig umwabern und die in Bezug auf das Thema, ob es jetzt Gesellschaft, arme Jungs, Feminismus oder sonst wie heißen mag, doch zeigen, dass Frauen mittlerweile auch solche stumpfen Diskussionen einleiten, durchführen und davon profitieren können. Das heißt nicht, dass jetzt irgendwas besser ist, aber es hat sich etwas geändert. Und das meine ich jetzt mal ganz frei von Ironie.

Nicht, dass es für mich jetzt besonders entscheidend ob mit Schröder gegen Schwarzer jetzt der alte Gerd gegen irgendeinen andern gemeint ist oder eben die Kristina gegen die Alice. Beides irgendwie Lückenfüller, etwas über dem sonstigen Vorabendserienniveau anzusiedeln. Aber auch eher unspannend. Und nicht lustig. Da dann lieber die Schwarzer gegen die Feldbusch oder Pooth, wie sie jetzt heißt schauen. Späterer Abend gewesen. Witziger. Und danach dann mal im Ernst.

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Ich finde es durchaus bezeichnend und eine Errungenschaft der Emanzipationsbewegungen der letzten dreißig Jahren, dass wir uns so etwas im Fernsehen anschauen können und auch solche Diskussionen unsere Zeitungen und Magazine beschäftigt. Nicht, weil es sich dafür gelohnt hätte, sondern weil es durch diese Trivialisierung des Themas deutlich wird, wie selbstverständlich viele Themen schon geworden sind, die vor gar nicht so langer Zeit eine erheblich heftiger geführte Kontroverse hervorgerufen hätte. Heute kann man sich gelangweilt und gelassen von diesem Geplärre bedüdeln lassen.

Und damit ist keineswegs angedeutet, dass es nicht auf vielen Feldern noch einiges zu beackern gibt. Emanzipation ist ja kein Reformpacket, was verabschiedet und vergessen werden kann. Aber es ist dennoch beschaulich, dass man nicht mehr für jedes Detail kämpfen muss, sondern eher um die Aus- und durchführung. Und hier gehe ich Mal weg von den Frauen, auch deshalb, weil man sich vielleicht als geneigter Leser gefragt haben könnte, warum gerade ein mann darüber schreibt. Aber ähnliches ist in vielen anderen Bewegungen zu beobachten.

Trivialisierung ist nicht partou schlecht, sondern meist ein angenehmer Indikator dafür, dass etwas davon angekommen ist. Ist Feminismus also langweilig geworden? Ja und nein. Viele Kämpfe früherer Jahre sind es geworden und das ist wunderbar so. Neue Kämpfe sind daraus entstanden. Kristina Schröder hat davon noch nicht so viel mitbekommen. Bei Alice Schwarzer weiß man das auch nicht so genau. Aber vielleicht braucht der Feminismus auch gar keine Lausprecherinnen mehr. Das wäre optimal.

11. November 2010

Kommentare

„…weil man sich vielleicht als geneigter Leser gefragt haben könnte, warum gerade ein mann darüber schreibt.“

Das und vieles mehr fragt man sich als geneigter Leser allerdings!

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