Tabubrüche und inhaltliche Blutgrätschen sind ja jetzt höchstselbst von unserem gehegten und gesellschaftlich gepflegten Käseblatt endlich wieder salonfähig gemacht worden und auch wenn dieser Salon eher die Spießerkneipe und die nach Pisse riechende Pommesbude von Nebenan entspricht, so  ist das doch jetzt hoffentlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

deutschland

Und da wir ja jetzt dürfen, ledern wir doch Mal los. Gegen alles, was bei drei nicht auf den Bäumen ist, da wo die alle hingehören. Schmarotzer, Arbeitsplatzwegnehmer und Drogenbarone, die mit ihrer ganzen verkommenen Lebensweise, die sich in Form von Hakennasen und Kopftüchern tiefschwarz in ihre Haut eingebrannt hat, unsere Deutsche Kultur zerstören und wir gedissten deutschen Opfer so sehr leiden, dass wir endlich mit gutem  Grund unsere Kinder auf Privatschulen und sonstige innerdeutsche Zirkel schicken können. Weit weg von allem, was unsere Mitte angreift mit Dönerspießen und fremdklingenden Gebeten, die so gar nicht in unsere allmächtige Litanei passen wollen. Wir werden nicht weglaufen, nicht in unserem eigenen Land. Und wenn es uns zu bunt wird, dann besorgen wir uns eben wieder einen Führer. Nur damit ihr es wisst. Pack.

Wir finden euch nämlich scheiße. Wir verstehen euch nämlich nicht, haben Angst und haben noch mehr Angst davor, einfach zu sagen, wir hätten Angst oder verstünden etwas nicht oder würden euch einfach nur scheiße finden.

So erfinden wir Paradigmen und Dogmen, Statistiken und Rassen. Wir können das, wir sind nämlich schlau. Nicht so verwilderte Analphabeten wie ihr es seid. Weshalb ihr uns auch all die tollen Arbeitsplätze wegnehmen, die wir statt diesem fremden, von auswärts imperialistisch an unsere Mitte eingebrachten Yoga, ausüben wollen. Müllmann als Ausgleich zur hochwissenschaftlichen Intelligenzelite, die die ganze Welt beherrscht mit Banken, Nato und Exporten.

Wir brauchen euch nicht, wann versteht ihr das endlich. Geht, geht in Gottes Namen. Aber unsere Gottes, eurer ist nur ein späterer Ableger und außerdem nicht der echte. Jahwe, der Führer unseres Schwertes gegen alles Ungläubige. Schwerter zu Pflugscharen war gestern, Krieg ist, auch wenn keiner hingeht, das ist die Zukunft. Worte als Waffen, Zeitungen als Bomben und der Alltag als Präventionsterror, dem ihr euch nicht entziehen könnt.

Ihr habt keine Chance, denn wir sagen euch nicht wie scheiße wir euch finden. Wir sind gut, wir lassen euch das selber denken. Keiner sagt es, nur ihr, ihr Opfer. Und ich, Prophet der deutschen Wahrheit, die der Welt die Augen öffnet, sodass ihr ausziehen werden, wie Moses aus Ägypten.

Nach Deutschland lechzt ich nicht so sehr,
Wenn nicht die Mutter dorten wär;
Das Vaterland wird nie verderben,
Jedoch die alte Frau kann sterben.

Heinrich Heine

Wir Deutschen sind so armselig in unserem Ringen nach Werten, nach der Mitte, nach Identität nach dem Unsagbaren, dass wir nicht Mal unterscheiden können zwischen uns, den anderen, Gefühlen und Verallgemeinerungen, Statistiken und Polemik. Wir verarschen uns so dermaßen selbst, dass mir nicht mehr viel einfällt als sarkastisches Gegenschreien.

Wo ist denn unser Hirn geblieben, liebe Mitbürger? Ich find dir scheiße, Deutschland. So bin ich lieber Kanacke, Missgeburt der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Heimatlos und deshalb unverbunden mit all den kruden Vermutungen und Spekulationen, die in ihrer wirrend Geisteshaltung nur eines wiederspiegeln: wenn es drauf ankommt, haben wir ebensowenig aus der Geschichte gelernt, wie wir darauf pochen, dass es ganz wichtig sei, aus ebendieser zu lernen.

Waldmannsheil Thilo.

2. November 2010

Kommentare

Du beginnst mit dem einen Extrem, was wohl ohnehin keiner auf dieser Seite ernst nimmt. Das ist gut. Zeige welche dummen Extreme die Meinungsmache hervorbringen kann.

Aber danach?

Du zeigst keine Argumentation, keine Auseinandersetzung mit dem Thema. Du greifst die Klischees auf und führst sie ins Absurde.

Man könnte annehmen, du seist einer dieser typischen sogenannten Bildungsbürger, die in der Schule von den ueblichen 68er Lehrern gelernt haben, dass jeglische kritische Auseinandersetzung mit dem Thema „Auslaender in Deutschland und deren Integration oder NICHT Intergration“ automatisch zum blumigen Ergebnis des Multikulturalismus und der Toleranz fuehrt.

Ich bin kein Fan von Thilo. Ich denke er ist einfach nur ein alter Idiot. Aber trotzdem muss man sich doch mal wirklich zumindest mit einigen wenigen seiner Thesen auseinandersetzen. Oder vielleicht nicht mit seinen Thesen, sonder einfac nur mit bestimmten Statistiken zur Jugendkriminalitaet oder Auslaenderarbeitslosigkeit.

Mein Gott… in anderen Laendern regieren mehr oder weniger radikale rechte oder linke Gruppierungen, weil grundsaetzlich alles pauschalisiert und banalisiert wird. Hier sollte nicht genauso verfahren werden.

Naja, wenn ich nochmal deinen letzten Absatz lese… Vielleicht wird auf immer die Meinungsfreiheit in puncto Umgang mit Auslaendern in Deutschland eingeschrenkt bleiben. Die Geschichte… klar. Mal sehen ob meine Kinder in der vierten Genration sagen duerfen was sie denken.

cu

Das wuerde dann das uebliche Abaegen meiner Pero

Du kannst ruhig davon ausgehen, dass ich einer dieser sogenannten Bildungsbürger bin, oder wie man andernorts gerne sagt: ich bin einer dieser Gutmenschen. Gut, bringt aber nicht weiter.

Ich argumentiere tatsächlich nicht, außer durch den Gesamteindruck des Textes. Und der soll genau dem widersprechen, was du hier, leider auch unargumentiert, einforderst: man müsse über diese „Thesen“ oder wenigstens über gewisse „Statistiken“ reden.

Kann man machen, Meinungsfreiheit sollte tatsächlich so weit gehen, dass man sich öffentlich zum Horst machen darf, indem man Diskussionen lostritt, die meiner Meinung nach keine sind.

Aber man muss doch nicht! Und vor allem nicht auf so unmöglich dämliche Art und Weise. Oder redet irgendwer bitte darüber, wie man diese Statistiken, wie du sie nennst, realiter verbessern könne? Oder wie gewisse Probleme mit wem auch immer gelöst werden können? Nein, wir nehmen es zum Anlass, um auf alles zu schimpfen, was uns irgendwie nicht passt, wovor wir Angst haben, was wir nicht verstehen. Der ganze Frust über die Veränderungen der letzten Jahre entlad sich in Richtungen, die mit dem Frust wohl so wenig wie nur irgend möglich zu tun haben. Warum tun wir das?

Ob diese Frustsublimation dann aus gutem Willen um die Meinungsfreiheit oder aus bösartig berechnenden Machtphantasien entsteht, interessiert mich nicht. Fakt ist aber doch, dass die Problemstellung an den eigentlich angesprochenen Problemen vorbeigeht. meilenweit.

Um Mal von den Ausländern oder die, die in der Debatte dafür gehalten werden wegzukommen, sei die immer wieder in Deutschland aufkommende Diskussion um Sozialschmarotzer erwähnt. Diese angeblich zahlreichen hinterlistigen Subjekte, die unsere schwer erarbeiteten Steuergelder zum Müßiggang ausnutzen. Kommt auch zyklisch in schlechten Zeiten immer wieder. Sind Mal die Ausländer, mal die Alkoholiker oder Florida-Klaus und Mallorca-Karin.

Was bringt das? Was ändert sich durch solche Aufschreie der Empörung? Was bringt es bitte Probleme so zu vereinfachen, dass jeder zwar mitreden kann, aber das Problem selbst dabei gar nicht mehr in den Blick gerät, weil es viel mehr Spaß macht Ressentiments in anonyme Ecken zu schleudern, mit funkelnden Augen, als sich Lösungen zu überlegen, die so komplex sind wie das Problem selbst.

Was ist durch Frontstellungen gewonnen, die zwischen Gutmenschen und denen, die sich trauen die „Wahrheit“ (was war das nochmals?) auszusprechen, entstehen und so jede Auseinandersetzung mit den Problemen selbst unmöglich machen?

Und es will mir hoffentlich niemand erzählen, dass diese Frontstellung nicht das wohl wichtigste Marketinginstrument für das Buch gewesen ist. Marginale Gruppen, gegen die man einfach, weil anonym was haben kann, werden in Stellung gebracht, weil Teile dieser Gruppen eine Lobby haben, die schon dafür sorgen wird, dass das Buch durch alle Medien gehetzt wird.

und was wurde damit jetzt erreicht, außer dass jetzt jeder in der Spießerkneipe und der stinkenden Pommesbude von nebenan einen Grund und eine scheinbare Rechtfertigung hat seinen Frust auf den anonymen Schultern von den Anderen abzuladen? Was ist dadurch gewonnen?

Nichts ist die Antwort meines Textes. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger. Und ob das jetzt mehr Argument ist als in die Diskussion bisher eingebracht wurde, muss du als Leser natürlich selbst entscheiden.

Kommentarfunktion ist deaktiviert