Es gibt keine katholischen Antisemiten…

…oder wenigstens keine Antisemiten in der Kirche! Weil ja alle in der Kirche dieses „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ so ungemein verinnerlicht haben und da Juden einem ja auch manchmal zu nah kommen könnten, müssen die wohl mit einbezogen werden. Also ist dieses gebetsmühlenartige Wiederholen, dass man diesen englischen Antisemiten ja nicht wegen, sondern trotz seines Antisemitismus‘ wieder reingeholt hat, sogar konsistent. Toleranz auch für intolerante Arschlöcher. Soll jetzt nicht auf diesen Engländer bezogen sein, der hat zwar Scheiße geredet, aber ob er auch selbst Scheiße ist, kann nur der Herr richten.

Es ist beschämend, was in den letzten Tagen passiert. Der Papst holt einen Antisemiten zurück in die Kirche und die Angela sagt dazu mal was. Dann schreien alle anderen der Kirche los und der Deutsche in Rom sagt dazu gar nichts mehr. Viel zu weltlich. Das ist aber gar nicht unfassbar, schließlich wissen wir, dass gewisse Mythen in der katholischen Mythologie Ressentiments gegen Juden schüren, weil so ein paar Leute meinen, die hätten ihren Halbgott umgebracht. Das der sich dafür entschieden hat, wird ebenso zur Seite geschoben, wie die Tatsache, dass der Halbgott selbst doch recht jüdisch war. An Blut und Genen kann es also nicht liegen.Trotzdem hält sich dieses Gerücht hartnäckig.

Wie dem auch sein, alle Katholiken werden schon keine Nazis sein und dem Deutschen in Rom würde ich das auch nicht unterstellen. Gewissen Wortführern der letzten Tagen würde ich allerdings eine nicht unerhebliche sprachliche Nähe zugestehen, aber es soll auch atheistische Nazis geben.

Interessant finde ich an diesem ganzen Theater eigentlich nur, dass es eine so mächtige und sicher in vielen Positionen auch intelligent und potent besetzte Organisation, wie die katholische Kirche, deren Fundament auf mediale Wirkung aufgebaut ist, es nicht schafft, die richtigen Worte zu finden, um den „Nazi, Nazi, Nazi“ rufenden Mob zu beruhigen. Das hat doch sonst ganz gut geklappt. Da wurden dann die Kettenhunde von der Leine gelassen, allen irgendwie gläubigen Menschen wurde entweder die Liebe oder die ja ach so friedliche Tradition unter die Nase gerieben, oder es wurde irgendwas von Dogma, Unfehlbarkeit und jetzt alle Fresse halten gefaselt.

Scheint nicht zu ziehen bei einem Thema, was mit der Kirche wohl zu eng verbunden ist. Aber ist in einer Woche eh wieder egal, wenn das Gejammer über diese Krise wieder lauter wird. Wie rechtfertigt ihr eigentlich all die offensichtlichen Widersprüche vor euch selbst, liebe Gläubige?

Update: Will noch zwei Stimmen verlinken:

  • Der Papst ist sauer von Nerdcore, weil er mir so sehr aus der Seele (sic!) spricht und meine erste Fassung dieses Textes in etwa diese Kragenweite hatte.
  • Merkel exkomuniziert Papst vom Spiegelfechter, weil er mehr Klarheit ins Thema bringt und dennoch die selbe Frage stellt, die ich hier stelle: Wer hat den Papst nur so schlecht beraten, was die PR angeht?