Wer ist denn überhaupt auf die dämliche Idee gekommen Bachelor/Master-Studiengänge einzuführen? Studenten mögen sie nicht, Lehrende auch nicht und überhaupt bringen sie wenig bis gar keinen der propagierten Vorteile. Weder die Vergleichbarkeit ist gegeben, noch ist es möglich die Uni zu wechseln, egal ob ins Ausland oder innerhalb Deutschlands. Jede Uni hat für ihren Bachlor/Master eine eigene Studienordnung und will man zu ihr Wechseln, muss man ganze Module nachholen, weil die Studienordnung der vorherigen Universität nicht akzeptiert wird. Genau so war es auch in Magisterzeiten.

Hinzu kommt, dass man sich wie in der Schule fühlt mit diesen Modulen. Auswahl und freies studieren wird in die Freizeit verschoben, in der Uni hat man zu machen was einem vorgesetzt wird. Die selbständige Auswahl seines Studienwegs ist in etwa so groß wie die Auswahl, die ich in meinem Abitur gehabt hatte. Kaum vorhanden.

Es wird allerdings erwartet, dass gute Studenten auch in ihrer Freizeit lesen, sich weiterbilden, kurz sie sollen studieren. Auch hier gilt der Spruch „Wir lernen nicht für die Uni, wir lernen fürs Leben“. Eigentlich ja die Grundeinstellung der Universität seit ihrem bestehen, selbständiges Lernen und Forschen zu unterstützen. Doch wenn man in unzählbar viele Pflichtveranstaltungen gezwungen wird, sinkt die Lust des selbstständigen Lernens. Denn es stört dann schon immer in gekrümmter Haltung unter dem Tisch lesen zu müssen, in Seminaren, die einzig einem Zweck zu folgen scheinen, der Beschäftigungtherapie.

Ich will nicht sagen, dass ich mich überarbeitet fühle, aber ich nehme den Mist auch einfach nicht Ernst. Ich bin es schon aus der Schule gewohnt, nur da hin zu gehen, wo ich mir auch etwas von verspreche. Regeln hin oder her. Früher nannte man das Schwänzen, Blau machen, heute kann ich das ohne schlechtes Gewissen „selbständiges Studieren“ nennen.

Bachlor/Master einzuführen, war eine politische Entscheidung, die im Anfang sich als eine wunderbare Revolution angekündigt hat. heute kann man schon feststellen, dass es wieder eine der Entscheidungen war, die vertuschen soll, dass Deutschland zu wenig Geld und Aufmerksamkeit in seine Bildung investiert. Blinder Aktionismus und ein Optimismus der vor Naivität nur so trieft, waren wohl die Wegbegleiter des Bologna-Prozesses.

Aber Bildung ist auch kein Thema, was in den Medien, in der Gesellschaft diskutiert wird. Vergleicht man Diskussionen des Steuerrechts, was alle paar Jahre hoch kommt, mit ähnlich zyklischen Bewegungen der Bildungsdebatte, dann stellt man fest, dass die Bürger sich zwar gerne mal über Lehrer oder die faulen Studenten aufregen, das Thema aber spätestens beim dritten Vorschlag beendet ist. Durch Ankündigung irgendeines reaktionären Plan, wie z.B. der Wiedereinführung von Kopfnoten in NRW ist die Debatte beendet und der Bürger befriedigt. Er kann wieder an das deutsche Bildungssystem glauben, zumindest bis zum nächsten „Skandal“ in der Bildzeitung, an der ein Lehrer oder Schüler beteiligt ist.

Diskussionen über das Steuerrecht laufen ganz anders ab. Hitziger, brutaler und mit geifer. Es geht ums geld von einem jeden von uns. Da sind wir dabei, das ist wichtig. Veränderungen werden wir direkt auf dem Kontoauszug sehen, da schmerzt und deshalb ist diese Debatte das Herzstück der Politik in Deutschland.

Veränderungen in der Bildung merkt man nicht im Geldbeutel, man selbst ist ja auch raus aus der Schule/Uni, was solls.

Armes Deutschland

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9. Juni 2007

Kommentare

Ich kenn nur die Bachelor und Mastergrade.

Wenn zum Beispiel ein Medizinstudent in Süd Afrka nicht einsieht warum er ein staatliches Pflichjahr absolvieren soll, kann er sein Praktikum in Neu Zeeland weiter machen und ist dort danach auch als Artzt anerkannt. Möglich ist es geworden dadurch das sich die englisch sprechenden Länder auf einen Lehrplan geeinigt haben. Als Deutschland auch mit machte, hatte ich das erst sehr gut gefunden.

Da fällt mir zur Abwechslung wenig ein, was ich noch Hinzufügen möchte. Du hast verdammt recht damit, daß der eitle Etikettentausch (wo früher Magister drauf stand, ist heute Master drin) hat längst nicht die Veränderungen gebracht, wie sie die toll klingenden Versprechungen bzgl. internat. Vergleichbarkeit, Modularisierung etc. erwarten ließen. Und wenn, wie du aus leidvoller Erfahrung schreibst, nur die verschulte Struktur zugenommen hat, dann hätte man sich den ganzen Aufwand tatsächlich sparen können.

Zu Deinem vorletzten Satz möchte ich sagen: Wer glaubt, Bildung ginge ihn nichts mehr an, der sollte daran erinnert werden, dass der Zustand des Bildungsystems einen wesentlichen Einfluss auf seine Rente bzw. seinen Lebensstandard in 30 Jahren haben wird.

NurLeute, du hast ja so Recht, aber daran denkt niemand. Viele Leute denken genau von 12 Uhr bis Mittags. Eine Lebensversicherung kann man ihnen vielleicht noch andrehen, durch akute Angst. Sp denken genug Menschen, das Rentensystem sei wie eine geldanlage und somit etwas, was nur sie und den Minister angehe.

Das ist ja mal wieder typische deutsches Denken. Nur weil es noch an der Umsetzunghapert ist auch gleich die Idee schlecht.

Ganz pragmatisch, welche Vorteile ich selbst beobachten kann:

– Da es genug Pflichtveranstaltungen gibt und vorgeschriebene Module vorhanden sind, schaffen es die ganzen Studenten endlich auch halbwegs in der Regelzeit. Und wenn du sagst, das war vorher auch nicht so schlimm mag das für BWL stimmen, aber ich möchte dann doch auf die Sozial- und Kulturwissenschaften hinweisen, wo ein Student rein subjektiv mindestens 8 Jahre braucht.

– Gerade in Fächern wie BWL etc. ist ein Studium von 4-5 Jahren einfach nicht notwendig, eine Vertiefung sollte erst nach einiger Praxiserfahrung erfolgen. Und oft ist keine theoretische Vertiefung mehr notwendig, da die Praxis in derartigen Berufsfeldern wesentlich mehr lehrt. Deswegen machen in den Angelsächsischen Staaten (habe etwas von 20% gehört) einen Master drauf. Die meisten dann auch erst nach 3-7 Jahren relevanter Erfahrung in dem Themengebiet.

– Um gleich vorzubeugen. In anderen Ländern kann man wesentlich freier studieren und auch ganz irre, aber interessante Kombinationen mixen. Aber in den meisten Ländern wo das so ist, kostet das Studium eine ordentliche Stange Geld und da überlegt sich jeder Student ob er mal etwas langsamer macht und 3 Semester dranhängt.

Ich bin da ähnlich skeptisch wie du, Soeren.
Ich möchte zum WS die Uni wechseln und werde mich nur an Unis bewerben, wo ich nicht auf BA/MA umsteigen muss. Ich möchte das klassische Staatsexamen machen. Zumal es mir echt zu heikel ist auf BA/MA umzusteigen.
Ich studiere auf Lehramt. Wenn ich meinen BA nicht mit mindestens einer 2,5 mache, kann ich mich erst gar nicht für den Master bewerben. Und auch wenn ich besser als 2,5 bin, ist noch lange nicht gesagt, dass ich einen Masterplatz bekomme.
Und dann? Dann hätte ich einen Bachelor in Biologie und Chemie. Damit könnte ich eine BTA-Stelle machen. Aber mich würde niemand einstellen, weil ich überqualifiziert wäre und damit zu teuer. Aber an der Uni bleiben und weiterlernen könnte ich damit auch vergessen.
Nee danke. Dann lieber auf Staatsexamen.

Der Beitrag ist zwar schon aus dem Jahr 2007, aber trotzdem interessant, da er an seiner Aktualität nicht viel verloren hat. Was nicht ganz richtig dargestellt ist, ist die „Idee“ des Bachelor bzw. Master. Diese Ausbildung entspricht internationalen Richtlinien, was vorher nicht der Fall war und Deutschland passte sich dem Rest der Welt auf seine Art und Weise an. Was in diesem Beitrag sehr richtig beschrieben ist: Für unser Bildungssystem und für unsere Kinder wird meiner Meinung nach nicht genug seitens der Politik getan. Es wird zwar über das marode Bildungswesen in Deutschland diskutiert, aber effektiv getan wird gar nichts. Dabei sind Kinder unsere Zukunft.

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