Weil es aber leichter ist, Mängel aufzufinden, als das Affirmative zu begreifen, verfällt man leicht in den Fehler, über einzelne Seiten den inwendigen Organismus des Staates selbst zu vergessen. Der Staat ist kein Kunstwerk, er steht in der Welt, somit in der Sphäre der Willkür, des Zufalls und des Irrtums; übles benehmen kann ihn nach vielen Seiten defigurieren. Aber der häßlichste Mensch, der Verbrecher, ein Kranker, und Krüppel ist immer noch ein lebender Mensch; das Affirmative, das Leben, besteht trotz des Mangels, und um dieses Affirmative ist es hier zu tun.

Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts. Frankfurt/Main 1970. S. 404. (Buch bei Amazon kaufen)

Ich würde mir wirklich, bei allen Vorbehalten den Argumenten Hegels gegenüber, wünschen, dass dieser hier zitierte Gedanke verstanden würde. Dann wäre Kritik wieder zielgerichtet und nicht bei jeder Äußerung eines unserer Politiker gleich alles in Frage gestellt, bloß weil diese Äußerung eines der Grundfesten unseres Staates in bestimmter Auslegung anknackst. Ich würde mir auch lieber die Hand abhacken, als sie für Schäuble bei einer Wahl zu heben, aber wie hier schon dargelegt wurde, hängt unsere Demokratie nicht von Schäuble ab. Selbst, wenn es tausend Schäubles gäbe. Das ist in etwa so ein Argument, wie den Sozialismus ob seines Nicht-funktionieren als eine schlechte Theorie zu bezeichnen. Damit will ich diesen nicht wieder zum Leben erwecken, sondern nur zeigen, dass auf „beiden“ Seiten mit dem selben Nicht-Argument gekämpft wird. Und das finde ich ermüdend.

# # # #

1. Dezember 2008