Man hört ja immer wieder von absurden Klagen aus den Staaten, wo Bürger sich von Konzernen und Firmen nicht ausreichend gewarnt fühlen und für die abstrusesten Verletzungen absonderlich hohe Entschädigungszahlungen bekommen. Man weiß angeblich nicht, dass Kaffee bei Mc Ronalds heiß ist, dass man Katzen nicht zum Trocknen in die Mikrowelle stecken darf, dass Rauchen ungesund ist und was weiß ich noch alles. Ferrero hat es diesmal getroffen:

Die im kalifornischen San Diego lebende Athena Hohenberg, Mutter eines Kindes, hatte im Februar 2011 geklagt, weil Ferrero den süßen Brotaufstrich als „Beispiel für ein ausgewogenes und schmackhaftes Frühstück“ sowie als „gesünder“ darstelle, als er in Wirklichkeit sei.

Dass solche Klagen in Deutschland kaum Aussicht auf Erfolg hätten liegt an verschiedenen Rechtsschranken, aber auch daran, dass hier von einem gewissermaßen mündigen Bürger ausgegangen wird. Allerdings beobachte ich seit einigen Jahren, dass auch hier bei uns ein Denken einsetzt, was genau solche Beschränkungen der Hersteller fordert. Schaut man sich die Etiketten von Lebensmitteln an oder liest die Gebrauchsanweisungen von Elektronikartikeln, so häufen sich die Warnhinweise, detailliert aufgeführten Inhaltsstoffe, die dann doch wieder niemand kennt und es wird sogar darauf hingewiesen, dass der Inhalt von der Abbildung abweichen kann.

Ich finde das bedenklich. Ich finde es sogar bedenklich, wenn gegen diverse Banken geklagt wird, weil diese die eigene Rente, das „hart“ Ersparte verzocken, weil man ja nichts davon wusste, dass Verzinsungen von über zehn Prozent nicht einfach vom Himmel fallen. Ich finde es bedenklich, dass das Recht gerade stehen soll für unsere Leichtsinnigkeit und selbstverschuldete Uninformiertheit. Klar kann man nicht alles wissen, aber nicht erst mit Beginn des Internetzeitalters gibt es genug Möglichkeiten sich über die meisten Zusammenhänge gut genug informieren zu können, um den gröbsten Dummheiten aus dem Weg zu gehen. Den Rest nennt man dann Lebensrisiko. Und dass ein Produkt, was nur aus Schokolade besteht nicht gesund sein kann, und wenn da noch so viel Milch und Haselnüsse und was weiß ich denn drin ist, das muss man selbst als totaler Vollpfosten wissen. Und wenn man in gehöriger Experimentierlaune mit Microwellen hantiert, dann kann man doch bitte nicht erwarten,d ass jede Handlung, die man mit einem Gerät ausführen kann auch die richtige ist. Und das mit dem Kaffee: ich würde meinen Kaffee zurückgeben, wenn er nicht heiß wäre.

Bei Hegel wird das Recht erst ermöglicht durch mündige Bürger. Das heißt zwar nicht, dass nur mündige Bürger das Recht in Anspruch nehmen können, denn vor diesem ist auch bei Hegel jeder gleich. Aber ohne den mündigen und autonomen Bürger gibt es kein Recht. Wenn wir alo meinen, unsere Unmündigkeit rechtlich absichern zu können und zu wollen, dann heben wir damit die Grundlage des Rechts auf.

Wir müssen selbstverständlich Konzernen nicht erlauben alles behaupten zu dürfen, sie aber für unsere eigene Dummheit in die Haftung zu nehmen muss auch nicht sein. Denn so zwingen wir sie in einen bescheuerten Kreislauf: sie müssen sich ständig neue Marketingdinge ausdenken, weil die alten schon beklagt wurden. Dann wird von linksdrehenden Kulturen, probiotischen Sonstwas und isotonischem Gedöns erzählt, nur damit wir dann in ein paar Jahren wieder Klagen, dass das alles leere Phrasen sind und man sich mit Weizenbier doch nicht allein ausgewogen ernähren kann?

Das können wir nicht wollen.

29. April 2012