Ich lese mit großem Interesse die Berichterstattung über Christian Klar und die RAF. Ein Thema, was ein großes Stück deutscher Geschichte ausmacht und die Entscheidung über die Freilassung des RAF-Mörders ist von großer Brisanz. Ich habe, schon vor einiger Zeit, bei Henning eine Einlassung zu diesem thema gelesen, auf die ich antworten möchte. Ich bin nicht ganz anderer Menung, denke aber, dass der Artikel „Christian Klar die Zweite“ in einem Punkt nicht richtig ist.

Henning schreibt:
„Aus Formulierungen wie „er wünsche sich die Niederlage des Kapitals und das die Tür für eine andere Zukunft aufgestoßen werde“ abzuleiten Klar sei weiter gefährlich,halte ich aber für ziemlich hanebüchen.Klars Äußerungen mögen eine sozialistische Weltsicht offenbaren,das allein heißt aber noch lange nicht das Klar noch immer den bewaffneten Kampf unterstützt.Den Untergang des Neonliberalen Kapitalismus wünschen sich beispielsweise auch teile der PDS,oder bestimmte Strömungen in Uni Parlamenten,von den Millionen Menschen die sich derzeit in den sozialen Bewegungen Lateinamerikas engagieren mal ganz abgesehen.Wollen wir die jetzt alle dafür in Haft nehmen? Wohl kaum.“

Ich denke, dass hier eine wichtige Differenzierung nicht gemacht wurde. Klar ist ein verurteilter Mörder, die Teile der PDS, die Strömungen in den Uni Parlamenten und auch die Millionen anderen Anti-Kapitalisten eben nicht. Weit wichtiger, als die Tatsache, dass Klar ein gemordet hat, ist der Punkt aus welchem Motiv er getötet hat. Klar hat im Namen des Anti-Kapitalismus gemordet! Aus eben dieser Überzeugung ist die Tat entstanden. Er hat getöten um dem Kapitalismus abzuschaffen. Das hat niemand der von Henning angeführten Millionen Kapitalismusgegner getan und das ist ein entscheidender unterschied.

Ich will nicht behaupten, Klar wäre wegen dieses Zitats gefährlich. ich will mir auch kein Urteil anmaaßen, ob er frei kommen soll, denn das ist allein Aufgabe der Juristen. Moralisch gesehen halte ich es aber höchst zweifelhaft einen Menschen frei zu lassen, der wegen seinem Anti-Kapitalistischen Denken getötet hat und dieses nicht aufgegeben hat. dabei geht es nicht um seine ideologische Einstellung, diese ist ihm natürlich erlaubt, so sie Verfassungskonform ist. Es geht vielmehr darum, dass sich Klar bis heute nicht von seinen Taten distanziert hat, die Opfer um Entschuldigung gebeten hat und auch bei seiner Kritik mit keinem Wort erwähnt hat, dass Gewalt der falsche Weg ist um seine Ideale zu erreichen. Warum hat er das nicht gesagt?

Niemand kann ihm seine Meinung verbieten, aber auch nicht Gesagtes ist eine Aussage. Christian Klar hat es versäumt der Gewalt abzuschwören. Bei verurteilten Schwerverbrechern dann weiter vorsichtig zu bleiben, das halte ich durchaus für gerechtfertigt.

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19. März 2007

Kommentare

In diesem Zusammenhang möchte ich auf einen interessanten Artikel in der Zeit verweisen („Lust an Gewalt“ von Jan Philipp Reemtsma, 8.März 2007): Der Autor versucht in diesem Artikel die Hintergründe und Motive der RAF und ihrer Taten darzulegen. Er stellt meiner Ansicht nach recht überzeugend dar (nutzt dazu Dostojewskis „Dämonen“ als Vergleich), dass hinter den Morden eben nicht in erster Linie Antikapitalismus steckt, sondern vielmehr eine Frage sozial-psychologischer Gruppendynamik und Selbstdarstellung. „Wer über seine Motive Auskunft gibt, möchte, dass andere sein handeln akzeptieren oder er selbst als jemand erscheint, der ein gewisses Recht darauf hat, sein eigenes Handeln zu akzeptieren.“ Eine These, die durchaus auch über das diese Thematik hinaus, ein bisschen Grübeln wert ist.

Den habe ich gelesen und wollte ihn eigentlich noch einbauen um meine Kritik stärker zu untermauern, bin aber nicht mehr dazu gekommen. Es ist für die Aussage auch egal, denn woraus er nicht gelernt hat bzw. nicht zeigt, dass er gelernt hat, ist nicht wirklich wichtig. Ich wollte ja weg von der Kapitalismuskritik, er hätte auch sonstwas anderes sagen können, entscheidend ist meiner Meinung nach, dass er nicht bereit ist, sein Vergehen einzugestehen und Einsicht zu zeigen.

!!! Aber kannst du nicht bitte mal deinen Blog angeben, wenn du hier kommentierst? Ich versuch deinen Blog vernünftig zu machen, dass du auch Besucher hast und du sabotierst das dadurch, so kommst du aus der "Sandbox" nicht raus!

Hallo

Also was die Kritik an meinem Eintrag betrifft. Ich gebe gerne zu das ich hier eine Wichtige Unterscheidung nicht gemacht habe. Deine Forderung nach einer Entschuldigung Klars als Voraussetzung für eine Begnadigung lehne ich aber ab. Natürlich ist eine solche Forderung moralisch verständlich massgeblich ist in diesem Land aber immernoch das Gesetz. Dieses sieht nun mal keine Entschuldigung als Voraussetzung für Begnadigungen vor Punkt. Außerdem stellt sich doch auch eine andere ethische Frage, nämlich die wann aus Bestrafung Rache wird. Ist nach 25 Jahren das Bestrafungs und Abschreckungs Interesse der Gesellschaft nicht erfüllt? Würde eine weitere Einkerkerung Klars nicht nichts weiter sein als Rache ? Mörder hin Mörder her die Humanität gebietet eine Begnadigung. Außerdem hat kaum ein Nazi Täter so lange gesessen wie die letzten Rafler. Albert Speer zum Beispiel kam nach 20 Jahren anstandslos frei. Ich weiss sehr genau das solche Vergleiche problematisch sind aber ich musste es jetzt trotzdem mal loswerden.

Endlich mal ein Thema, bei dem ich mit reden kann =)

Was ich von der ganzen Sache halte, habe ich unter http://chris-b-online.de/bl… schon erläutert.

Ich stimme Hennings letztem Kommentar voll und ganz zu.

Außerdem:
Die RAF hat gemordet um ein System abzuschaffen, dass sie nicht haben will.
Goerge Busch macht das seit geraumer Zeit in ganz großem Stil. Wieso fährt dem keiner an den Karren? Wo liegt der Unterschied? Die Menschen, die die Amis unschuldig auf dem Gewissen haben, sind ja wohl viel mehr gewesen als die "Paar", die durch die RAF gestorben sind.

Ich möchte die Morde nicht legitimieren oder so aber mir fehlt bei der ganzen Diskussion irgendwie Objektivität, Relation und Gerechtigkeit.

Gruß Chris

Eine Tatsache in diesem Zusammenhang scheint mir oft ignoriert zu werden. Das Recht des Bundespräsidenten einen Verbrecher zu begnadigen ist nicht fester Bestandteil des deutschen Strafrechts, sondern eine absolute Ausnahme, die natürlich auch nur unter gewissen Bedingungen greifen kann. Wenn es nach dem gewöhnlichen Strafrecht ginge, und ich denke, dass erkennen hier alle zumindest in seinen Grundzügen als Ausdruck der Gerechtigkeit an, würde Christian Klar noch bis 2009 im Gefängnis sitzen. Er wurde bestraft und er muss die Strafe absitzen. Das ist die Regel.

Die Ausnahme hingegen ist, dass ein Verbrecher vorzeitig durch Begnadigung vom Bundespräsidenten entlassen wird. An diese, in einem funktionierenden Rechtsstaat durchaus zweifelhafte Regelung, können meiner Meinung nach problemlos hohe Anforderungen gestellt werden. Eine davon sollte Reue bezüglich seiner Taten sein. Denn wie soll man bitte den Angehörigen der unschuldigen Opfer erklären, dass der Mörder ihrer Lieben zwar keineswegs bereut, was er getan hat, unser Staatsoberhaupt es allerdings trotzdem für sinnvoll hält seine Strafe entgegen der Regeln des Strafrechts zu mildern?

Dass er nicht seine politische Einstellung revidieren muss, ist auch meine Meinung. Vergessen sollte man jedoch nicht, dass es hier kein Standardprozedere ist auf das Christian Klar in irgendeiner Form Anspruch im Namen der Gerechtigkeit hat. Es geht hier höchstens um Gnade, also wohlwollende, UNGESCHULDETE Zuwendung. Die Frage ist also ob er sich dieser würdig erwiesen hat. Ich persönlich masse mir mangels Einblick nicht an das zu beurteilen.

Ok, da möchte ich dann doch noch drauf eingehen. Ich fange mit Henning an. Ich habe extra gesagt, dass die formalen Beurteilungen Juristen übernehmen sollten, nicht ich, auch nicht du. Ob das so stimmt wie du gesagt hast, kann sein, weiß ich nichjt, werden andere besser wissen. Wann Bestrafung Rache wird will ich auch nicht beurteilen wollen, so weit hänge ich mich nicht aus dem Fenster. Das Speer nach 20 Jahren aus dem Knast gekommen ist, finde ich auch moralisch falsch, hat aber mit diesem Fall nichts, rein gar nichts zu tun, sondern müsste gesondert betrachtet werden. Vergleiche finde ich prinzipiell richtig, rechts-links-Vergleiche hinken aber meistens. Ich wollte darauf aufmerksam machen, dass es nicht seine linke Aussage macht, die ihn in meinen Augen moralisch disqualifizieren, sondern das, was er nicht gesagt hat. Aber wo wir schon bei hinkenden Vergleichen sind, was hällst du von dem:
Ein verurteilter Kinderschänder grüßt alle Kinder in Deutschland, öffentlich und sagt, wie geil er sie findet. Er hat keine Straftat begangen, naja vielleicht doch, das ist nicht entscheidend, er hat keine Tat angekündigt. Aber kein Mensch wird ihm abkaufen, dass er seine Tat, wegen der er verurteilt wurde, nicht wiederholen würde, oder?
Der Vergleich hinkt auch, keine Frage, aber diese Relation sehe ich eher als rechts-links- Vergleiche aufzumachen, die interpretation sind, aber an dem Faktum vorbeigehen, dass Klar ein verurteilter Mörder ist, egal ob links oder rechts. Das ist auch mein Seitenhieb an Chris-B. Wo bitte siehst du die Objektivität in einem Vegleich von Klar und Bush. Das die beide was falsch gemacht haben? Ne oder? Es mag sein, ich enthalte mich zumindest in diesem Post der Meinung zu Bush, dass dieser auch ein Verbrecher ist, aber das hat nichts, rein gar nichts mit dem Fall Klar zu tun. Ich habe ihn moralisch nicht verurteilt, wil er ein RAF-Mörder ist, sondern weil er ein Mörder ist. Dass er ein Raf-Mörder ist, mag der Grund für diesen Artikel sein, aber den Inhalt beeinflusst das nicht.

Ich frage mich ja ernsthaft was es eigentlich bringen soll wenn sich Klar entschuldigt.Sie macht keinen wieder lebendig , und Zu einer Entschuldigung kann niemand gezwungen werden auserdem bin ich kategorisch gegen Lippenbekenntnise.
Ach ja und ich lehne entschieden Klar Bush Vergleiche ab das istt einfach nur billig

Soweit ich weiß beurteilen Psyschiater, Christian Klar als nicht mehr gefährlich.
Und das glaub ich jetzt einfach mal.

Insofern macht es keinen Sinn ihn über die Höchststrafe hinaus noch länger festzuhalten.

Moralisch sieht es da natürlich anders aus, wobei man hier natürlich wie Henning es auch tat die Frage aufwerfen muß „wann aus Bestrafung Rache wird ?“.

Ich denke er sollte spätestens nach Verbüßung der Höchststrafe frei gelassen werden.
Wobei ich auch andere Meinungen akzeptiere, da dies wirklich ein heikles Thema ist.
Das übrigens hier sehr interessant diskutiert wird.

Bernhard, es geht aber momentan um die vorzeitige Entlassun, die begnadigung, nicht darum, ihn noch länger im Gefängnis zu behalten. Das steht nämlich, zumindest momentan, nicht zur disposition.

@Soeren

Es tut mir leid wenn ich mich mißverständlich ausgedrückt habe.

Ich wollte auch die Aussage mit beantworten (die gar nicht so selten getroffen wird), dass Christian Klar ohne Entschuldigung gar nicht frei gelassen werden sollte.

Mir ist klar, dass Ihr von der Begnadigung geredet habt, wollte allerdings einfach das ganze Meinungspektrum abdecken.

My fault.

Einmal abgesehen davon ist mein Kommentar auch meine Meinung.

Ist schon gut, du musst dich nicht entschuldigen, erst recht nicht für deine Meinung, die ich akzeptiere. Ich wollte nur sicher gehen, dass der Fehler nicht wiederholt wird, sonst redet man aneinander vorbei und keiner weiß so wirklich worum es dem anderen wirklich geht.

[…] Klar eben im Gefängnis. Da, wo er seit 1984 sitzt, und endlich bereuen soll, vor kurzem als Kapitalismusgegner aufgetreten zu sein – am besten öffentlich. Er forderte eine andere Welt, aber die bekommt er […]

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