Ich habe heute ein Bild auf Instagram gepostet, was für mich selbst Fragen aufwirft. Das Bild oben. Es stellt die Hintern einer schönen Frau in den Fokus. Durch den Lichtschacht einer Mittelformatkamera. Es soll neue Follower begrüßen, und ist garniert mit einem halb lustigen Spruch.

Meine Bilder sind übrigens für’n Arsch (sexistisches Symbolbild*). Nur damit sie es wissen liebe Neufollower und sich später nicht beschweren, es hätte sie ja niemand gewarnt.

Ich bin mir bei diesem Bild tatsächlich nicht ganz sicher, ob es sexistisch ist, oder nicht. Allein als Symbolbild recht sicher, aber auch als Objekt, wo in der Fotografie jeglicher Körper als Objekt dient, ja dienen muss? Was ist nicht diskriminierende Fotografie? Ist es die Möglichkeit in einem Bild noch mehr zu sehen als das Objekt, ist Ästhetik davor gefeit sexistisch zu sein? Wo ist die Grenze zur Ausrede?

Das Problem ist ähnlich gelagert wie die Frage, was Satire darf. Rein rechtlich darf Satire und eben auch die Kunst sehr sehr viel, aber nicht alles. Satire und Kunst sollen die Gesellschaft hinterfragen dürfen, sie in Frage stellen dürfen, sie auch hinterlaufen, aber auch ihr eigentliches moralisches Niveau unterlaufen?

Ich unterstelle mir das selbst nicht, aber ich frage mich schon seit langem, wo eigentlich die argumentative Grenze verläuft. Ich denke, dass ein Bild mehr als nur das Objekt zeigen sollte. Dass man an Farben, Kontrasten, Bildaufbau, Bildeinteilung, Technik, etc. noch mehr entdecken können sollte, als das Objekt. Wohlgemerkt egal, ob es einen weiblichen Körper, Körperteil oder irgendein anderes Objekt zeigt. Nur sind schlechte Landschaftsaufnahmen eben nicht diskriminierend und werfen deshalb weniger Fragen auf.

Es kommt also auf die Qualität des Bildes an und seinen Kontext. Das „beste“ Bild kann im falschen Kontext, hier als Symbolbild, sexistisch sein und in anderem Kontext eben Kunst sein. Aber Qualität meint hier nicht allein Handwerk, sondern auch der Gedanke, der zum Bild führt. Was will ich zeigen, ist es nur der schöne Hintern oder will ich ein Foto machen, was zwar den Hintern zeigt, ihn eventuell sogar in den Vordergrund stellt, aber eben noch mehr kann. Auch wenn dieses Mehr vielleicht nie letztgültig argumentiert werden kann. Aber ich müsste diesen Willen, ein Foto zu machen und nicht nur ein Objekt zu zeigen, argumentieren können, auch wenn mir das vielleicht nicht immer, und bei jedem gelingt.

Man ist für seine Rezipienten durchaus verantwortlich, wegen des Kontextes, aber eben auch nur bedingt, denn die Folgen der eigenen Handlung können schon seit Kant nur bedingt in die moralische Bewertung aufgenommen werden. So muss sich auch Jürgen Teller fragen lassen, ob Kim Kardashian Hintern Kunst und/oder Kommerz ist und zum Lästern/Objektivieren einläd, oder genau dies zeigen soll und so einer likegeilen Gesellschaft den Spiegel vorhält, wie Anika Meier schreibt:

Kim Kardashian in fleischfarbener Unterwäsche auf einem Erdhügel. Von diesem Foto wollte jedenfalls fast jeder ein Foto. Für Instagram. Um sich über die Pose lustig zu machen, oder den Hintern, oder um Bewunderung zum Ausdruck zu bringen. Denn Fans soll sie ja auch haben. Zumindest hat Kim Kardashian 52 Millionen Follower auf Instagram. Quelle: Monopol Magazin

Das handelsblatt hat passend zum Thema einen Fotowettbewerb ins Leben gerufen. Wir brauchen neue Frauenbilder. Frauen werden im beruflichen Kontext zu häufig auf Sexyness reduziert. Und das spiegelt sich eben auch in den verfügbaren Symbolbildern wieder. Und genau in diesem Zusammenhang wäre mein Bild oben völlig fehl am Platze, genau das meine ich mit kontextueller Bewertung.

Wie entscheidet ihr das, was denkt ihr über meine Gedanken und Fragen, wie beantwortet ihr die für euch?

15. Februar 2016