Ich will euch regelmäßig mit guten oder bedenkenswerten Artikel aus dem Internet versorgen, die täglich in meinem Feedreader aufschlagen, ich aber keine Zeit/ Lust finde, diese ausführlich zu besprechen und mir weiterführende Gedanken in einem Artikel zu machen. Man kann es die unverdaute Empfehlung nennen, euch zutrauend, die euch vorgesetzten Bissen selbst verdauen zu können. heute mit zwei amüsanten und einer sehr bedenklichen Begebenheit. Bei der letzten Empfehlung bin ich noch sehr unentschieden, ob ich lachen oder weinen soll, ob dieses Bildes des Beißreflexs eines sich bedroht fühlenden Hundes.

Allgemeinbildung | Ein junger Mann versucht zu studieren und hat anscheinend enorme Probleme damit. Köstlich.

Eine Straftat des Staatsanwalts | So schlagfertig möchte ich auch manchmal am Telefon sein. Ein Staatsanwalt ruft einen Rechtsanwalt an und verlangt die Herrausgabe der Kontaktmöglichkeiten eines Mandanten. Die Antwort lest selbst…

Provinzcowboywillkür gegen Jungvermählte | Unglaublich, dass so etwas passieren kann. Das Flitterwochenquartier eines jungvermähltes muslimisches Paar wird morgens von der Polizei gestürmt, weil Anwohner ein südländisches Pärchen nachts ohne Auto in ein Haus haben gehen sehen. Dass solche Paranoia in ländlichen Gefilden mit zur Gepflogenheit zu gehören scheint, geschenkt, aber dass sich die Polizei aufgrund eines solchen „Verdachts“ zu einem Einsatz hinreißen lässt, ist Wahnsinn. Unbedingt lesen!

Der Qualitätsjournalismus wird gegen das böse Internet obsiegen | Eine Antwort auf die Rede Frank Schirrmacher bei der Verleihung des „Jacob-Grimm-Preises“. Auch wenn ich kein Anhänger des Glaubens an die unbedingte Qualität der Masse und damit des Internets bin, so unglaublich ist doch die Abgrenzung des sogenannten „Qualitätsjournalismus“ gegen das teuflische Internet und die Paralellen zwischen der Gutenbergschen Medienrevolution sind mir auch schon gekommen. Doch lest selbst beim Spiegelfechter, immer wieder empfehlenswert.

30. Oktober 2007

Kommentare

Leider bin ich bisher nur dazu gekommen den Text „Provinzcowboywillkür gegen Jungvermählte“ zu lesen. Inwiefern dieser Text empfehlenswert sein sollte ist mir unklar.
Für mich hat sich das gelesen wie ein Kampfschreiben der Antifa oder der „Roten Hilfe“ (kennt jemand diesen Aufkleber von der Roten Hilfe? Zwei Soldaten mit Stahlhelm auf dem Kopf, Gewehr in der Hand und Handgranaten im Stiefel ziehen einen Arbeiter (der Kleidung nach zu urteilen) aus seiner Wohnung (als Comic gezeichnet). Darunter steht dann so etwas wie: „Keine Kooperation mit den deutschen Repressionsorganen“ oder zumindest etwas in dieser Richtung.) Diese Ausführung des besagten Aufklebers gehört zwar eigentlich nicht direkt zum Thema aber er scheint mir ähnlich pathetisch, überspitzt und hysterisch wie es besagter Text ist.
Ein Polizist macht eine Bemerkung über das scheinbar südländische (ach es juckt, es juckt so sehr, ich hätte gerne der Provokation, nicht der Überzeugung wegen „undeutsch“ statt „südländisch“ geschrieben (Links ist der, der Böses dabei denkt.)) Aussehen des männlichen Überfallopfers. Ich hatte, als ich diese Stelle der Schilderung gelesen habe, schon eine Vorahnung auf Kommendes. Und?
Natürlich, jetzt folgt die völlig überzogene Kritik (Man muss wahrlich einen moralischen Absolutheitsanspruch haben um so zu kritisieren. Man schaue einmal in die Geschichte, wer hatte diesen Anspruch nicht? Frage des Tages: Warum leisten sich geistig Retardierte Moral?) Sofort wird der moralisch-sozialdemokratische Vorschlaghammer aus dem Sack gelassen und es hagelt Vorwürfe. Übrigens keine Vorürfe die ich nicht bereits einige tausende Male gehört habe. Ja die bösen, bösen und nochmals bösen Polizisten, die, in GSG 9 manier, zwei Muslimen den Urlaub versauen (die GSG neun wartet normalerweise nicht bis jemand die Tür öffnet). Die Polizisten sind selbstverständlich wortkarg, sehbehindert und zu dämlich um sich verständlich zu Artikulieren. Die zutiefst rassistische Bemerkung setzt dem ganzen schließlich die Krone (oder das Sahnehäubchen?) auf. Oh mein Gott, wie konnte dieser rassistische, menschenfeindliche Neofaschist es bloß wagen eine Bemerkung über die schwarzen Haare Omars machen? Er ist ja schließlich Deutscher! (Allein diese Behauptung ist problemtisch. Was sind die Kriterien für „deutsch sein“? Das Aussehen? Wahrscheinlich nicht! Die Staatsangehörigkeit? Möglich! Die Sozialisation? Vielleicht! Die Sprache? Kann sein! Oder etwa Blut? Nein, nein ich scherze, oder!?) Ich will nur darauf hinweisen das es Leute gibt die sich an solchen allzu schnellen Urteilen stoßen können.
Polizisten, man muss sie nicht mögen, die eine Bemerkung auf die im Text beschriebene weise gemacht haben, als Rassisten zu bezeichen finde ich abenteuerlich. Es ist lediglich eine Art Angst vor Unbekanntem, die ist allerdings nicht nur unter Polizisten verbreitet.
Dieser Anspruch, dieser moralische Anspruch der den ganzen Text durchdringt und ihn mit einem Schmierfilm überzieht ist widerwärtig. „Konstruktion von Andersheit“, wenn es nicht so weh täte könnte ich darüber lachen.
Ich werde meinen Kommentar an dieser Stelle abbrechen, in der Kritik des oben genannten Artikels steckt mehr Potenzial als man in einem Kommentar einigermaßen verwerten könnte. Eines möchte ich aber abschließend und als Verweis auf von mir folgende Artikel anmerken.
Es scheint eine Toleranzpflicht in linken aber auch in gemäßigten politischen Kreisen zu herrschen (die im Text voll zur Geltung gelangt). Muss ich Omar und seine Frau lieben weil sie Muslime sind, muss ich sie dafür lieben, dass sie nicht anders sind, dafür das sie Menschen sind? Warum? Mensch zu sein ist kein Verdienst, die Achtung eines Anderen will verdient werden. Wozu also all die Empörung, die Angst vor Hass und Verachtung. Warum darf man nicht Menschen, die man nicht kennt, in Schubladen einordnen? Warum darf man sie nicht kategorisieren, auf seine Voruteile hören und sie meiden, sie verachten. Muss man sich „Moral“ leisten? Muss man sich Toleranz erlauben?
Ich will weder meinen Nächsten noch meinen Fernsten (Das ist geklaut, ich weiß, ich weiß) gernhaben müssen, anhören müssen oder tolerant gegen ihn sein müssen. Ich schließe mit einem Zitat: „Toleranz ist ein Beweis des Misstrauens gegen ein eigenes Ideal.“ – Friedrich Nietzsche (Jetzt mache ich scheinbar einen Fehler, tue das was ich vorhin noch kritisiert habe. Ich setze das eigene Ideal (nennt es meinetwegen Prinzipien oder „moralisches“ Ideal) als absolut (Wer kommt darauf was ich anders mache? Tipp: Eine Frage des Anwendungsbereiches).

Meiner Meinung nach bringst du hier einige Dinge durcheinander, die ich versuchen will aufzuklären. Nicht, um die Auswahl dieser Empfehlung zu rechtfertigen, denn allein dein langer Kommentar zeigt schon, dass der Artikeldazu anregt, sich mit ihm auseinander zu setzen. Ich will dir vielmehr eine Pauschalisierung vorwerfen, die du gerade dem Artikel bzw. der Linken an sich vorwirfst. Dadurch wird deine Kritik nicht geschmälert, sondern in meinen Augen lediglich unscharf.

Du setzt hier MaloXP (Dem Autor des Artikels) gleich mit einer Linken, die man sicher so wie von dir geschehen, persiflieren kann und ihr den Aufkleber des Gegen-Alles Seienden aufbappen kann, aber ob das die geschilderte Situation klarer begreifen hilft, bezweifle ich. Du unterstellst dem Autor einen moralischen Absolutheitsanspruch und eine falsche Toleranz, aber, frage ich dich, ist das nicht genauso abenteuerlich, wie den Polizisten ungeprüft Rassismus zu eigen zu machen? Darf man sich nicht mehr aufregen, wenn Freunden so etwas widerfährt?

Aber ich habe den Artikel nicht wegen der Schlussfolgerung MaloXPs verlinkt, dass man aus diesem Fall schließen könnte, dass die Polizei faschistisch durchsetzt ist, denn da gebe ich dir ganz und gar Recht, das kann man nicht. Aber dennoch ist dieser Einzelfall bedenklich, auch wegen der Einstellung der Polizei, egal wie sie Motiviert ist:

Ein Pärchen kommt in ein Dorf, ohne Auto. Südländisch aussehend. Es wird der Polizei gemeldet.

Soweit die Fakten. Warum in aller Welt, sollte das einen Polizeieinsatz rechtfertigen? Wo kommen wir denn da bitte hin, wenn es reicht, nachts irgendwo anzukommen, ohne Auto, um anderntags von Polizisten aus dem Bett geholt zu werden? Egal ob man südländisch aussieht, oder einen ganz kriminell aussehenden Kapuzenpulli tragen mag. Was sind das denn bitte für Indizien? Wieviel unserer Grundwerte werden da unter dem Deckmantel der Sicherheit veräußert? Und ich benutze ganz bewusst das Vokabular der Schäublediskussion.

Soll es wirklich in Zukunft ausreichen, dass ein verängstigter Anwohner Paranoia hat, um die Privatsphäre stören zu dürfen? Egal ob diese Paranoia durch die ewige Panikmache einiger Politiker, durch Rassismus, gar Faschismus, oder einfach durch die frühkindlich hervorgerufene Ängstlichkeit eines Anwohners hervorgerufen wird. Soll das wirklich einen Polizeieinsatz rechtfertigen?

Darüber darf man doch sicher diskutieren, auch ohne einen absoluten Moralanspruch. Denn man kann an diesem Fall die grundsätzliche Verständigung der Gesellschaft zwischen Sicherheit und Grundrechten diskutieren, ganz ohne einem der Polizisten Rassismus oder ähnliches unterstellen zu müssen. Wenngleich man auch anerkennen muss, dass ganz dezidiert darauf hingewiesen wurde, dass der Einsatz durch das südländische Aussehen mitbegründet wurde.

Du musst niemanden lieben und kannst auch jeden die Auserwählten hassen. Auch der Polizist darf das, allerdings nicht in seiner Funktion als Polizist. Dort muss er nach dem Grundsatz handeln, dass jeder vor dem Gesetz gleich ist. Deshalb verstehe ich deine Moralfrage nicht. Wir reden hier nicht über Nachbarschaftsstreitigkeiten, sondern staatliche Aktionen, die aufgrund unseres Grundgesetzes zu beurteilen sind. Und aufgrund dessen darf das südländische Aussehen keine Rolle spielen.

Ich würde gerne noch weiter auf dein Verständnis von Toleranz eingehen, explizit auf das Verständnis Nietzsches, aber dafür werden wir sicher ein anderes Mal Zeit finden, da es zu weit von den Begebenheiten wegführt. Festzustellen ist, dass du dir keine Moral, keine Toleranz leisten musst, der Staat aber schon. Man könnte allerdings noch diskutieren, inwieweit Unschuldsvermutung und die Gleichbehandlung vor dem Gesetz Tolerant oder Moralisch sind.

Dem Autoren widme ich im Prinzip kein einziges Wort, von Gleichsetzung kann, denke ich, daher keine Rede sein.
Ich habe den Inhalt weitestgehend außer Acht gelassen. Es ging mir nicht um das „Was“ sondern vielmehr um das „Wie“.
Den Vorwurf der Pauschalisierung der Linken muss ich mir gefallen lassen. Durchaus, ich pauschalisiere, es geht nicht um Einzelfälle, um Individuen oder Subjekte sondern um Strömungen, um Tendenzen der Masse (der linken Masse). Natürlich gibt es „Linke“ die nicht in mein Schema, in meine Schublade passen.
Welche politische Überzeugung der Autor des Textes vertritt ist mir grundsätzlich egal und auch unwichtig. Mein Augenmerk lag vor Allendingen auf der Form, dem Stil und den Stilmitteln welche der Autor in seinem Bericht verwendet.
Eben Aufgrund dieser Form schien mir dieser Text beispielhaft für den Dogmatismus und die Paranoia der beharrlich Linksverbohrten.
Des Weiteren könnte ich mir durchaus vorwerfen, nicht gesagt zu haben was ich nicht sagen wollte.
Ich habe an keiner Stelle behauptet, dass der Polizeieinsatz gerechtfertigt gewesen wäre. Genau genommen habe ich diesbezüglich überhaupt nichts gesagt.
Mir ist lediglich aufgefallen das hier von Seiten des Verfassers äußerst dick aufgetragen wird.
Die Polizeibeamten werden den Einsatz wohl kaum aus besonderer Boshaftigkeit oder Fremdenhass durchgeführt haben. Verwunderlich, dass gerade „Linke“ oder „Soziale“ stets das schwächste Glied in der Hierarchie als Prügelknaben heranziehen. Das Problem einer Islamophobie, so es eine solche überhaupt gibt, fängt deutlich früher an als bei einem gewöhnlichen Streifenpolizisten. Stichwort: Medien. Obwohl man bei Konsequenter suche nach der Wurzel des Problems wohl eher auf „Auslandseinsätze“ stieße (der Krieg kommt zurück).
Noch mal zurück zum pöhsen, pöhsen Polizisten. Man stellt einen Anspruch, nämlich einen moralischen, an Menschen die in den meisten fällen diesem Anspruch nicht gerecht werden können. Man muss Polizisten (ja, ja, natürlich nicht alle) und auch andere Personengruppen als Werkzeuge begreifen, als Befehlsempfänger (Was ist besser als zu zerstören? Zu steuern, zu lenken.)Nicht das Werkzeug darf das Objekt der Empörung sein, sondern diejenigen die dieses auf eine bestimmte Art und Weise benutzen.
Eines noch zur Toleranzdiskussion . Mir scheint es hat sich bei dir das Gespenst der Objektivität eingeschlichen. Ein Polizist soll seine persönlichen Vorlieben, seine Sympathie für…, seine Antipathie gegen…, vor Dienstbeginn an den Kleiderständer hängen (einen Teil seiner Persönlichkeit abgeben)? So eine Art unbedingter Polizist, der eine Wertfreie (von eigene Werten frei) Entscheidung trifft? Du weißt selbst, dass das unmöglich ist und von keinem Menschen verlangt bzw. erfüllt werden kann. Selbst „der Staat“ (Wer ist das? Doch wohl Menschen.) kann dieser Forderung nicht nachkommen. Der Polizist hat das Recht dazu, den Einen anders zu behandeln als den Anderen, Einen aufgrund seines Aussehens gründlicher zu kontrollieren als den Anderen (ich werte nicht, ich stelle nur fest, gut und böse können wir erst einmal beiseite lassen). Der Rahmen seiner Willkür wird von der Gesetzgebung umrissen und begrenzt und nur der Einhaltung dieser, nicht aber der Befolgung irgendwelcher moralischen Normen (Moral? Von wem gesetzt? Der Masse? Pfui! Juristen? Dann gute Nacht!) ist er verpflichtet.
Auch der Polizist, der niemals nur Staatsorgan sein kann, hat das Recht auf Intoleranz im Dienst solange sie in dem ihm Vorgegebenen gesetzlichen Rahmen bleibt (Es gibt kein Gesetz das irgendjemanden zur Freundlichkeit verpflichtet).
Die Diskussion über Nietzsches Toleranzverständnis muss ich ablehnen, dafür reicht es dann bei mir doch noch nicht.
Das Nietzsche Zitat war lediglich als rhetorischer Taschenspielertrick gedacht. (Nach dem Motto: „Na, wenn Nietzsche das sagt dann muss es ja stimmen.“ Ich weiß, billig. Nietzsche zitieren ist meistens billig.)

Bei dem vielen Mist, den du da so erzählst, muss ich mich kurz zu Wort melden. Du schreibst:

„Der Polizist hat das Recht dazu, den Einen anders zu behandeln als den Anderen,“…

Das ist Unsinn. § 52 Abs. 2 Bundesbeamtengesetz schreibt fest: „Der Beamte muss sich durch sein gesamtes Verhalten zu der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes bekennen und für deren Einhaltung eintreten.“

Nicht nur rein subjektives Abwehrrecht gegen staatliche Eingriffe, sondern auch Teil der objektiven Werteordnung unserer freiheitlich demokratischen Gesellschaft ist der Gleichheitsgrundsatz in Art. 3. Dessen Absatz
3 eine Benachteiligung aufgrund der Abstammung verbietet. Ein Polizist, der jemanden alleine aufgrund der ausländischen Abstammung ohne weiteren sachlichen Grund in irgendeiner Form in seinen Rechten beschränkt, begeht zweifelsfrei einen Verstoß gegen die absolute Grundlage seiner Pflichten. Ich stimme dir zu, dass solche Regelungen praktisch nicht immer gänzlich umzusetzen sind, doch deine Aussage ist und bleibt falsch. Du schreibst ja selbst:

„Der Rahmen seiner Willkür wird von der Gesetzgebung umrissen“

Und glaub mir, dass die Gesetzgebung da sehr eindeutig ist. Schon fast wieder witzig ist folgende wohl rethorische Frage von dir:

„Warum darf man nicht Menschen, die man nicht kennt, in Schubladen einordnen? Warum darf man sie nicht kategorisieren, auf seine Voruteile hören und sie meiden, sie verachten.“

Menschen, die man nicht kennt, verachten? Ob man nun darf oder nicht, mir würd das doch sehr schwer fallen. Du sprichst einfach zu häufig von „Recht“ („Recht auf Intoleranz“) an Stellen, bei denen die Gesetzeslage eine komplett gegenteilige ist. Darüber hinaus hast du in deinem ersten Kommentar nun wahrlich nicht nur über das „wie“ des angesprochenen Artikels geredet. Oben von mir zitierte Aussage von dir ist nur ein Beispiel. Um die Kritik des „wie“ deiner Kommentare nicht zu kurz kommen zu lassen: Andauernd Klammern zu verwenden ist nicht gerade im Sinne flüssiger Lesbarkeit.

Du hast leider etwas missverstanden. Vielleicht war das mein Fehler, vielleicht habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt.
Das Recht auf Intoleranz beispielsweise ist kein Recht das explizit in einem Gesetzbuch steht. Ich habe jedoch gesagt, dass Gesetze einen Handlungsspielraum eröffnen, der je nachdem entweder sehr weit und groß ist oder aber eher eng und klein. In keinem Fall kann ein Gesetz diesen Handlungsspielraum derartig einengen und begrenzen das kein Platz für eine Interpretation dieser Gesetze bleibt. Ein Beispiel für große Handlungsspielräume bildet das Strafgesetzbuch der Sowjetunion besonders während der Stalinära. Die Gesetze wurden absichtlich so verfasst das man bei „richtiger“ Interpretation praktisch jeden Sowjetbürger wegen irgendeines Vergehens bezichtigen und schließlich verhaften konnte. Mit einer derartigen Schwammigkeit der Gesetzgebung begünstigt man natürlich Willkür und Tyrannei.
In meinen Kommentaren wollte ich nicht mehr sagen, und ich habe auch nicht mehr gesagt, als dass kein Gesetz alle Umstände in spezifischen Fällen berücksichtigen kann (man bräuchte ansonsten für jeden Fall ein eigenes Gesetz, wäre das denn noch ein Gesetz im eigentlichen Sinne des Wortes).
Man braucht also um ein Gesetz auf mehr als einen einzigen Fall anwenden zu können eine gewisse Allgemeinheit, d.h. ein Minimum an Interpretationsspielraum und somit auch an Handlungsspielraum.
Je allgemeiner das Gesetz, desto mehr muss man es interpretieren um es anwenden zu können. Je spezifischer das Gesetz, desto weniger kann und muss interpretiert werden, was jedoch aufkosteten der Flexibilität und Anwendbarkeit geht. Worauf ich damit hinaus will?
Der springende Punkt ist die Interpretation, die Auslegung. Kein Gesetz kann angewendet werden ohne ausgelegt und interpretiert zu werden. Eben diese Interpretation ist der Nährboden der Willkür. Dieser unschließbare Raum zwischen den Gesetzen und Paragraphen ist ein rechtsfreier Raum.
Was ein Gesetz nicht verbietet das erlaubt es. Da der Raum zwischen zwei Paragraphen nicht durch weitere Paragraphen oder Verbote geschlossen ist, kann und darf er mit jeglicher Form von Willkür und/oder Intoleranz gefüllt werden. Dies ist das Recht auf Intoleranz, des Anwenders im Sinne der Gesetzgebung.
Jede Gesetzgebung gesteht denen die diese Anwenden und somit Auslegen das Recht der Willkür zu in dem sie nicht das verbietet was sie nicht verbietet, also erlaubt.
Eine Gesetzgebung die sich die Auslegung verbietet kann nicht angewendet werden und ist somit als Gesetzgebung nutzlos. Natürlich muss ein Richter oder ein Polizist das geltende Gesetz für seine Anwendung zu Grunde legen, aber es kann ihm nicht vorgeschrieben werden wie er es anwendet. Vorschrift ist lediglich das der Polizist, Richter oder wer auch immer sobald ein bestimmter Fall von Verstoß, das heißt sobald ein, zwischen den Gesetzen aufgespannter Raum verlassen wurde, ein Gesetz angewendet wird, aber nicht wie es ausgelegt wird um zur Anwendung zu gelangen.
Du führst den Paragraphen 52 Abs. 2 des Bundesbeamtengesetzes an und gibst mir damit Recht. Das Gesetz schreibt anscheinend vor, dass der Beamte das Grundgesetz anwenden muss, aber nicht wie er es auslegt. Menschen sind vielleicht vor dem Gesetz gleich, nicht jedoch vor dem, der dieses Gesetz auslegt.
Auch wenn die Gesetzgebung (welche denn?) „sehr eindeutig“ ist kann sie nicht absolut präzise sein und lässt mithin Platz für Willkür. Das wiederum heißt sie billigt Willkür.
In der Praxis wird dem Polizisten (im Optimalfall) das gleiche Gesetz für die Anwendung auf verschiedene Personen zugrunde liegen, die Auslegung welche vom schalten und walten des Polizisten (oder vom Richter in höheren Ebenen) abhängt, kann jedoch zu zwei unterschiedlichen Ergebnissen führen. Ich wiederhole: Nicht was (nämlich die Gesetzgebung) ausgelegt wird ist unmittelbar von dem subjektiven Ermessen des Anwenders beeinflusst sondern wie es ausgelegt wird, wie eine Theorie auf die Praxis zur Anwendung gelangt.

„Nicht nur rein subjektives Abwehrrecht gegen staatliche Eingriffe, sondern auch Teil der objektiven Werteordnung unserer freiheitlich demokratischen Gesellschaft ist der Gleichheitsgrundsatz…“

Diesen Satz finde ich sehr belustigend, du siehst also wir haben beide Humor. Ich will diesen Satz erst einmal unkommentiert lassen, vielleicht kommst du bei nochmaligem Durchlesen selbst darauf. Na, einen kleinen Hinweis gebe ich dir: „Objektive Werteordnung“. (Frage: Wen gab es zuerst, den Menschen oder den Wert?)
Ich hoffe es kommt nicht so eine Antwort: „Objektiv weil demokratisch“. (Viele werden es nicht glauben aber….Nein! Auch die Demokratie ist nicht objektiv.)
Dass du Menschen die du nicht kennst, nicht verachten kannst (bist du Christ?) ist das Symptom eines mangelhaften Sprachverständnisses (Die Differenz von Hass und Verachtung wird verkannt, viel zu oft werden beide synonym gebraucht).

Die „objektive Werteordnung“ ist eine Begrifflichkeit der Grundrechtsdogmatik. Jedes Grundrecht verleiht nicht nur ein subjektives Abwehrrecht, das den Einzelnen gegenüber dem Staat zur Abwehr von Eingriffen berechtigt, sondern auch eine objektive Werteentscheidung, die auf das gesamte Recht Wirkung entfaltet. Das „objektiv“ bezieht sich also nicht auf die Werte, sondern auf die Richtung der Wirkung der einzelnen Grundrechte.

Ich stimme dir zu, dass eine Rechtsordnung ohne Auslegungsspielraum nicht funktionsfähig ist. Und genau da kommt die Werteentscheidung der Grundrechte ins Spiel. Diese füllt Auslegungslücken mit Leitlinien. Man spricht in diesem Zusammenhang von der Ausstrahlungswirkung der Grundrechte.

Insofern kann ich meine Ausführungen aus dem vorigen Kommentar nur bekräftigen. Ein Recht auf Intoleranz egal in welchem Rahmen oder Maß widerspricht der Grundkonzeption unserer Rechtsordnung.

Eine weitere Form der Lückenschließung zwischen möglichen Interpretationen des Wortlauts eines Gesetzes stellt die Rechtssprechung dar. Was nicht heißt, dass eine vollkommen leblose Rechtslage Ziel der Rechtswissenschaft und Rechtssprechung ist, denn sonst geht die Anspaßungsfähigkeit an gesellschaftliche Veränderungen verloren.

Wikipedia definiert Verachtung folgendermaßen: „Verachtung bedeutet, jemanden oder etwas nachdrücklich als schlecht oder minderwertig anzusehen, zu verschmähen oder als abscheulich einzuschätzen.“

Dazu brauch man doch wenigstens einen eigenen Eindruck von einer Person oder nicht?

Lieber Wowik,

wenn ich dein Pamphlet von allen Schichten der Polemik befreie, bleibt in der Substanz nicht anderes übrig als ein Haufen dümmlicher Klischees über „die“ Linken, die (falsche) Annahme es gäbe einen wie auch immer gearteten Hegemonialanspruch linker Geisteshaltung (Weißt schon: Die Political Correctness der Multikultischwuchteln) und eine diffuse Unzufriedenheit damit, dass ich mich über die Willkürbehandlung zweier Bekannter seitens der Polizei empöre. Na sowas. Konsequenterweise ist aber, trotz Abstraktion und Interpretation in Richtung des politischen und gesellschaftlichen Rahmens, in denen es stattfand, jene für mich die relevanteste Dimension der Auffassung des Geschehnens, die du in deinen ausdauernden Analysen völlig außen vorlässt: Mitgefühl. Ganz einfach. In der Tat halte ich es nämlich für schwierig, heutzutage in Deutschland Muslim zu sein und/oder „fremd“ auszusehen. Dieser konkrete Fall ließ mich das unmittelbar nachfühlen und verursachte ein nicht zu verhehlendes Gefühl von Ärger, Empörung, Ohnmacht. Diesem Gefühl machte ich in meinem Artikel Luft. Dass mein Ärger subjektiver Art ist, geschenkt. Ich schreibe ein Blog. Wenn ich sauer bin, pflege ich bei aller sonstigen Zurückhaltung, auch mal auf den Boden zu spucken. Dass du daraus einen „moralischen Absolutheitsanspruch“ konstruierst, ist aber lächerlich. Ich unterstelle der Polizei bzw. den Polizisten nicht, dass sie aus Spaß an der faschistischen Freude das Pärchen terrorisierten und ebenso wenig, dass die Polizisten Rassisten waren oder sind. Unter den klugen Philosophen, mit denen Du dich beschäftigt hast, ist bestimmt einer dabei, der dir den Unterschied zwischen „Rassist sein“ und „rassistisch handeln“ erklären kann. Recherchier das mal.
Aber zurück zum Mitgefühl: Dass Du anscheinend nicht in der Lage bist, nachzuvollziehen, wie man sich wohl fühlt, wenn man aus dem Bad kommt und ein Haufen Polizisten in Kampfmontur vor dir steht, Du anschließend erfährst, dass der Grund dafür dein merkwürdiges Aussehen war — das sagt in gewisser Hinsicht auch etwas über dich aus (nein, ich werde jetzt die durchaus auch bei mir vorhandenen Folien über FAZ-Feuilleton-Leser und Broderisten nicht rausholen). Es ist falsch, immer alles nur die pragmatischen Gläser zu sehen. Es kotzt mich an, wenn ich Sätze höre wie „Ist ja nichts passiert“ oder „Im Interesse der Sicherheit war das notwendig“. Glaubst Du, dieses Ereignis war das einzige der Art, welches Omar und Katrin erleben durften? Glaubst Du, es gibt Normalität für die beiden? Mein Lieblingssatz aus deinen Ausführungen ist „Nicht das Werkzeug darf das Objekt der Empörung sein, sondern diejenigen die dieses auf eine bestimmte Art und Weise benutzen“, wobei „Werkzeug“ sich auf die Institution der Polizei bezieht. Das ist ein ganz schön gefährlicher Unsinn, mein Lieber. Wenn eine Bürgerschaft beginnt, ihr Gewissen die Hierarchieleiter hinauf „outzusourcen“, ist man schneller in einem totalitären System, als einer „Godwin“ rufen kann.

Du schreibst, dass Du mir im Prinzip kein Wort widmest. Nun, dann ist es wohl mein Fehler, Sätze wie „Dieser Anspruch, dieser moralische Anspruch der den ganzen Text durchdringt und ihn mit einem Schmierfilm überzieht ist wiederwärtig [sic]. ‚Konstruktion von Andersheit‘, wenn es nicht so weh täte könnte ich darüber lachen.“ als Beleidigung zu empfinden. Ebenfalls schreibst Du, dass dir meine politische Einstellung prinzipiell egal ist. Was soll dann der Blödsinn von „Roter Hilfe“ und Antifa?

p.s.: Im Titel des Artikels fehlt ein „h“.

@MaloXP

ich habe gerade keine Lust mich mit einer längeren Diskussion, deinen verletzten Stolz betreffend, aufzuhalten.
Ich wiederhole: Meine Kritik bezüglich deines Textes richtete sich mehr gegen die Art und Weise wie du das Thema angesprochen hast. Diese „Art und Weise“ hat nun einmal jedes bestehende Vorurteil und Klischee über linke Betonköpfe das sich im Umlauf befindet bravourös bestätigt. Darum auch die Anspielung auf die Antifa und „Rote Hilfe“, dies sind nämlich zwei Gruppen die sich ebenfalls bemühen alle erdenklichen Klischees zu bestätigen.

Mitgefühl…ja, ja. Was erwartest du? Das ich sentimental werde und Emotionen heuchle? Das ich mich weinend zu Boden werfe und Gott frage: Warum nur? Warum gerade sie? Oder vielleicht das ich Domian anrufe weil dieses Ereignis mein Leben völlig aus der Bahn geworfen hat und daraufhin Alkoholiker geworden bin?
Ich kenne deine Bekannten nicht, das erschwert jedes „Mitgefühl“ erheblich und wenn du eine hoffnungslos subjektive Emotion zur Kerninhalt deines Textes machst ist es eben schwierig diesen Text, bzw. seinen Inhalt nachzuvollziehen weil eben die Emotion nicht nachvollziehbar ist (wenn du einen Hang zu großem Gefühlskino hast kannst du es auch „nachempfinden“ nennen). Nein, ich bin durchaus nicht in der Lage es „nachzufühlen“ wie es ist aus der Dusche zu kommen und vor Polizisten in Kampfmontur zu stehen. Ich kann es höchsten gedanklich rekonstruieren und ich glaube du würdest es an meiner Stelle ebenfalls nur nachdenken können.

Deine Kritik an meinem Verständnis einer Institution als Werkzeug hatte ich gewissermaßen erwartet. Sicher, wir müssen an alle die gleichen Ansprüche stellen, das große Moral- und Regelbuch der Weisswesten-Idealisten hervorholen und überprüfen ob auch jeder artig danach gehandelt hat… meine Güte, dass es solche Schöngeister gibt.

Du kannst von mir aus gerne „auf den Boden spucken“ wenn dir etwas nicht passt aber du darfst dich nicht wundern wenn sich dabei jemand angespuckt fühlt und dir auf den Tisch kackt.
Nun, ich wurde gebeten mich bei dir zu entschuldigen, auch wenn ich nichts widerwärtiger finde als eine Weichspüler-Diskussionskultur in der auf jeden Rücksicht genommen werden muss der sich nicht zu äußern versteht, dem das Wort keine Waffe in der Hand ist, möchte ich mich hiermit bei dir entschuldigen. (Freilich, ich weiß nicht für was, doch du weißt es bestimmt. Also ich wiederhole noch einmal ausdrücklich: Es tut mir aufrichtig leid, dass ich allzu scharf kritisiert habe, ich hatte nicht die Absicht die persönlich zu beleidigen.)

p.s. Kann man im Internet wirklich persönlich werden? Hier wo sich jede Persönlichkeit, jeder Charakter in die Summe seiner Aussagen verwandelt und seine Worte nicht mehr sind als ein paar Kilobytes und Pixel auf meinem Bildschirm?

Mit freundlichen Grüßen

Wowik

Ach Wowik,
ich kann deinen Kommentar wirklich nicht verstehen, muss ich wohl auch nicht, ist ja deine Sache. Dreistigkeit kann man verschmerzen und wenn mir jemand auf den Tisch kackt, bringt mich das wohl auch nicht um. Aber plumpe Klischees und Ausflüchte in die Möglichkeit des Denkens widern mich da um einiges mehr an.

Ich fange hinten an und meine damit den Ausweg virtuell, im Internet, auf den Tischscheißen zu können, weil es ja eh kein Persönliches gibt im Rauschen der Kilobytes. Dadurch meist du auch wohl keine Verantwortung, Toleranz ja nu eh nicht. Aber warum um alles in der Welt sind Bytes jetzt anders als Tonhöhen und akustische Schwingungen? Wenn du redest, werden Daten übertragen, ob das Wellen oder Bytes sind, ist doch irrelevant, oder machst du am Medium des Austauschs den Austausch fest? Vor allem, weil du vorher von dem absoluten Moralwerten des Autors sprichst und somit eine moralisch handelnde Person implizierst. Aber persönlich soll es nicht werden? Unlogisch.

Unlogisch auch der Vorwurf der Emotionalität des Textes von MaloXP, der die Diskussion untergräbt. Nun, der Text war zuerst da und du hast dich drauf bezogen, wenn du ihn nicht verstanden hast, solltest du ihn nicht kritisieren.

Mit der Logik gehen wir weiter, an den Anfang deines Kommentars und fragen dich, alle? Du schreibst alle Klischees und erfüllst zumindest das des Ungenauen, was genau man dir auch vorwirft. Modus Barbara, du erinnerst dich, all-Aussagen sind schwer zu halten.

Klar kannst du dich jetzt retten und „einige“ einfügen, statt alle. Aber wie viel Substanz hat dann deine Aussage noch? Erfüllen wir alle nicht irgendwelche Klischees? Sind Klischees nicht vor allem Problem des Betrachters und erfüllen sich eben nur zwangsläufig einige, bei genauerer Betrachtung?

Deine Betrachtung dessen, was du als Links ausgemacht hast, scheint mir mir doch vor allem durch deine Perspektive geprägt zu sein, denn was ist denn die Linke, die Antifa? Ich will ja nicht sagen, dass man nicht gegen das Programm der Antifa sein kann (auch ohne dadurch das Gegenprogramm der Faschisten zu billigen oder unterstützen) aber man sollte sich doch nicht an Klischees und Vorurteilen reiben, sondern am Programm und der inhaltlichen Diskussion, die kann ich bei dir nämlich nicht erkenne. Richtig auch im Text von MaloXP erkenne ich sie nicht, aber Gefühle in Texten auszudrücken ist grundsätzlich erlaubt.

Dann zum Schluss noch eine Kleinigkeit. Ist, ist ein sehr genaues Wort, dass man auch genauso genau benutzen sollte. Du schreibst oft, dass etwas so und so ist, auch wenn du es nur auszumachen meinst. So schreibst du, MaloXP „hat“ einen absoluten Moralanspruch, doch eigentlich meinst du nur, er habe ihn. Wenn du schreibst, dass es so ist, dann musst du dir den Vorwurf gefallen lassen, du habest einen absoluten Wahrheitsanspruch, zu wissen was andere Denken. Das wäre wohl ziemlich lächerlich, nicht?

Du forderst eine Genauigkeit im Umgang mit Sprache, die hier gerade eben Ausdrucksmittel ist, und löst diesen Anspruch nicht ein. Dass soll dich nicht diskreditieren und so die Diskussion in eine immunisierende Weise beenden, sondern eine Diskussion erst möglich machen, indem du genauer deine Kritik ausdrückst. Denn einer Kritik, so oberflächlicher Art, wie „er erfüllt alle Klischees“ habe ich jedenfalls keine Lust zu folgen, oder auf sie einzugehen.

P.S.: Erlaube mir noch eine Richtigstellung „wirklich“ persönlicher Art. Ich habe dir nicht gesagt, du sollst dich entschuldigen, wie käme ich dazu. Das schreibst du aber. Geschrieben habe ich dir, dass ich mich entschuldigen würde. Das ist ein ungemeiner Unterschied, sieht doch deine Formulierung nach Druck aus, den ich nie aufgebaut habe. Dazu sei noch gefragt, was denn bitte eine hypothetische Entschuldigung unter Druck aussagen soll? Sprachliche wie inhaltliche Ungenauigkeiten durchziehen deinen Text.

@ soeren onez

Die Sprachkritik bezüglich meines letzten Beitrages dürfte wohl berechtigt sein, vielleicht war er ein wenig zu hitzig, ein wenig zu seicht, ein wenig zu kurz, vielleicht habe ich zu wenig gesagt und zuviel gesprochen.
Ich fange mit meiner „hypothetischen Entschuldigung“ an. Von Druck kann keine Rede sein, möglicherweise habe ich mich unpräzise Ausgedrückt aber ich wollte damit nicht mehr sagen als dass ich keine Ahnung habe wofür ich mich zu entschuldigen bräuchte bzw. ist es für mich unvorstellbar wie maloxp meine Kritik seines Textes derartig persönlich nehmen konnte. Ich beabsichtigte mit dieser Bemerkung jedoch nicht die Ernsthaftigkeit meiner Entschuldigung zu mindern.

Ich möchte mich also hiermit noch einmal bei dir, maloxp, entschuldigen falls dich irgendetwas an meinem Text beleidigt hat.

(Vielleicht ist mein Wort zu hart aber sprach nicht einst der Diamant zu Küchenkohle: „Ganz hart ist allein das Edelste?“)

Dreistigkeit? Wessen Dreistigkeit ist damit gemeint, meine oder maloxp`s? Es spielt ohnehin keine Rolle, diese Dreistigkeit beruht auf Gegenseitigkeit. Es ist nicht zu vermeiden, dass man sich in einer Diskussion nicht immer so ausdrücken kann, dass jeder glücklich damit wird.
Verantwortung? Ja, für die von mir geschriebenen Worte, nicht für die Interpretation dieser. Weil mir nichts ferner liegt als missverstanden zu werden, versuche ich das von mir Gesagte zu präzisieren.

Prinzipiell sind Bytes nichts anderes als akustische Schwingungen.
Sowenig wie ich beispielsweise Töne als die Summe ihrer Schallwellen wahrnehme, sowenig nehme ich die Bytes als Daten wahr sondern als Buchstaben welche sich im Optimalfall zu Worten und Sätzen mit Bedeutungs- und Sinngehalt formieren.
Ich nehme ja einen handschriftlich verfassten Brief nicht als das Volumen der Tinte mit der dieser geschrieben wurde wahr, sondern als eine homogene Einheit seiner Bestandteile.
Um nun eine Person als Person zu erfahren braucht es jedoch weitaus mehr als eine Schrift, eine Autobiographie oder ein Bild/ Film über die sich mir die besagte Person in entfremdeter, weil aus dem lebensweltlichen Zusammenhang entrückt, Art und Weise darstellt.
In einem Schriftwechsel fehlen eben wichtige Aspekte der Intimität, des persönlichen Erlebens und erlebt Werdens wie z.B. Mimik, Gestikulation, usw. Der zwischenmenschliche Austausch reduziert sich auf dem Papier auf das nackte Wort. Das was durch Worte von einer Persönlichkeit rekonstruiert und nachgezeichnet werden kann bleibt stets Welten von der eigentlichen, erlebbaren Persönlichkeit entfernt.
Zurück zur Sprachpräzision.

„Dieser Anspruch, dieser moralische Anspruch der den ganzen Text durchdringt und ihn mit einem Schmierfilm überzieht ist widerwärtig.“

Ich sage kein Wort über den Autor sondern etwas über den Stil und die Art des Textes. Ich kann nur erneut betonen: Ich habe in den ersten drei Kommentaren kein einziges Wort über den Autoren selbst verloren.
Das ich eine moralisch handelnde Person als Verfasser impliziere mag richtig sein (impliziert nicht jeder Text einen Verfasser?), aber dies allein als Anlass dafür zu nehmen sich persönlich angegriffen zu fühlen halte ich für fragwürdig. (Müsste ich nicht Eigenschaften angegriffen haben, die nur der angegriffenen Person zu eigen sind bzw. in einer bestimmten Konstellation zu eigen sind? Da moralischer Absolutheitsanspruch weder etwas ist was ich ihm als Person vorwerfe noch etwas das ihm alleine zukommt und auch eine bestimmte Konstellation von Eigenschaften aufgrund der Allgemeinheit des Begriffes des moralischen Anspruchs/Absolutheitsanspruchs ebenfalls ausgeschlossen werden kann, ist es nicht gerechtfertigt bzw. meinerseits nicht nachvollziehbar sich persönlich beleidigt zu fühlen. Die einzige Ausnahme würde darin bestehen, dass sich die ganze Persönlichkeit des Verfassers über den moralischen Anspruch konstituieren würde, eine solche Charakterlosigkeit habe ich jedoch nicht unterstellt. (Hätte ich sagen sollen: Du, Mensch, bist nichts als – Moral!)

Das du mir ausgerechnet mit Logik kommst…wo du doch weißt dass…durchgefallen.
Ich hoffe deinen ersten Vorwurf der fehlenden „Logik“ und Schlüssigkeit habe ich entkräften können. Möglicherweise haben wir auch ein unterschiedliches Verständnis von Persönlichkeit, bzw. persönlich sein. (Könntest du dein Verständnis diesbezüglich erörtern?)

Dein zweiter Vorwurf ist ebenfalls nicht stichhaltig (siehe Sprachpräzision).
Ich sage nicht, dass die Emotionalität die Diskussion untergräbt sondern das der Text kein derartig lyrisches Meisterwerk war, dass ich die Emotion hätte „nachempfinden“ können. Diese Feststellung ist nicht unbedingt als Kritik an maloxp`s Text zu verstehen sondern mehr als eine Rechtfertigung für mein Verständnis des Textes und somit meiner Kritik. Ich sage: „Wenn eine Emotion deine Kernaussage sein soll, dann schreibe das nächste Mal einen Roman und keinen Blogg. Das zentrale „Gefühl“ deines Textes war zu ungenau beschrieben als dass man es hätte rekonstruieren können.“

Die Kritik an meinem Hang zum Pauschalisieren mag richtig sein, aber da ich nicht gerne alles(!) relativiere was ich sage sondern davon ausgehe das der „gesunde“ Menschenverstand meiner Leser ihnen sagt: „Was der da spricht ist keine allgemeingültige, ewige, absolute, göttliche Wahrheit“, werde ich nicht dazu übergehen den Konjunktiv unnötig zu strapazieren oder den Zeigefinger warnend zu erheben und alle (ich mache es schon wieder) zu ermahnen: „Du sollst nicht verallgemeinern“

Die formale Logik hat ihre Grenzen dort wo der ästhetische Wert einer Schrift anfängt, dort wo Metaphorik ihre Früchte trägt und der Leser gewillt ist diese zu ernten.
Nehmen wir ein simples Beispiel.
„Alles fließt“ von Heraklit. Würden wir das mit der Kurzsichtigkeit eines Hardcorelogikers betrachten, wäre das eine All-Aussage die „schwer zu halten“ wäre und empirisch leicht widerlegt werden kann.

„Dieser Stein fließt nicht!“
Also sprach Gottlob Frege

Das was du zu den Klischees bemerkst ist soweit in Ordnung. Ich finde es auch nicht verwerflich Klischees zu erfüllen, aber ich halte es für hilfreich sich über seine Klischees im Klaren zu sein. Das Gleiche gilt für ein Dogma, meine Kritik geht viel weniger gegen den Inhalt eines linken, rechten usw. Dogmas, nicht einmal gegen das Dogma selbst sondern gegen den Unwillen der Dogmatiker das Dogma als Dogma anzuerkennen. (Frage: Würde der Dogmatiker seinem Dogma folgen wenn er wüsste das es eines ist?)

„…aber man sollte sich doch nicht an Klischees und Vorurteilen reiben, sondern am Programm und der inhaltlichen Diskussion“

Ja das hört sich interessant an. Ich halte es für blanken Unsinn zu glauben an Vorurteilen vorbeikommen zu können.
Dass du selbst nicht daran vorbei kommst kann ich dir leicht aufzeigen. Du erinnerst dich sicher noch an das Telefongespräch welches wir, ich glaube vor etwa zwei oder drei Wochen führten. Du sagtest etwas zur NPD bzw. den Rechten überhaupt. (Korrigiere mich bitte wenn ich etwas Falsches wiedergebe.)
Sinngemäß lief deine Argumentation etwa darauf hinaus, dass die NPD, bzw. deren Anhänger im weitesten Sinne, etwas anderes wollen als das was sie in ihrem Programm vorgeben zu wollen.
Nicht das ich jetzt falsch verstanden werde, ich möchte nämlich ungern auf dem politischen Parkett ausrutschen, ich stimme dir ja zu aber…
Ist das nicht ein Vorurteil?
Wenn du selbst erfüllen wolltest was du von mir verlangst dürftest du dich nur daran orientieren was schwarz auf weiß in ihrem Programm steht und dich nicht aufgrund von subjektiven Ahnungen und Ängsten vor einer diffusen rechten Gefahr zu Vor(Urteilen) über diese hinreißen lassen.
Ich halte Vorteile für ungefährlicher als der Glaube von ihnen frei zu sein.

Hallo Wowik,

ich finde deinen Kommentar wirklich interessant und werde demnächst ausführlicher Stellung dazu nehmen. Zuvor möchte ich dich jedoch bitten, mir einige Fragen zu beantworten bzw. sie dir zumindest gedanklich zu stellen. Ich kann dich darum nur bitten, aber ich denke, es würde eine Endlosrekursion von Polemik und ewiggleichen halbgaren Argumenten verhindern und die Diskussion voranbringen.

* Welche Elemente meines Artikels sind deines Erachtens „typisch“ links? Bitte sieh mal ab von Wertungen wie „geheuchelt“.
* Wo findet sich bei mir der „Schmierfilm“ eines „moralischen Anspruchs“? Moral beschreibt — wenn man sie philosophisch und nicht als Boulevardvokabel versteht — die Leitideen von „gutem Handeln“. Wo erhebe ich im Text den Anspruch einer Handlungsempfehlung? Mach das nochmal an einer Textstelle fest.
* Wo sage ich, bzw. wo sagt ein irgendwie geartetes Dogma, dass man Opfer zu „lieben“ hat?
* Was ist für dich (nicht auf Text bezogen, sondern allgemein) originär „links“? Auf der ideellen Ebene, bitte nicht auf jener von institutionellen Gruppierungen und/oder Wertungen.
* Du hast ja bereits Kritik daran geäußert, dass ich meine, „Sie sprechen aber gut deutsch“ sei eine tendenziell rassistische Äußerung ggü. jemandem, der deutscher Staatsbürger, aber dunkelhäutig(er als die Norm) ist. Ebenso kritisierst du polemisch, dass ich an diesem Sachverhalt festmache, dass wir es hier mit einer auf Äußerlichkeiten beruhenden Form der Konstruktion von Andersheit zu tun haben. Mal ganz ohne „Hoho, wie lächerlich!“ – was sind deine Gegenargumente?
* Woran stellst Du weiterhin fest, dass mein Artikel geheuchelt sei, bitte losgelöst von „typisch links“?
* Findest Du, Emotionen bedeuten Schwäche? (In Einschränkungen bzw. bestimmten Ausprägungen? Wenn ja, welche?)
* Du stellst Emphatie als lächerlich („Gefühlskino“) dar. Aus welchen Tatbeständen konstituiert sich deiner Meinung nach diese Lächerlichkeit? Ist sie per se lächerlich? Oder gibt es Situationen, in denen das Äußern von Mitgefühl legitim wäre (vielleicht anhand eines Beispiels)?
* Hypothetisch: Angenommen, ich würde wirklich Mitgefühl mit den beiden empfinden – wie müsste meine Kritik an der Polizei und meine Empörung über das Geschehene beschaffen sein, damit sie für dich glaubhaft wird?
* Warum glaubst Du, rührt so viele Menschen das Tagebuch der Anne Frank? Oder — meinetwegen — der Film „Hotel Ruanda“, wenn doch emotionales Nachvollziehen von Leid nur möglich ist, bei Menschen, die man kennt?
* Ich nehme an zwischen uns herrscht Konsens, dass Mitgefühl schwer zu empfinden ist gegenüber Menschen, die einem nicht nahestehen. Sonst wäre es schließlich schwierig für uns, die vielen Obdachlosen im Bahnhofsviertel zu ertragen und wären dauerhaft gelähmt, wenn wir im Fernsehen von einem Flugzeugabsturz irgendwo auf der Welt erführen. Woraus aber konstituiert sich deiner Meinung nach die Variable „Nähe“ in diesem Zusammenhang? Anders gefragt: Wie groß muss das Leid sein bzw. wie nahe muss einem jemand sein, um im Falle eines geschehenen Leids Mitgefühl zu empfinden?
* Worauf beruht deiner Meinung nach die Akzeptanz sozialer Regeln durch das Individuum? Gibt es eine Ebene hinter der Angst vor Sanktionen? Gibt es ein Gewissen? Wenn ja, welchen Zweck erfüllt es?
* Hypothetisch: Würdest Du einen Mord begehen, wenn er dir einen Vorteil brächte und Du dich nicht vor Strafe fürchten müsstest?
* Abgesehen von Beleidigungen und dem Konstatieren der Lächerlichkeit des Arguments — warum findest Du nicht, dass bei institutionell und/oder hierarchisch oktroyierten Verletzungen universeller Rechte anderer der Ausführende eine Mitverantwortung trägt? Nehmen wir mal das plakative Beispiel eines Wehrmachtsoldaten, der im KZ angewiesen wurde, einen jüdischen Häftling zu erschießen. Ist dieser überhaupt nicht verantwortlich? Wenn Verantwortung immer nach oben deligiert werden kann, so wie im Militär, war dann das ganze deutsche Volk, die Silent Majority unschuldig an den Verbrechen des Nationalsozialismus, obwohl sie sie (mit Ausnahmen) ohne Widerstand gewähren ließen? War letzten Endes Adolf Eichmann unschuldig als nicht-oberstes Glied der Hierarchie, wie er bis zum Schluss beteuerte?
* Wenn nicht, wo fängt die Verantwortung an?

Ja, können wir.
Sehr interessante Fragen, ich weiß nicht ob ich es heute schaffen werde sie zu beantworten. Schön ist auch das wir endlich von dem zwischenmenschlichen Firlefanz und verletzten Gefühlen abgekommen sind, hin zu einer sachlichen Diskussion.
Es hört sich fast so an als wenn du glaubst das Polemik und Sachlichkeit sich außschließen würden. Wenn Polemik, nichts als Polemik ist, dann ist sie leer, ist wertlos. Meine Polemik ist nie einfach nur Polemik, sie ist immer mehr als Polemik. (Dies ist zumindest mein Anspruch, ich werde freilich nicht immer meinem eigenen Ideal gerecht.)
Ich werde so bald wie möglich auf deine Fragen antworten.

Den letzten Kommentar von Wowik hatte ich erst nach meinem Abschicken bemerkt.

1. Das schöne ist, ich erhebe keinen Anspruch auf Moral, Objektivität, Intellektualität, Stil oder sonstwas in meinen Blogbeitrag. Sollte sich eines der eben genannten zufällig dorthin verirren, macht’s aber nichts. Was ich sagen will: Meine Maßstäbe sind andere als die in diesem Blog, in Bild oder FAZ vorherrschenden. Deshalb finde ich es auch schwierig, Wowik, das Du mir im Subtext vorwirfst deinen Ansprüchen nicht gerecht werden zu können, mal ganz abgesehen davon dass deine Kommentare hier meiner Auffassung von Diskursethos auch nicht gerecht werden. Mein Problem, aber ich kann damit umgehen.

Mit Klischees und Stereotypen hast Du recht, ich finde ebenfalls, dass man sie ruhig haben darf, solange man sich das prinzipiell zugesteht und offen hält, sie aufzulösen. Aber nun bin ich ja schonmal drin in deiner Schublade. In dem Sinne: Ich bin nicht „nur“ links, ich halte den Kommunismus für derzeit undurchfürbar, viele Aktionen der Antifa lächerlich, viele Diskussionen in der dogmatischen Linken albern. Und jetzt?

Jetzt hast du mich weitestgehend widerlegt.
Oder?
Im Bezug auf dich schon, aber ich habe zu deiner Person in meiner Kritik d.h. den ersten drei Kommentaren nichts gesagt (geschweige denn behauptet du seiest ein Dogmatiker) sondern nur deinen Text kommentiert und bemerkt das dieser gewisse Klischees und Vorurteile erfüllt.

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